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Medizin

Tiefenhirn­stimulation gegen Zwangsstörungen

Dienstag, 5. Oktober 2010

Amsterdam – Zwangsstörungen lassen sich durch eine Tiefenhirnstimulation des Nucleus accumbens lindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine kleine Doppelblindstudie in den Archives of General Psychiatry (2010: 67: 1061-1068).

Die Tiefenhirnstimulation wurde ursprünglich zur Behandlung der Parkinson-Krankheit entwickelt, wo sie die motorischen Symptome wie den Tremor lindert. Mittlerweile wird sie auch zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen wie der Depression und der Zwangsstörung evaluiert.

Bei der Zwangsstörung bietet sich die beidseitige Stimulation des Nucleus accumbens als Ziel an. Er gehört zum neuronalen Belohnungssystem des Gehirns. Seine Aussschaltung könnte die Patienten von den sie quälenden persistenten “obsessiven” Gedanken und repetitiven “ritualisierten” Verhaltensweisen befreien.

Als invasive Therapie kommt eine Tiefenhirnstimulation für Damiaan Denys vom Academisch Medisch Centrum der Universität Amsterdam nur infrage, wenn ein erheblicher Leidensdruck vorhanden ist und eine medikamentöse Therapie keine Linderung verschafft hatte. Die 16 Teilnehmer der Studie litten seit mehr als 5 Jahren unter einer schweren Zwangsstörung (Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale Y-BOCS 28 von 40 Punkten oder mehr) und mindestens drei medikamentöse Therapien hatten versagt.

Bei allen Patienten wurden in einem stereotaktischen Eingriff bilateral mehrere Sonden in den Nucleus accumbens vorgeschoben. Die Studie bestand aus drei Phasen. Auf eine achtmonatige offene Phase, in der nach einer optimalen Stärke der Tiefenhirnstimulation gesucht wurde, schloss sich eine einmonatige Doppelblindphase an, in der weder Patienten noch Untersucher wussten, ob die Geräte angeschaltet waren oder nicht, was für jeweils zwei Wochen der Fall war. Danach wurden die Patienten über 12 Monate unter der aktivierten Tiefenhirnstimulation beobachtet.

In der offenen Phase zeigte sich, dass die Therapie nicht immer ihr Ziel erreicht. Bei sieben Patienten konnte der Y-BOCS nicht wesentlich gesenkt werden. Dies könnte laut Denys an einer nicht optimalen Platzierung der Elektroden gelegen haben oder daran, dass einige Patienten die Störung als egosyntonisch, sprich nicht als krankhaft erleben, was bei Perfektionisten der Fall sein kann.

Wie dem auch sei: Bei 16 Patienten kam es unter der Therapie zu einer überaus deutlichen Reduktion des Y-BOCS um im Durchschnitt 23,7 Punkten, was einem relativen Rückgang um 72 Prozent entspricht. Der Unterschied zur Schein-Tiefenhirnstimulation in der mittleren Phase betrug bei diesen Patienten allerdings nur 8,3 Punkte oder relativ 25 Prozent, so dass eine gewisse Placebowirkung wohl nicht ausgeschlossen werden kann.

Da die Therapie nicht ohne Nebenwirkungen ist, dürfte sie auf Patienten beschränkt bleiben, denen auf andere Weise nicht geholfen werden kann. Neben den Komplikationen der Operation kann die Tiefenhirnstimulation selbst auch Nebenwirkungen auslösen. Dazu gehört unter anderem eine zu starke Hebung des Gemütszustands bis hin zu hypomanischen Symptomen, die bei jedem zweiten Patienten auftraten.

© rme/aerzteblatt.de

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