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Medizin

Zu viele depressive Patienten nehmen Medikamente nicht ein

Dienstag, 23. November 2010

Lleida – Die meisten Patienten, die an einer Depression leiden, beenden die regelmäßige Einnahme ihrer Antidepressiva schon nach weniger als sechs Monaten. Das ist die Zeitspanne, die Psychiater als minimale Einnahmedauer empfehlen, um die Medikamente nachhaltig wirken zu lassen.

Davon berichtet eine neue Studie im Fachmagazin European Psychiatry (doi:10.1016/j.eurpsy.2009.07.012), durchgeführt von Wissenschaftlern des Catalan Institute of Health unter der Leitung von Catalina Serna.

Schon länger bekannt ist, dass die Compliance von depressiven Patienten oft schlecht ist, wenn es um die Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva geht. Gerade im Akutstadium einer Depression oder einer depressiven Episode missachteten die Patienten oft das vorgeschriebene Einnahme-Schema, berichten die Autoren.

Ziel ihrer Studie war es nun, den Behandlungsplan und die tatsächliche Einnahme direkt miteinander zu vergleichen, um konkrete Zahlen zu erhalten. Dazu analysierten die Forscher ein Kollektiv von über 7.500 Patienten, die sich zwischen 2003 und 2007 unter antidepressiver Therapie befanden und mindestens ein Antidepressivum einnahmen.

Ergebnis war, dass insgesamt 56 Prozent der Patienten schon nach vier Monaten aufhörten, die Medikamente einzunehmen. Dazu lag die Zahl derer, die die Therapie noch knapp ein Jahr fortführten, bei weniger als 25 Prozent. Männer neigten dabei eher dazu, ihre Medikamente abzusetzen als Frauen. 

Dagegen befolgten nur 22 Prozent der Patienten die Therapieanweisungen. Dies seien zu einem Großteil solche Patienten, die auch wegen anderer Erkrankungen regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen müssten, so die Autoren.

Diese Patienten folgten doppelt so wahrscheinlich dem vorgegebenen Therapie-Schema und weisen demnach eine bessere Compliance zu ihren Therapeuten auf, so die Ergebnisse der Studie.

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© hil/aerzteblatt.de

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