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Medizin

Bisphenol A schädigt Spermien

Mittwoch, 4. August 2010

Ann Arbor – Bisphenol A (BPA), eine aus Plastikgegenständen freigesetzte Chemikalie mit östrogenähnlicher Wirkung kann möglicherweise die Qualität menschlicher Spermien herabsetzen. Dies berichten Reproduktions­mediziner in Reproductive Toxicology (2010; doi:10.1016/j.reprotox­.2010.07.005).

Infolge der starken Verbreitung von Plastik und Epoxidharz­versiegelungen in Lebens­mittelverpackungen ist BPA praktisch ubiquitär. Die Gruppe um John Meeker von der Universität von Michigan in Ann Arbor konnte Spuren der Chemikalie bei 93 Prozent ihrer Probanden im Urin nachweisen.

Es handelte sich um Männer, die sich wegen eines nicht erfüllten Kinderwunsches an eine Fertilitätsklinik gewandt hatten. Der Vergleich der BPA-Urinwerte mit den Ergebnissen des Spermatogramms zeigte, dass Männer mit der höchsten Exposition – oberstes Quartil der BPA-Urinkonzentration – eine um 23 Prozent niedrigere Spermienmenge im Ejakulat hatten als Männer im untersten Quartil. Auch die Zahl der DNA-Schäden der Spermien war um 10 Prozent erhöht.

Die Studie bestätigt tierexperimentelle Ergebnisse. So schädigt BPA bei Nagern die Spermien. Die Auswirkungen sind biologisch plausibel, da BPA östrogenartige Wirkungen hat. Kürzlich berichteten US-Forscher im Journal of Andrology (2010; doi: 10.2164/jandrol.110.010413) über vermehrte Erektionsstörungen und anderer Potenzprobleme bei Männern, die in China in Fabriken beschäftigt waren, in denen BPA hergestellt wird.

Bisher betrafen die Bedenken zur Schädlichkeit von BPA nur Säuglinge. Kanada hatte 2008 die Verwendung von Plastikbabyflaschen verboten. Die FDA hat im Januar 2010 Maßnahmen zur Verminderung von BPA-Exposition durch Lebensmittelverpackungen gefordert, konkrete Maßnahmen aber von den Ergebnissen laufender Studien abhängig gemacht. © rme/aerzteblatt.de

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