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Medizin

Kalzium erhöht Herzinfarktrisiko

Freitag, 30. Juli 2010

Auckland – Die Einnahme von Kalzium-Supplementen erhöht einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 341: c3691) zufolge das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent. Ein Anstieg der Sterblichkeit wurde nicht gefunden. Ein Editorialist rät von einer unkritischen Verordnung von Kalziumsupplementen ab.

Kalziumsupplemente sind eine beliebtes und vermeintlich sicheres Mittel zur Prävention der Osteoporose, schließlich ist das Mineral in der Nahrung enthalten. Doch Kalzium ist auch Bestandteil atherosklerotischer Plaques.

Kürzlich hatten Mark Bolland von der Universität Auckland in Neuseeland und Mitarbeiter in einer randomisierten klinischen Studie ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkten bei gesunden postmenopausalen Frauen gefunden, die zur Vorbeugung einer Osteoporose mit Kalziumsupplementen behandelt worden waren (BMJ 2008; 336: 262-266). Dies widerspricht früheren Studien, nach denen Kalzium eher präventive Wirkungen auf Herz und Kreislauf haben sollte.

Bolland hat jetzt elf weitere randomisierte klinische Studien mit 8.151 Teilnehmern in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Die Analyse bestätigt seine früheren Ergebnisse: Nach einer Behandlungszeit von im Median nur 3,6 Jahren erkrankten die überwiegend weiblichen (Anteil: 88 Prozent) und älteren Patienten (Durchschnittsalter: 69 Jahren) zu etwa einem Drittel häufiger an einem Herzinfarkt: Hazard Ratio HR 1,31 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-1,67).

Auch das Schlaganfallrisiko war tendenziell erhöht (HR 1,20: 0,96-1,50), ebenso der Composite Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichem Herztod (HR 1,18; 1,00-1,39). Für das Gesamtsterberisiko wurde aber nur ein minimaler und nicht signifikanter Anstieg (HR 1,09; 0,96-1,23) gefunden.

Damit ist das Ergebnis nicht eindeutig, findet der Editorialist John Cleland von der University Leeds. Eindeutig belegt seien allerdings auch nicht die Vorteile von Kalziumsupplementen zur Prävention der Osteoporose. Auch die Kombination von Kalzium mit Vitamin D ist aus Sicht des Kardiologen nicht ausreichend evidenzbasiert.

Eine Wirksamkeit sei allein für spezifische Medikamente zur Behandlung der Osteoporose, etwa den Bisphosphonaten (aber auch für Raloxifen und Thiazide) belegt, schreibt Cleland. Bisphosphonate werden allerdings in der Regel zusammen mit Vitamin D und Kalzium verordnet.

An dieser Kombination sollte nach Ansicht Clelands festgehalten werden, eine unkritische Gabe von Vitamin D und Kalzium zur Vorbeugung der Osteoporose lehnt der Kardiologe indes ab (BMJ 2010; 341: c3856).

Die British Heart Foundation riet den Patienten in einer ersten Stellungnahme davon ab, die Kalziumpräparate eigenmächtig abzusetzen, räumte aber ein, dass die Ergebnisse der Studie bei einer Aktualisierung der Leitlinien wohl berücksichtigt werden müssten.

Auch die National Osteoporosis Society empfahl den Patienten sich zunächst mit den behandelnden Ärzten in Verbindung zu setzen. Sie weist darauf hin, dass die Wirkung einer Osteoporosetherapie ohne Kalziumsupplemente nicht belegt sei. © rme/aerzteblatt.de

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Dr. Michael Pfeifer
am Dienstag, 3. August 2010, 13:29

DVO-Leitlinien empfehlen grundsätzlich die Kombination von Calcium und Vitamin D

Die Leitlinien des Dachverbandes deutschsprachiger osteologischer wissenschaftlicher Fachgesellschaften (DVO) empfehlen sowohl zur Prävention als auch zur Basistherapie eine fixe Kombination bestehend aus 1000 mg Calcium und zwischen 800 I.E und 1200 I.E. Vitamin D. Diese Kombination senkt nicht nur das Risiko für Stürze, sondern auch das Risiko für Knochenbrüche bei Osteoporose. Gleichzeitig senkt es den Blutdruck und damit möglicherweise auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Dies wurde nicht nur in einer eigenen Studie dokumentiert, sondern auch im Rahmen der Framingham-Studie gefunden.

Literatur:
Pfeifer M et al. Effects of a short-term vitamin D3 and calcium supplementation on blood pressure and parathyroid hormone levels in elderly women.
J Clin Endocrinol Metab 2001;86:1633-1637.

Wang TJ et al. Vitamin D deficiency and risk of cardiovascular disease.
Circulation 2008;117:503-511.

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