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Medizin

BRCA1/2: Prophylaktische Operation verhindert Krebs

Mittwoch, 1. September 2010

Philadelphia – Für Frauen mit den sogenannten Brustkrebsgenen BRCA1 oder BRCA2 sind die operative Entfernung von Brustdrüsen und Eierstöcken offenbar der sicherste Weg, um Krebserkrankungen zu vermeiden. Dies zeigt eine internationale Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 967-975).

BRCA1- oder BRCA2-Trägerinnen haben ein Lebenszeitrisiko von 56 bis 84 Prozent an einem Mammakarzinom zu erkranken. Das Lebenszeitrisiko auf ein Ovarialkarzinom wird mit 36 bis 63 Prozent für BRCA1-Trägerinnen und auf 10 bis 27 Prozent für BRCA2-Trägerinnen angegeben.

Frauen mit einem positiven Test stehen vor einer schweren Entscheidung. Zur Option stehen eine prophylaktische Chirurgie oder ein intensives Screening. Von den 2.482 Frauen, die an 22 Zentren in den USA, Großbritannien und den Niederlanden im Rahmen der “Prevention and Observation of Surgical Endpoints” oder PROSE-Studie betreut werden, konnten sich nur 18 Prozent zu einer risikoreduzierenden (bilateralen) Mastektomie (RRM) durchringen.

Eine risikoreduzierende Salpingo-Oophorektomie (RRSO) ließen 30 Prozent durchführen. Beide Operationen sind nicht ohne Nachteile. Die Entfernung der Brustdrüsen greift – trotz aller Möglichkeiten der kosmetischen Chirurgie – in das Körperbild der Frau ein, und die Entfernung der Ovarien hat eine vorzeitige Menopause mit klimakterischen Beschwerden und Langzeitrisiken wie eine Osteoporose zur Folge.

Dennoch raten viele Onkologen zu den Eingriffen – und die Ergebnisse von Susan Domchek von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia und Mitarbeitern scheinen ihnen Recht zu geben. In den bisher drei Jahren der Nachbeobachtung kam es bei keiner Frau nach RRM zum Brustkrebs, während dies bei 7 Prozent der Frauen der Fall war, die sich gegen eine Operation und für ein Screening entschieden.

Allerdings können die PROSE-Autoren keine Aussagen über die Compliance machen. Es ist nicht bekannt, ob die Frauen an den regelmäßigen Mammographien und Kernspintomographien teilnahmen, die jeweils im Wechsel alle sechs Monate durchgeführt werden sollten. Da die Mammographie Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wurde, in welchem die Heilungschancen gut sind, ist nicht ausgeschlossen, dass das Screening eine akzeptable Alternative ist.

Beim Ovarialkarzinom ist dies anders. Der Wert des Screenings mit transvaginaler Ultraschalluntersuchung und dem Nachweis des Tumormarkers CA 125 im Blut ist alles andere als gesichert. Hier sind Frauen nach einer RRSO vermutlich auf der sicheren Seite.

In den ersten sechs Jahren der Nachbeobachtung sind bei den operierten Frauen keine Ovarialkarzinome aufgetreten (einige Frauen mit BRCA1-Mutationen hatten allerdings bei der Primäroperation bereits einen peritonealen Tumorbefall) gegenüber einer Häufigkeit von fast 6 Prozent bei den Frauen ohne Operation.

Dies hatte nach den vorgestellten Daten Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Die RRSO senkte nicht nur die Sterberate am Ovarialkarzinom von 3 auf 0,4 Prozent. Auch die brustkrebsspezifische Sterblichkeit ging von 6 auf 2 Prozent zurück und die Gesamtsterblichkeit sank von 10 auf 3 Prozent.

Frauen mit einem positiven BRCA1/2-Test liefert die Studie wichtige Informationen für eine schwierige Entscheidung, schreibt Virginia Kaklamani von der Northwestern University in Chicago im Editorial (JAMA 2010; 304: 967-975). Sie verweist darauf, dass sich die Operationen verbessert haben.

Eine RRSO könne heute laparoskopisch durchgeführt werden. Einige Zentren würden sie sogar ambulant anbieten. Bei der Mastektomie hätten sich die kosmetischen Ergebnisse durch „hautsparende“ Eingriffe verbessert. © rme/aerzteblatt.de

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