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Medizin

Adipositas-Operation relativ komplikationsarm

Mittwoch, 28. Juli 2010

Ann Arbor – Die bariatrische Chirurgie ist möglicherweise besser als ihr Ruf. Nach einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 435-442) ist das Risiko schwerer perioperativer Komplikationen überschaubar. Todesfälle waren sehr selten.

Die Adipositas-Chirurgie erlebt in den USA derzeit einen Boom. Nach Angaben der American Society for Metabolic and Bariatric Surgery (ASMBS) haben sich im letzten Jahr 220.000 US-Amerikaner mit morbider Adipositas, den Magen verkleinern und/oder den Dünndarm verkürzen lassen.

Laut Nancy Birkmeyer von der Universität von Michigan in Ann Arbor ist die bariatrische Chirurgie die zweithäufigste abdominale Operation. Die Eingriffe führen nicht nur zu einer raschen Gewichtsabnahme, auch die begleitenden Stoffwechselstörungen vom Metabolischen Syndrom bis zum Typ-2-Diabetes mellitus bessern sich – oft noch vor der Gewichtsreduktion.

Es fehlt jedoch nicht an Stimmen, die vor den Risiken der Eingriffe warnen. Die Gefahren reichen von einer Malabsorption bis hin zur Suizidalität der unglücklichen Menschen, die durch Magenverkleinerung und Dumping-Syndrom gezwungen sind, weniger zu essen.
 

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Dem tritt Birkmeyer jetzt mit der Auswertung eines Registers der Michigan Bariatric Surgery Collaborative (MBSC) entgegen. An den 25 Zentren des US-Staates ließen sich zwischen Juni 2006 und September 2009 insgesamt 15.275 Personen operieren: Bei 5.380 wurde laparoskopisch mit einem Silikonband der Magen verkleinert (LAGB), ein potenziell reversibler Eingriff.

Bei der „Sleeve Gastrectomy“, der sich 854 morbide Adipöse unterzogen, wird der Magen permanent auf 15 Prozent seines ursprünglichen Volumens reduziert. Weitere 9.041 Personen ließen einen Magenbypass anlegen, der die Resorptionsstrecke des Dünndarms verkürzt. Dieser Eingriff ist am riskantesten.

Als schwere Komplikationen wurden abdominale Abszesse (die eine Drainage oder Reoperation erforderlich machten), Darmverschlüsse (Reoperation notwendig), Leckagen (Drainage oder Reoperation), Blutungen (mehr als 4 Konserven Blut, Endoskopie, Reoperation, Splenektomie), Atemnotsyndrom (2 bis 7 Tage Intubation), Nierenversagen (vorübergehend dialysepflichtig), Wundinfektionen oder -dehiszenzen (Reoperation) oder Thrombosen (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie) gewertet.

Als bleibende Behinderungen wurden ein Herzinfarkt oder Herzstillstand mit Reanimation, eine langfristige Dialysepflichtigkeit, eine Intubation über mehr als 7 Tage, beziehungsweise eine Tracheotomie gewertet. Diese Komplikationen traten nach LAGB bei 0,9 Prozent (Todesfälle 0,04 Prozent) auch, nach “Sleeve gastrectomy” bei 2,2 Prozent (kein Todesfall) und nach Magenbypass bei 3,6 Prozent (Todesfälle 0,14 Prozent) der Operierten.

Diese Risiken sprechen aus Sicht der Adipositas-Chirurgen indes gegen den Eingriffe, da die Operation die Patienten von einer schweren Stoffwechselstörung befreit, die mittelfristig mit einer höheren Morbidität und Mortalität verbunden sei, was aber nicht Gegenstand der Untersuchung war.

Die Studie zeigt, dass die Operationsergebnisse von der Erfahrung des Chirurgen abhängen. Bei Kollegen mit vielen Eingriffen kam es bei 1,9 Prozent zu schweren Komplikationen, bei weniger erfahrenen Operateuren bei 3,8 Prozent. Auch die Zahl der Operationen in der Klinik hatten einen Einfluss: Die Komplikationsrate schwankte von 2,3 und 4,1 Prozent.

Diese Zahlen zeigen, dass generelle Aussagen über das Operationsrisiko kaum möglich sind. Es ist denkbar, dass die Ergebnisse in anderen US-Bundesstaaten (oder anderen Ländern) besser oder auch schlechter ausfallen. Die Studie macht auch keine Aussagen über den langfristigen Folgen der Operation.

Hier wird häufig auf eine Studie der Universität in Salt Lake City verwiesen, die für einen Nachbeobachtungszeitraum von mehr als 7 Jahren eine signifikante Reduktion der Sterblichkeit nachweist, die aber durch den Anstieg von nicht-krankheitsbedingten Todesfällen (Unfälle, Suizide) geschmälert wird (NEJM 2007; 357: 753-761). © rme/aerzteblatt.de

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