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Ausland

EU: Strenges Werbeverbot für Medikamente soll bestehen bleiben

Mittwoch, 24. November 2010

Straßburg – Patienten und Verbraucher sollen sich künftig unabhängig vom Arzt oder Apotheker über verschreibungspflichtige Medikamente informieren können. Das hat das Europäische Parlament (EP) heute in Straßburg in erster Lesung beschlossen. Kernstück des Dossiers ist die Einführung von unabhängigen Gesundheitsportalen im Internet.

Patienten sollen sich hier über Medikamente, Krankheiten, Behandlungsmethoden und Präventionsmaßnahmen informieren können. Druckversionen der autorisierten Informationen sollen in Gesundheitszentren, beim Arzt oder Apotheker erhältlich sein.

Vorbild für die Webportale ist eine bereits seit Jahren etablierte schwedische Internetplattform. Als ausbaufähige Informationsquelle bezeichnete die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber auch die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen betriebene Seite www.gesundheitsinformation.de.

Der liberale Abgeordnete  Jorgo Chatzimarkakis erklärte: „Im Zeitalter von Wikipedia sind die weitreichenden Verbote für Informationen über verschreibungspflichtige Medikamente nicht mehr zeitgemäß.“ Der pharmazeutischen Industrie müsse es daher erlaubt sein, grundlegende Informationen über ihre Produkte bereitzustellen.

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Das Recht, sich als Patient und Verbraucher aus zertifizierten Quellen zu informieren, trage auch zur Kosteneffizienz im Gesundheitssystem bei, da Patienten besser ihrer Therapie folgen und Abbrüche durch Nichteinnahme von Medikamenten vermieden werden könnten.

Seit Jahren wird in der Europäischen Union kontrovers über das Thema diskutiert. Der 2008 von der EU-Kommission vorgelegte Gesetzesvorschlag war heftig kritisiert worden. Der Hauptvorwurf lautete, dass der Industrie Werbung „durch die Hintertür“ erlaubt würde.

Das EP will dies durch eine konsequente Vorabkontrolle der Informationen verhindern. „An dem Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente wird aber nicht gerüttelt“, betonte die SPD-Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt.

 Das Webeverbot hatte in der Vergangenheit immer wieder für Probleme gesorgt, da das geltende Recht in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich ausgelegt wird.

Verbesserungen soll es auch bei den Beipackzetteln geben. In  einer sogenannten Faktenbox sollen die wichtigsten Informationen – sichere Anwendung, Dosierung, die häufigsten Nebenwirkungen – künftig auf einen Blick auf der Packungsbeilage erkennbar sein.

„Damit die Informationen nicht tendenziös und verkaufsfördernd sind, muss die gleiche Behörde, die das Arzneimittel und den Beipackzettel zulässt, auch diesen Text zulassen", sagte der Arzt und CDU-Politiker Peter Liese.

Bevor das Dossier in Kraft treten kann, muss der Rat der Ge­sund­heits­mi­nis­ter darüber entscheiden. © ps/aerzteblatt.de

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Avatar #100202
Businesspaar
am Donnerstag, 25. November 2010, 05:33

Immer mehr Kommerz im Gesundheitswesen

... da möchte man doch glatt wieder vermuten ... wurde hier nicht wieder reichlich "geschmiert"?

Die Pharmaindustrie möchte also über ihre Produkte "informieren"??!!

Soso ...
LNS

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