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Politik

Experten beklagen anhaltende Defizite bei Palliativversorgung

Sonntag, 21. November 2010

Aachen –  Experten beklagen anhaltende Defizite bei der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland. Zwar sei die Zahl stationärer und ambulanter Einrichtungen gewachsen, sagte der Präsident der Europäischen Vereinigung für Palliativmedizin (EAPC), Lukas Radbruch, am Samstag bei den „Aachener Hospizgesprächen“.

Doch ein flächendeckendes Angebot sei noch lange nicht gewährleistet, betonte der Bonner Palliativmediziner. Vor allem für nicht an Tumoren erkrankte Patienten sei eine Palliativversorgung blockiert. Darunter versteht man die Betreuung sterbenskranker Menschen, insbesondere die Schmerzbekämpfung. 

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, Birgit Weihrauch. Zwar habe die Hospizbewegung mit nun etwa 80.000 Ehrenamtlichen viel erreicht. So gebe es grundlegende Versorgungsstrukturen durch die inzwischen rund 170 stationären Hospize, circa 190 Palliativstationen und etwa 1.500 ambulanten Hospizdienste.

Nach wie vor würden aber viele Menschen, die eine hospizliche und palliative Versorgung benötigten, nicht erreicht. Dies betreffe besonders Demente, Menschen in Pflegeeinrichtungen und Patienten mit anderen als Krebsdiagnosen wie unheilbare Herz- oder Nierenerkrankte. 

Weihrauch begrüßte, dass der Ausbau der spezialisierten ambulanten Versorgung unheilbar Kranker 2007 gesetzlich neu geregelt wurde, damit ein Sterben im vertrauten häuslichen Umfeld möglich wird. Nun müssten aber die Hospizidee und die palliative Kompetenz auch in die allgemeinen Versorgungsstrukturen wie Krankenhäuser und Pflegeheime eingebunden werden.

Weiter plädierte sie dafür, den Stellenwert der Ehrenamtlichen bei der Begleitung Sterbender nicht zu unterschätzen. Sie seien ein wichtiges Glied in dem Netzwerk, das sich um Menschen in ihrer letzten Lebensphase kümmere. Denn die Patienten benötigten nicht nur eine medizinische Versorgung, sondern hätten auch soziale, emotionale und spirituelle Bedürfnisse. 

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Carl-Heinz Müller, bemängelte, dass es bei der spezialisierten ambulanten Versorgung unheilbar Kranker „viele weiße Flecken“ gebe. Dies liege daran, dass die Krankenkassen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben von 2007 nur Einzelverträge mit Leistungserbringern schließen sollen und es dabei zu Verzögerungen komme. Notwendig sei, diese Leistung  kollektivvertraglich und damit bundeseinheitlich zu regeln. Die spezialisierte ambulante Versorgung müsse zum festen Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung gemacht werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Christof Müller-Busch, betonte, die Begleitung Sterbender sei nicht nur eine medizinische und hospizliche Aufgabe. Das Thema Sterben gehöre in die Mitte der Gesellschaft. Jeder Sterbefall berühre im

Schnitt vier bis fünf Angehörige, die soziale, psychologische, medizinische oder „nur“ nachbarschaftliche Hilfen benötigten. © kna/aerzteblatt.de

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peho137
am Montag, 22. November 2010, 13:28

Schaut auf Westfalen - Lippe

In diesem Kassenbezirk stellt sich die Lage völlig anders dar:
• Der gesamte Kassenbezirk mit 8 Mio. Einwohnern wird nahezu flächendeckend von 26 Palliativteams und den mit ihnen kooperierenden Pflegediensten versorgt.
• In der Teilerprobungsphase vom 01.10.2009 bis zum 31.9.2010 wurden ca. 8.000 Palliativpatienten ambulant versorgt.
• In ihrer häuslichen Umgebung verstarben 87 Prozent der versorgten Patienten, nach einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 35 Tagen, in Krankenhäusern verstarben nur noch 13 Prozent der Patienten.
Aus diesen Daten erhellt, dass in diesem Kassenbezirk eine qualitativ hochwertige Palliativversorgung erbracht wird, die dem Wunsche der Patienten und zugleich dem Verfassungsgebot des Würdeschutzes entspricht. Erste Erhebungen über die an die Leistungserbringer in der Palliativversorgung gezahlten Vergütungen deuten zudem an, dass auch dem Wirtschaftlichkeitsgebot des SGB V im Kassenbezirk WL voll entsprochen wird. Der entscheidende Wandel aber spielte sich „hinter den Kulissen“ ab. Das Verhältnis zwischen den Ärzten, den Krankenkassen und der KV WL kennzeichnet sich jetzt durch vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und das alles ohne zusätzliche Verträge, wie sie die KBV kürzlich meinte, fordern zu sollen.

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