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Medizin

Erster Bluttest für das Gendoping

Donnerstag, 2. September 2010

Mainz – Wissenschaftler aus Tübingen und Mainz haben einen Bluttest entwickelt, der Gendoping zuverlässig auch nach längerer Zeit nachweisen kann. Tierexperimentelle Studien in Gene Therapy (2010;doi: 10.1038/gt.2010.122) lassen erwarten, dass das Verfahren eindeutige „Ja-oder-Nein-Antworten” liefert.

Das Gendoping ist gewissermaßen die dunkle Seite der Gentherapie. Mittels Gentherapie ist es heute möglich bestimmte Gene in den Körper einzubringen, die dann – lebenslang – eine Funktion ersetzen, die infolge einer Mutation ausgefallen ist. Dies ist auch beim Menschen vereinzelt angewandt worden.

Beim Gendoping würden dem Körper Gene zugeführt, die die körperliche Leistungsfähigkeit – ebenfalls langfristig – verbessern. Ein viel zitiertes Beispiel ist das Gendoping mit Erythropoetin (EPO). Dabei würde das Erythropoetin-Gen in Zellen des Körpers eingebracht. Sie würden über den Bedarf hinaus Erythropoetin produzieren, so dass der Hämatokrit und die Ausdauer steigen.

Bislang ist kein Fall eines Gendopings bekannt geworden. Es gibt auch keinerlei Belege dafür, dass ein solches Verfahren zur Leistungssteigerung effektiv wäre oder bereits durchgeführt wird. Dennoch waren der Welt-Anti-Doping-Agentur die Arbeiten an einem Gendoping-Test während der letzten 4 Jahre 980.000 US-Dollar wert, mit der die Arbeiten der Forschergruppe um Perikles Simon von der Universität Mainz in den letzten vier Jahren gefördert wurden.
 

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Herausgekommen ist ein Test, der fremde oder transgene DNA (tDNA) von der körpereigenen DNA unterscheiden kann, auch wenn die Erbinformation die gleiche ist. Die körpereignen Gene enthalten neben der eigentlichen Erbsubstanz (Exon) auch nicht-codierende Abschnitte, Intron genannt. Sie fehlen beim Gendoping.

Mittels Polymerasekettenreaktion kann die tDNA eindeutig erkannt werden. Die Forscher hatten die Methode bereits vor zwei Jahren beschrieben. Jetzt haben sie erste Versuche an Mäusen durchgeführt.

Bis zu 56 Tage nach einer “Genspritze” in die Muskulatur konnten die Forscher anhand von sehr kleinen Blutproben sicher unterscheiden, bei welchen Tieren Gendoping stattgefunden hatte und bei welchen nicht. Auch eine erste Spezifitätsprüfung verlief positiv. Die Forscher untersuchten 327 Blutproben von Leistungs- und Freizeitsportlern. Alle Tests waren negativ.

Ob und wann der Gendoping-Test eingeführt wird, ist derzeit nicht abzusehen. Die Forscher hoffen auf eine abschreckende Wirkung. Das Wissen um das Risiko, auch Monate nach einem durchgeführten Gentransfer bei einer Wettkampfkontrolle entdeckt zu werden, dürfte auch die waghalsigsten Doping-Anwender abschrecken, glaubt Simon. © rme/aerzteblatt.de

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