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Zu viel des Guten: Schmerzmittel schädigte die Gelenke

Donnerstag, 30. September 2010

Chicago – Ein monoklonaler Antikörper gegen den Nervenwachstumsfaktor hat in einer Studie die Arthrose-Schmerzen so gut gelindert, dass die Gelenke einiger Patienten durch eine Überbeanspruchung Schaden erlitten. Die im New England Journal of Medicine (2010; doi: 10.1056/NEJMoa0901510) vorgestellten Ergebnis einer Phase-II-Studie belegen die gute Wirkung.

Wenn man die nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) und COX-2-Inhibitoren als Aspirinvarianten betrachtet, kann man mit Thomas Schnitzer vom der Northwestern University in Chicago sagen, dass seit mehr als hundert Jahren kein wirklich neues Schmerzmittel zur Behandlung der Osteoarthritis eingeführt wurde, an der im Alter die Mehrheit aller Menschen erkrankt.

Bislang gibt es keinen Wirkstoff, der spezifisch die Nociception im geschädigten Gewebe blockiert. Dass dies ausgerechnet durch monoklonale Antikörper gegen den Nervenwachstumsfaktor (NGF) möglich sein könnte, geht auf tierexperimentelle Beobachtungen zurück, in denen Antiseren eine analgetische Wirkung entfalteten.

Inzwischen ist bekannt, dass der NGF über zwei Rezeptoren die Sensibilität der Schmerzempfindung erhöht. Der monoklonale Antikörper Tanezumab verhindert dies, indem er NGF bindet, bevor dieser die Rezeptoren erreicht.

Die klinische Entwicklung verlief äußerst vielversprechend. In der Phase-II-Studie an 440 Patienten mit schwerer Kniearthrose, über die Schnitzer jetzt berichtet, linderte Tanezumab die Schmerzen beim Gehen um bis zu 62 Prozent. Auch die Steifheit und Funktion der Gelenke besserte sich deutlich. Die Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen (9 Prozent der Patienten), obere Atemwegsinfeke (7 Prozent) und eine Parästhesie (7 Prozent) hätten die Zulassung des Medikaments sicher nicht gefährdet.

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Ende Juni 2010 musste der Hersteller Pfizer auf Geheiß der Kontrollbehörde FDA jedoch alle Phase-III-Studien vorerst stoppen. Der Grund war eine Häufung von schweren Gelenkschäden, die bei 16 von mehreren tausend Patienten einen frühzeitigen Gelenkersatz erforderlich machten.

Als Grund wird ein beschleunigter Verschleiß des Gelenks angegeben. Die gute Schmerzlinderung durch Tanezumab hatte die Patienten veranlasst, die erkrankten Gelenke häufiger und stärker zu benutzen, als dies gut für sie war.

Die Arthrose schritt schneller voran, als unter einer konventionellen Schmerztherapie. Für den Editorialisten John Wood vom University College London zeigt dies, dass Schmerzen nicht nur eine lästige Begleiterscheinung der Arthrose sind, sondern durchaus eine positive Funktion haben, indem sie die Patienten davon abhalten ihre Gelenke weiter zu schädigen (NEJM; 2010; doi: 10.1056/NEJMe1004416). © rme/aerzteblatt.de

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