Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

PID: Kauder warnt vor Koalitionsstreit

Montag, 11. Oktober 2010

Berlin – Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) hat die Union dazu aufgerufen, zum Thema Prä­implantations­diagnostik (PID) „keinen öffentlichen Streit auszutragen“.

Kauder sagte am Montag in Berlin, „bevor es in dieser Frage zu inter­fraktionellen Anträgen kommt, sollte zunächst innerhalb der Koalition ein mögliches Ergebnis ausgelotet werden“.

In den nächsten Tagen werde es dazu Gespräche geben. Kauder betonte zugleich: „Ich habe mich auf dem C-Kongress der CDU/CSU-Bundestags­fraktion für ein Verbot der PID ausgesprochen, wie es auch die Parteiprogramme der Union vorsehen“. 

Die in Berlin erscheinende Tageszeitung Die Welt hatte berichtet, die Unions-Fraktion erwäge aus Gründen des Koalitionsfriedens vom bisherigen Verbot der umstrittenen PID abzurücken, um Forderungen der FDP nach einer weitgehenden Zulassung entgegenzukommen. Eine Gruppe christdemokratischer Abgeordneter strebt hingegen an, eine fraktionsübergreifende Mehrheit für ein Verbot der PID zu suchen. 

Derweil bekräftigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch die strikte Absage der Kirche gegenüber der PID. Nach einem Vorabbericht der Welt zieht der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hingegen eine begrenzte Zulassung der PID in Erwägung. 

Der Bundesgerichtshof hatte im Juli festgestellt, dass die PID nach geltender Rechtslage nicht verboten ist. Sie verstoße nicht gegen das Embryonenschutzgesetz und bleibe deshalb straffrei. 

Eine Gruppe von FDP-Abgeordneten um die Gesundheitspolitische Sprecherin Ulrike Flach, hat in einem Positionspapier bereits die eine generelle Zulassung der PID „im Falle von genetischen Krankheitsdispositionen“ verlangt. Nach diesen Vorstellungen würde die Bundes­ärzte­kammer über einen Katalog der Erkrankungen entscheiden, die dann zu einer Selektion führen. 

Zollitsch kritisierte, dass sich der Mensch bei der PID zum Herrn über das Leben mache. Er entscheide bei den erzeugten Embryonen, „wer davon überlebt und wer nicht. Das ist unerträglich“, so der Erzbischof.

Schneider bekundete hingegen „viel Sympathie für das Bestreben, die PID unter eng gefassten Bedingungen zuzulassen, sie also nur dann zu erlauben, wenn die Eltern die Anlage zu schwersten Erbkrankheiten in sich tragen und die stark begründete Gefahr besteht, dass sie diese Krankheiten an ihr Kind weitergeben“. Er räumte allerdings die Gefahr ein, „dass jede gesetzliche Eingrenzung nach und nach ausgehöhlt wird“.

  © dapd/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

31.08.17
Schweiz erlaubt Genuntersuchungen an Embryonen
Bern – Ab dem 1. September dürfen Ärzte in der Schweiz nach einer künstlichen Befruchtung den Embryo auf bestimmte genetische Merkmale untersuchen. Die Richtlinien sind so eng gefasst wie in......
11.05.17
Präimplantations­diagnostik: Ethikkommissionen haben weiten Spielraum
München – Die Ethikkommissionen für die Präimplantationsdiagnostik (PID) haben einen großen Beurteilungsspielraum bei der Entscheidung darüber, in welchen Fällen sie die PID erlauben. Das hat heute......
07.09.16
Gericht bekräftigt medizinische Grenzen bei künstlicher Befruchtung
München – Das Verwaltungsgericht München hat die Grenzen der Präimplantationsdiagnostik (PID) bei künstlicher Befruchtung bekräftigt. Auch eine relativ neue Diagnosemethode, die sogenannte......
06.06.16
Schweizer für Zulassung von Präimplantations­diagnostik
Bern – Die Schweizer haben sich bei einem Referendum für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) entschieden. Laut aktuellen Hochrechnungen stimmten am Sonntag 61 Prozent der Wähler dafür,......
02.06.16
Präimplantations­diagnostik: Schweizer stimmen über Gesetz ab
Bern – Am Sonntag stimmen die Schweizer erneut über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab. Zum zweiten Mal binnen eines Jahres geht es darum, ob unter bestimmten Bedingungen Gentests......
01.09.15
Schweizer Referendum gegen Fortpflanzungs­medizingesetz geplant
Bern - Ein überparteiliches Komitee in der Schweiz strebt ein Referendum gegen das neue Fortpflanzungsmedizingesetz an. Ziel sei es, eine „flächendeckende willkürliche“ Anwendung der sogenannten......
14.07.15
Weg für die Präimplantations­diagnostik in sechs Bundesländern frei
Stuttgart – Nach jahrelangen Diskussionen und Gesetzgebungsverfahren ist der Weg für die ethisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige