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Medizin

Genstudie: Asthma geht Allergie voraus

Donnerstag, 23. September 2010

London – Die bisher größte Genstudie zum Asthma bronchiale kommt zu dem Ergebnis, dass Umweltfaktoren vermutlich eine größere Rolle spielen als Varianten im Erbgut. Die sechs im New England Journal of Medicine (2010; 363: 1211-1221) beschriebenen Genvarianten stellen außerdem die Annahme einer allergischen Genese des Asthma bronchiale infrage.

Etwa 15 Milliarden sogenannter Analysen haben Mitarbeiter am Centre National de Genotypage in der Nähe von Paris in den letzten Jahren für die genom-weite Assoziationsstudie des GABRIEL-Konsortiums durchgeführt.

Möglich wurde dies durch die Automatisierung und die Verwendung von Genchips, mit denen gleichzeitig Zehntausende von Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) bestimmt werden. 164 Forscher aus 19 Ländern hatten sich zusammengeschlossen, um den genetischen Ursachen der Asthmaerkrankung auf die Spur zu kommen. Doch der Genvergleich zwischen 10.000 Kindern und Erwachsenen mit Asthma bronchiale und 16.000 Nicht-Asthmatiker führte nicht zu dem erwarteten Ergebnis.

Erwartet wurden genetische Varianten in den Genen, die die Bildung der IgE-Antikörper beeinflussen, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind. Die meisten Experten sehen das Asthma bronchiale als Teil eines allergischen Erkrankungsspektrums, das mit einer Atopischen Dermatitis (“Neurodermitis”) im Säuglingsalter beginnt, später folgt dann eine allergische Rhinokonjunktivitis (“Heuschnupfen”) und nach einem weiteren Etagenwechsel erkrankten die Patienten an einem Asthma bronchiale.

Am Anfang soll eine allergische Sensibilisierung stehen, die eine chronische Entzündung der Schleimhäute auslöst, die dann in eine obstruktive Lungenerkrankung mündet.

Doch die Ergebnisse weisen in die umgekehrte Richtung. Denn die sechs jetzt entdeckten Genvarianten (SNP) sind überwiegend in die Entzündungsreaktion eingebunden. Sie beeinflussen beispielsweise die Bildung oder Wirkung von Interleukinen. Dies könnte bedeuten, dass Allergien nicht die Ursache, sondern die Folge einer Asthmaerkrankung sind.

Die Entzündungsreaktion beim Asthma könnte erst den Boden legen für eine Sensibilisierung, vermutet Miriam Moffatt vom Imperial College London, eine der Leitautorinnen der Studie. Auch ihre deutsche Kollegin Erika von Mutius vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München geht davon aus, dass die Zusammenhänge zwischen Asthma bronchiale und Allergien neu überdacht werden müssen.

Beiden Erkrankungen lägen vermutlich unterschiedliche Mechanismen zugrunde, heißt es in der Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums Münchens. Damit muss die Frage, was für die Asthmaerkrankung verantwortlich ist, neu gestellt werden.

Die genetische Prädisposition allein ist es vermutlich nicht. Alle sechs Genvarianten zusammen erklären nach Berechnungen der Autoren gerade einmal 38 Prozent der Asthmaerkrankungen. Indirekt hebe dies die zusätzliche Bedeutung der Umweltfaktoren hervor, meint Leitautorin von Mutius. Die Studie zeigt außerdem, dass das Asthma bronchiale bei Kindern und Erwachsenen zwei verschiedene Erkrankungen sind. Beide waren in der Studie mit unterschiedlichen Genvarianten assoziiert.

Einen Gentest, mit dem Asthmaerkrankungen bei jung oder alt vorhergesagt werden können, wird es als Ergebnisse der Studie nicht geben, berichten die Forscher. Sie hoffen aber, der Arzneimittelforschung Anregungen gegeben zu haben. Die sechs Gene könnten Ansatzpunkte für die Entwicklung neue Medikamente sein.

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© rme/aerzteblatt.de

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