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Medizin

Adipositas-Gene steuern Menarche

Montag, 22. November 2010

Cambridge – Die Menarche, bei jungen Mädchen sicherlich der bedeutsamste Wandel in der Pubertät, wird vermutlich von Genen gesteuert, die in den Energiestoffwechsel eingreifen. Dies legen die Ergebnisse einer genomweiten Assoziationsstudie iGWAS in Nature Genetics (2010: doi: 10.1038/ng.714) nahe.

Die Menarche hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu einem jüngeren Alter hin verschoben. War Anfang des letzten Jahrhunderts ein Einsetzen der Monatsblutung vor dem 14. Lebensjahr ungewöhnlich, so lag der Zeitpunkt in einer US-Studie jüngst bei durchschnittlich 12,5 Jahren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Mädchen im Alter unter 10 Jahren davon überrascht werden.

Epidemiologen bringen den frühen Beginn mit den veränderten Ernährungsgewohnheiten in Verbindung, was durch die GWAS der Gruppe um Cathy Elks von der Medical Research Council Epidemiology Unit in Cambridge bestätigt wird.

Die Forscher haben Genvarianten (SNP) von mehr als hunderttausend Frauen aus Europa (deutsche Beteiligung: Helmholtz Zentrum und LMU München) mit dem Zeitpunkt der Menarche in Verbindung gesetzt.

Unter den 30 Genorten, für die ein Einfluss nachgewiesen wurde, waren vier Gene, die den Body-Mass-Index beeinflussen (darunter das wichtigste Adipositas-Gen FTO). Drei weitere SNP wurden in oder nahe von Genen gefunden, die die Energiehomöostase beeinflussen, und drei weitere Gene greifen in die hormonelle Regulation des Stoffwechsels ein.

Die Erkenntnisse bleiben insgesamt ungenau und ein Gentest, der den Zeitpunkt der Menarche bestimmt, ist nicht in Sicht. Die genetische Prädisposition könnte aber erklären, warum die Menarche bei adipösen Kindern früher einsetzt.
 

Dies ist durchaus von medizinischer Bedeutung, wie Joanne Murabito von der Universität Boston berichtet: Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass eine frühe Menarche mit einem erhöhten Risiko auf Mamma- und Endometriumkarzinom sowie auf häufigere Typ-2-Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter einhergeht.

Ken Ong von der Universität Cambridge hat eine biologische Erklärung: Das Überangebot an Nahrung signalisiere dem Körper, dass genügend Ressourcen für eine Fortpflanzung zur Verfügung stehen.

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© rme/aerzteblatt.de

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