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Ärzteschaft

Arztberuf: Bundesweite Befragung zeigt hohe Motivation des Nachwuchses

Montag, 20. September 2010

Berlin – Für  junge Menschen ist der Arztberuf immer noch erstrebenswert. Dies ist ein zentrales Ergebnis  einer Online-Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) und der Universität Trier, an der sich im Sommer 2010 mehr als 12.000 Medizinstudierende fast aller medizinischen Fakultäten Deutschlands beteiligten.

„Die jungen angehenden Ärztinnen und Ärzte wissen, dass ihre Arbeit gefragt ist. Sie haben das Privileg, sich später aussuchen zu können, ob sie in einer Klinik oder in einer Praxis arbeiten“, erklärte  Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. 

Wenig  attraktiv unter den befragten Nachwuchsmedizinern, von denen etwa zwei Drittel weiblich waren, ist eine Niederlassung als Hausarzt. Lediglich 38 Prozent der nächsten Medizinergeneration können sich dies vorstellen.

Dass die geringe Bereitschaft  nicht an der Niederlassung als solcher liegt, zeigt die Tatsache, dass  74 Prozent der Befragten angaben, sich eine Niederlassung als spezialisierter Facharzt vorstellen zu können. 

Eine wesentliche Rolle spielt für die künftigen Ärztinnen und Ärzte auch der Einsatzort: So lehnen 54 Prozent aller Befragten lehnt eine Arbeit in kleinen Kommunen bis 2.000 Einwohner ab, am beliebtesten sind Städte zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern als möglicher Arbeitsort.

Für Müller steht deshalb fest: „ Ohne eine besondere Förderung der Niederlassung in ländlichen Gebieten wird es uns nicht gelingen, genügend Hausärzte für eine flächendeckende Versorgung zu gewinnen.“ 
 

Dazu müssen sich Müller zufolge die  Versorgungsstrukturen verändern. Gemeinschaftspraxen, Ärztliche Versorgungszentren und MVZ stünden dabei weit oben auf der Prioritätenliste. „So lassen sich auch besser eine Teilzeittätigkeit und ein reger fachlicher Austausch mit den Kollegen ermöglichen, den die Studierenden wünschen“, erläutert er.

Weitere Möglichkeiten wären  Filialpraxen, die Verlagerung des Notdienstes an Krankenhäusern und der Einsatz von qualifizierten Praxisangestellten auch zu Hausbesuchen.

Außerdem müssten nach Ansicht der KBV auch Hindernisse bei der Niederlassung insgesamt beseitigt werden. An der Spitze der Liste der Hindernisse sehen die Studierenden neben dem hohen finanziellen Risiko, das von 63 Prozent der Befragten  angegeben wird, die hohe Bürokratie (58 Prozent), eine niedrige Honorierung (53 Prozent) und die drohenden Regressforderungen (50 Prozent), gefolgt von einem geringen fachlichen Austausch (36 Prozent).

 „Mit unseren Forderungen liegen wir also richtig: Bürokratieabbau, eine angemessene Honorierung und die Beseitigung des Regressrisikos sind unabdingbar, um ärztlichen Nachwuchs in die Praxen zu holen“, betonte Müller. „Auch fordert die KBV schon lange, dass Regresse wegfallen müssen. Es darf nicht sein, dass das finanzielle Risiko von Arzneimittelverschreibungen Medizinstudenten von vornherein von der Niederlassung abhält“, meinte der KBV-Vize.

Notdienste spielen dagegen für die Befragten eine untergeordnete Rolle: Lediglich elf Prozent der Studierenden halten das für ein Niederlassungshindernis. Die meisten Befragten wären bereit, zwischen sechs und 15 Bereitschaftsdienste am Wochenende pro Jahr zu leisten.

Auch das Kümmern um eine Familie sehen nur 31 Prozent  als Hindernis für eine Niederlassung an, im Krankenhaus dagegen schreckt dieser Faktor über 60 Prozent der Befragten ab.

 „Die Ergebnisse zeigen uns, dass der Nachwuchs hoch motiviert von den Universitäten entlassen wird, aber im niedergelassenen Bereich oftmals die gewünschte Teamarbeit nicht möglich ist“, konstatierte Volker Hildebrandt, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages.

Im Fächervergleich weise das Medizinstudium die höchste Erfolgsquote und die geringsten Studienabbruchquoten von allen Studiengängen  auf.

Besonders gelte es jetzt, den besonderen Vorstellungen von Frauen zu den Arbeitsstrukturen besser zu entsprechen, denn sie stellten bald zwei Drittel der Absolventen, betonte Hildebrandt. In der Umfrage gaben 96 Prozent der Studierenden an, dass sie sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünschen. © ER/aerzteblatt.de

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