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Medizin

AMD: Avastin und Lucentis gleichwertig

Freitag, 1. Oktober 2010

Boston - In der Behandlung der exsudativen (feuchten) altersbezogenen Makuladegeneration (AMD) ist das für Krebserkrankungen zugelassene Bevacizumab (Avastin®) für viele Augenärzte eine gleichwertige und zugleich deutlich preisgünstigere Alternative zu dem Ophthalmikum Ranibizumab (Lucentis®). Die Ergebnisse der ersten direkten Vergleichsstudie in Eye (2010; doi: 10.1038/eye.2010.147) scheinen dies zu bestätigen.

Bevacizumab und Ranibizumab sind monoklonale Antikörper, die den humanen vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor A (VEGF-A) binden, der an der Pathogenese der exsudativen AMD beteiligt ist. Beide Wirkstoffe wurden aus dem gleichen murinen Antikörper abgeleitet, doch die Anwendung von Lucentis® ist mit Kosten von über 1.500 Euro wesentlich teurer als Avastin®, das durch Portionierung der für die Krebstherapie zugelassenen Präparate für weniger als 100 Euro hergestellt werden kann.

Bevacizumab ist jedoch nicht mit Ranibizumab identisch. Der wesentliche Unterschied besteht im Molekulargewicht: Ranibizumab ist ein 48-kD Fab-Fragment, während Bevacizumab der komplette 149-kD-Antikörper ist. Der Unterschied könnte durchaus bewirken, dass Ranibizumab nach einer intraokularen Injektion sein Ziel schneller erreicht und dort länger wirksam ist. Ob dies zu einer günstigeren Wirkung führt, die den Unterschied im Preis rechtfertigt, ist offen. 

Der niedrige Preis von Bevacizumab und die späte Verfügbarkeit hatten viele Augenärzte motiviert, die AMD mit Bevacizumab zu behandeln. Die Ergebnisse waren günstig, doch direkte Vergleichsstudien wurden zunächst nicht durchgeführt. Da der Hersteller beider Medikamente an ihnen kein wirtschaftliches Interesse hat, müssen die Augenärzte die Studien selbst organisieren.

Eine der ersten Studien wurde an der Universität Boston begonnen. Dort wurden 22 Patienten im Verhältnis 2 zu 1 auf eine Therapie mit Avastin und Lucentis randomisiert. Inzwischen wurden die Patienten über ein Jahr behandelt und die Sehleistung hat sich unter Avastin von 34,9 auf 42,5 Buchstaben auf der Sehtafel der Early Treatment Diabetic Retinopathy Study verbessert.
 

Unter Lucentis stieg die Sehkraft von 32,7 auf 39,0 Buchstaben. Dies kam in beiden Gruppen einer Verbesserung um etwa 1,5 Linien auf der Sehtafel gleich, berichtet Manju Subramanian von der Universität Boston. Ein Vorteil von Lucentis sei bisher nicht erkennbar, schreibt der Experte. Tatsächlich habe der einzige Patient, bei dem es in der Studie zu einer Visusverschlechterung gekommen war, Lucentis erhalten. 

Der einzige Unterschied bestand in der Zahl der notwendigen Injektionen. Bevacizumab musste im Verlauf des ersten Jahres im Durchschnitt acht Mal injiziert werden, bei Ranibizumab waren nur vier Injektionen notwendig (was sich leicht aus den genannten Unterschieden der beiden Moleküle ableiten lässt).

Eine kleine randomisierte Studie an nur 22 Patienten dürfte die Gleichwertigkeit beider Medikamente nicht anschließend belegen. Zum Vergleich: In den drei Zulassungsstudien war die Wirkung von Lucentis an 1.300 AMD-Patienten über 12 bis 24 Monate mit Scheininjektionen oder einer photodynamischen Therapie (PDT) mit Verteporfin verglichen worden.

Es dürften in den nächsten Monaten aber Ergebnisse aus weiteren “Kopf-an-Kopf”-Vergleichen hinzukommen. Zu ihnen gehört auch die an Bremer Augenkliniken durchgeführte VIBERA Studie.

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© rme/aerzteblatt.de

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