NewsMedizinParacetamol verdoppelt Asthmarisiko bei Kindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Paracetamol verdoppelt Asthmarisiko bei Kindern

Montag, 16. August 2010

Wellington/Neuseeland – Paracetamol, ein bei Kindern gerne und häufig eingesetztes Analgetikum und Antipyretikum, begünstigt möglicherweise die Entstehung von Asthma und anderen atopischen Erkrankungen. Dies geht aus einer Querschnittsstudie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2010; doi:10.1164/rccm.201005-0757OC) hervor.

Die International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) ist die weltweit größte epidemiologische Studie, die nach den Ursachen der steigenden Rate von Asthmaerkrankungen in den Industrieländern sucht.

Wenn die jetzige Auswertung von Richard Beasley vom Medical Research Institute of New Zealand in Wellington den Kern trifft, dann könnte Paracetamol eine der wesentlichen Gründe sein.

In der Phase III von ISAAC füllten mehr als 300.000 Teenager aus 50 Ländern im Alter von 13 und 14 Jahren Fragebögen aus, in denen sie unter anderem nach der Einnahme von Paracetamol befragt wurden. Wie Beasley berichtet, gab es eine signifikante Assoziation zwischen der Einnahme von Paracetamol und den Symptome atopischer Erkrankungen.

Anzeige

Ein moderater Einsatz (medium users) des Wirkstoffs war mit einem um 43 Prozent erhöhten Asthmarisiko assoziiert. Ein häufiger Einsatz (high users) erhöhte das Risiko um den Faktor 2,51. Auch Symptome der beiden anderen bei Kindern häufigen atopischen Erkrankungen traten nach dem Einsatz von Paracetamol häufiger auf: Für die Rhinokonjunktivitis wurde ein um 38 Prozent (medium users) oder 2,39-fach (high users) erhöhtes Risiko gefunden. Ekzemerkrankungen traten zu 31 und 99 Prozent häufiger auf.

Die Ergebnisse einer Querschnittsstudie belegen zwar keine Kausalität, doch aus Sicht der American Thoracic Society spricht einiges für diese Annahme. Es gebe gleich mehrere biologisch plausible Erklärungen, heißt es in der Pressemitteilung.

So könnte Paracetamol den oxidativen Stress erhöhen, weil Gluthadion, das wichtigste Antioxidans der Zellen, durch den Abbau von Paracetamol erschöpft werde. Die Folge könnte eine erhöhte Entzündungsbereitschaft sein.

Paracetamol würde auch die Immunantwort auf Infektionen mit Rhinoviren vermindern und damit die Symptome verlängern, heißt es in der Pressemitteilung. Rhinoviren seien aber ein häufiger Auslöser von schweren Asthmaausbrüchen in der Kindheit.

Wenn Beasley mit seiner Vermutung Recht hat, dann könnten nach den Ergebnissen der Studie 40 Prozent aller Erkrankungen auf den Einsatz von Paracetamol zurückgehen (population attributable risk). Der Autor fordert deshalb dringend die Durchführung von randomisierten klinischen Studien. Dort müsse untersucht werden, ob Kinder nach dem Einsatz von Paracetamol tatsächlich häufiger asthmatische Symptome entwickeln als unter Placebo. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. September 2018
Berlin – Eine grundlegend überarbeitete Version der nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) vorgestellt. Die Leitlinie fasst in 119
Neue nationale Versorgungsleitlinie Asthma erschienen
18. September 2018
Melbourne – Ein erhöhtes Asthmarisiko von Kindern, die in den ersten Lebensjahren häufiger mit Paracetamol behandelt wurden, könnte auf eine Variante im Gen für das Enzym Glutathion-S-Transferase
Genvariante könnte Asthmarisiko durch Paracetamol in den ersten Lebensjahren erhöhen
4. September 2018
Research Triangle Park/North Carolina – Patienten mit einer genetischen Prädisposition erkranken früher und heftiger an Asthma, wenn sie in der Nähe einer vielbefahrenen Straße wohnen. Dies kam in
Asthma: Umwelt verstärkt Einfluss der Gene
25. Juli 2018
Bochum – Ein bereits bekanntes Enzym, die Guanylatzyklase, könnte einen neuen Angriffspunkt für die Therapie von Allergien und Asthma bieten. Darauf weisen Experimente an Mäusen hin, die in Scientific
Guanylatzyklase-Hemmer könnten Allergien und Asthma abschwächen
12. Juli 2018
Trondheim/Norwegen – Erwachsene mit Asthma bronchiale erkrankten im Verlauf einer prospektiven Beobachtungsstudie in JAMA Cardiology (2018; doi: 10.1001/jamacardio.2018.1901) häufiger an einem
Studie: Asthma erhöht Risiko auf Vorhofflimmern
28. Juni 2018
Berlin – Lungenspezialisten und Patienten wollen mit einer Petition erreichen, dass Inhalativa bei Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sowie Adrenalin-Autoinjektoren in der
Petition fordert Austauschverbot für inhalative Medikamente
28. Juni 2018
Madison – Die Kombination eines inhalativen Glukokortikoids, der heutigen Initialbehandlung des Asthma bronchiale, mit einem lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) hat in vier randomisierten
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER