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Medizin

Depression: Trizyklika erhöhen Herzrisiko

Mittwoch, 1. Dezember 2010

London – Die Einnahme von trizyklischen Antidepressiva, nicht aber der neueren selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher, wie eine prospektive Beobachtungsstudie im European Heart Journal (2010; doi: 10.1093/eurheartj/ehq438) ermittelte.

Der Scottish Health Survey untersucht die Auswirkungen des Lebensstils – wozu im weitesten Sinne auch die Einnahme von Medikamenten zählt – auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Zu den Motivatoren für die Studie gehört die hohe kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität in Schottland, die sicherlich nicht einzig auf die Einnahme von Antidepressiva zurückzuführen ist.

Diese werden indes ziemlich häufig verordnet: 2,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von über 35 Jahren nehmen Trizyklika ein, weitere 2,0 Prozent erhalten SSRI und 0,7 Prozent andere Antidepressiva. Die häufige Verordnung der älteren Trizyklika könnte damit zusammenhängen, dass diese nicht nur bei Depressionen, sondern auch gegen Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Angstzuständen oder Schlafproblemen verordnet werden.

Auch für diese Indikationen gelten deshalb die jetzt von der Gruppe um Mark Hamer vom University College London ermittelten Risiken. Der Epidemiologe hat die Angaben in der Umfrage mit Einweisungsdiagnosen von Krankenhäusern und Sterberegistern der folgenden 8 Jahre in Beziehung gesetzt:
 

Ergebnis: Die Einnahme der Trizyklika erhöhte das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 35 Prozent (Hazard Ratio 1,35, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,03-1,77). Auch für kardiale Ereignisse fand Hamer einen tendenziellen Anstieg um 24 Prozent, der allerdings nicht signifikant war. Für die SSRI fand er kein erhöhtes Risiko.

Die Scottish Health Survey hat eine solide Datenbasis. Die Teilnehmer wurden nicht nur ausführlich von Interviewern befragt, sie erhielten auch Besuch von einer Krankenschwester, die den Blutdruck bestimmte und eine Blutprobe entnahm.

Hamer kann deshalb weitgehend ausschließen, dass andere Ko-Faktoren für das erhöhte Risiko verantwortlich sind. Das Risiko könnte deshalb eine Folge der Trizyklika sein, von denen bekannt ist, dass sie als Nebenwirkung zu einem Anstieg des Körpergewichts und des Blutdruck führen und die Anfälligkeit auf einen Typ-2-Diabetes mellitus erhöhen.

Gleichwohl handelt es sich um modifizierbare Risikofaktoren, durch deren Vermeidung die Patienten ihr kardiovaskuläres Risiko senken könnten, schreibt Hamer, der den Betroffenen zu Sport und einer Gewichtsreduktion rät, die sich auch günstig auf Depressionen oder Angstzustände auswirken würde.

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© rme/aerzteblatt.de

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