NewsMedizinRobert-Koch-Ins­titut: Wer arm ist, stirbt früher
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Robert-Koch-Ins­titut: Wer arm ist, stirbt früher

Freitag, 3. Dezember 2010

Berlin – Armut verringert in Deutschland die Lebens­erwartung. Frauen unterhalb der Armutsgrenze von 60 Prozent des mittleren Ein­kommens sterben hierzulande acht Jahre früher als Frauen aus der hohen Einkommens­gruppe.

Bei Männern beträgt die Differenz sogar elf Jahre. Dies geht aus der Publikation GBE kompakt (5/2010) des Robert-Koch-Instituts hervor, die im Vorfeld des Kongresses “Armut und Gesundheit” veröffentlicht wurde, der am 3. und 4. Dezember in Berlin stattfindet.

Die Zahlen, die Thomas Lampert und Lars Eric Kroll vom Robert Koch-Institut Berlin vorstellen, basieren zum einen auf Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Diese repräsentative Wiederholungsbefragung wird seit 1984 jährlich in über 12.000 Privathaushalten in Deutschland durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen eine Assoziation zwischen dem Netto-Äquivalenzeinkommen und der Lebenserwartung. Sie ist – bei Männern noch stärker als bei Frauen – linear, das heißt: Auch in den mittleren Einkommensschichten ist die Lebenserwartung niedriger als in der Referenzgruppe mit einem Einkommen von 150 Prozent des Durchschnitts oder mehr.

Unterschiede in der Lebenserwartung sind auch regional nachweisbar, in Großstädten sogar zwischen den einzelnen Stadtteilen. In reicheren Gegenden leben Männer fünf Jahre, Frauen drei Jahre länger, berichten Lampert und Kroll.
 

Anzeige

Die Ursachen hat die Studie “Gesundheit in Deutschland aktuell” (GEDA) aus dem Jahr 2009 aufgedeckt: In Armutsrisikogruppen kommt es häufiger zu Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris, Hypertonie, Diabetes mellitus, chronische Bronchitis, chronische Lebererkrankung oder Osteoporose.

Die sozial schwachen Schichten sind nicht nur früher und häufiger körperlich krank. Die GEDA-Studie ist auch auf soziale Unterschiede bei Störungen der emotionalen und sozialen Rollenfunktion gestoßen. Gemeint sind häufigere persönliche und seelische Probleme sowie verminderte Kontakte zu Familienangehörigen und Freunden.

Vor allem aber spiegelt sich Armut in einem ungünstigen Gesundheitsverhalten wider. Die GEDA-Daten zeigen: Diese Frauen und Männer rauchen häufiger und sie treiben seltener Sport. Frauen aus der niedrigen Einkommensgruppe sind 3,3-fach häufiger adipös. Bei Männern beträgt dieses Verhältnis 1,6:1.

Die Unterschiede haben sich nach Einschätzung von Lampert und Kroll in den letzten Jahren eher noch vergrößert, wie das für andere Länder, etwa die Niederlande, in Studien belegt werden konnte.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. Juni 2020
Buenos Aires – Argentinien droht nach Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) aufgrund der Pandemie ein besonders harter wirtschaftlicher Absturz. „Für Millionen Argentinier sind die Konsequenzen
UN: Argentinien droht Massenarmut durch Pandemie
23. Juni 2020
Bonn – Der aktuelle Weltbildungsbericht warnt vor dem Ausschluss von Millionen Kindern und Jugendlichen aus den Bildungssystemen in aller Welt. Mehr als eine viertel Milliarde Kinder und Jugendliche
Weltbildungsbericht: Millionen Kinder werden ausgegrenzt
15. Juni 2020
Berlin – Auch in Deutschland haben arbeitslose Menschen offenbar ein größeres Risiko, wegen einer COVID-19-Erkrankung im Krankhaus behandelt werden zu müssen. Darauf deutet eine Analyse der AOK
COVID-19: Schwere Krankheitsverläufe bei Langzeitarbeitslosen besonders häufig
4. Juni 2020
Bonn – Viele Krebspatienten und ihre Familien geraten wegen der Erkrankung in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Coronapandemie könnte dies jetzt noch verstärken. Das befürchten die Deutsche
Pandemie könnte Armutsrisiko für Krebspatienten verschärfen
29. Mai 2020
Berlin − Ein Bündnis von rund 50 Organisationen wünscht sich mehr staatlichen Einsatz gegen Kinderarmut. „Die Armut von Kindern und Jugendlichen stagniert auf hohem Niveau“, heißt es in dem
Bündnis wünscht sich größeren Einsatz gegen Kinderarmut
2. Mai 2020
Berlin – Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat vor wachsenden sozialen Ungleichheiten durch die Coronakrise gewarnt. „Wir kämpfen dafür, dass die Kosten der Krise nicht an den Beschäftigten hängen
Gewerkschaften warnen vor wachsenden sozialen Ungleichheiten durch Krise
28. Februar 2020
Potsdam/Berlin – Rund jeder sechste Mensch in Berlin ist von Armut bedroht, in Brandenburg etwa jeder achte. Die statistische Quote lag im Jahr 2018 für Berlin bei 16,5 Prozent, für Brandenburg bei
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER