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Politik

Krebsforschungszentrum: Bunte Zigarettenschachteln sind zu attraktiv

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Heidelberg – Zur Bekämpfung des Tabakkonsums haben deutsche Krebsforscher ein Verbot bunter Zigarettenverpackungen gefordert. Einheitliche graubraune Packungen sowie abschreckende Bilder auf den Zigarettenschachteln könnten helfen, dass vor allem weniger Jugendliche mit dem Rauchen anfangen, erklärte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) heute in Heidelberg.

Das sei eine einfache Strategie gegen die „permanente, unterschwellige Werbung“. Nachdem der Tabakindustrie einige wichtige Werbekanäle wie Fernsehen, Radio und Printmedien wegen des Werbeverbots nicht mehr zur Verfügung stünden, seien die Verpackungen zu einem immer wichtigeren Werbeträger geworden, betonte die Expertin.  

Derzeit sind Tabakverpackungen in Deutschland lediglich mit schriftlichen Warnhinweisen wie „Rauchen kann tödlich sein“ oder „Rauchen lässt Ihre Haut altern“ versehen. Die Wirksamkeit dieser Warnhinweise werde jedoch durch die Werbung und das Design der Zigarettenschachteln erheblich abgeschwächt, erklärte der Rechtsexperte Tobias Effertz von der Universität Hamburg anlässlich einer Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg.

Er verwies auf Studien, wonach Kinder und Jugendliche eher mit dem Rauchen beginnen und daran festhalten, je mehr sie mit Tabakwerbung in Kontakt kommen. Deshalb sei es dringend nötig, die Tabakwerbung weiter einzuschränken. Im November hatte bereits die britische Regierung ein Verbot bunter Zigarettenschachteln angekündigt.  

Pötschke-Langer forderte zugleich ein EU-weites Verbot der Zusatzstoffe in Zigaretten, wie es beispielsweise bereits in Kanada durchgesetzt worden sei. Frucht- oder Schokoladenaromen machten Zigaretten insbesondere für junge Menschen attraktiver. Andere Substanzen erleichterten das Rauchen, indem sie das unangenehme Kratzen im Hals beim Inhalieren linderten.

Dadurch würden schon Kinder zum Rauchen verführt. Zudem würden Raucher dazu verleitet, den Rauch tiefer zu inhalieren. Es gerieten mehr giftige und krebserregende Substanzen in den Körper, und auch das Suchtpotenzial steige.

Insbesondere Menthol mache den Forschern große Sorgen. Der Rauch werde durch diesen Zusatzstoff besonders tief inhaliert. Zudem stehe Menthol in Verdacht, in Kombination mit Nikotin ebenfalls süchtig zu machen, warnte die Expertin.

Pötschke-Langer zeigte sich optimistisch, dass das Verbot der Zusatzstoffe und die einheitliche Verpackung in den nächsten fünf Jahren EU-weit durchgesetzt werden können. Sie rief die Verbraucher zugleich dazu auf, am öffentlichen Konsultationsverfahren zur künftigen EU-Tabakproduktrichtlinie teilzunehmen, das noch bis zum 17. Dezember läuft.

Das DKFZ warnte zugleich davor, das derzeit in der EU geltende Verbot des schwedischen Tabakprodukts Snus aufzugeben. Snus besteht aus Tabak, dem Aromen, Salze und andere Stoffe zugesetzt werden. Die kleinen Päckchen werden zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt und gelutscht. Snus sei ein gefährliches Produkt, das genauso abhängig machen könne wie Zigaretten, warnte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Katrin Schaller.

Zudem erhöhe es das Risiko, an Mundhöhlen-, Speiseröhren- oder dem besonders tückischen Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. © dapd/afp/aerzteblatt.de

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Businesspaar
am Montag, 13. Dezember 2010, 17:05

@mediko

Ich habe selbst über 30 Jahre geraucht, und bestimmt nicht wenig. Seitdem ich damit aufgehört habe, meide ich geschlossene Räume in denen geraucht wird. Ich habe nichts gegen Raucher, mögen sie es tun. Nach Möglichkeit sollten die Raucher andere nichtrauchende Mitmenschen aber schützen, ganz einfach in deren Gegenwart nicht rauchen. Ganz schlimm ist doch das Bild der rauchenden Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm. Oder die Familie im Auto, vorne die Eltern rauchend und hinten das oder die Kinder. Und Ärzte die rauchen?! Mir als möglichem Patient gegenüber sehr, sehr unglaubwürdig in Bezug auf fachliche Kompetenzen. Sie riskieren vorsätzlich ihre Gesundheit und geben Anderen gute Ratschläge in Gesundheitsfragen. Da kann man nur hoffen, dass dieser Arzt nicht auch noch stark übergewichtig ist. Bei manchen Berufsbildern wird nun einmal nach ganz besonderer Vorbildfunktion verlangt. Jedenfalls, ich persönlich würde mich von solchen Medizinern nicht behandeln lassen. Aber das ist meine ganz persönliche Auffassung zu diesem Thema. Freundliche Grüße ... der M. vom Busi-paar.
hcarlskramp
am Montag, 13. Dezember 2010, 10:35

@mediko

Hallo, mediko,
eigentlich bin ich gar nicht humorlos, und eigentlich bin ich auch kein militanter Nichtraucher, sondern eher ein aus konkretem Anlass seit Jahren nicht mehr Rauchender.
Kein Weg führt daran vorbei, dass Rauchen schädlich ist. Und kein Weg führt daran vorbei, dass Mitrauchen auch schädlich ist. Ich war ja selber mal in der Situation des "Verfolgten", und weiß deshalb, wie man sich fühlt, wenn einem der Rauchgenuss vergällt werden soll.
Man geht erst anders damit um, wenn man "die Fronten gewechselt" hat. Wenn der Suchtdruck weg ist, sieht die Welt ganz anders aus, glaub es mir! Seit ich nicht mehr rauche, bin ich schon nicht humorloser geworden, aber die Sicht auf das Rauchen hat sich geändert. Weiterhin bin ich von Rauchern im Freundeskreis umgeben, aber die müssen das selber wissen!
Und nichts spricht dagegen, wenn wir (auch die Raucher) verhindern wollen, dass junge Menschen zum Rauchen kommen.
Insofern, rauch dir ruhig noch eine, von mir aus auch mit gutem Gewissen, aber hindere die Youngsters daran, zur Kippe zu greifen. Selbst mir gelingt das bei den eigenen Kindern nicht richtig.
CK
mediko
am Freitag, 10. Dezember 2010, 17:41

@hcarlskramp

Na gut, dass die militanten Nichtraucher als heilbringende Lichtgestalten ja keine Schatten werfen :-)
Also, ich hab mir jetzt eine Z. angesteckt (danke für den Tipp) und schreibe nur noch mal eins dazu: Was es den Rauchern so unendlich schwer macht, in einer öffentlichen Diskussion vernünftige Argumente gegen das Rauchen zu unterstützen, das ist die wirklich hervorstechende, absolute Humorlosigkeit der niegerauchthabenden Gutmenschen.
Übrigens: Ich bin auch Arzt. Da haben Sie noch ein bisschen was zum Grübeln, gelt ?
hcarlskramp
am Donnerstag, 9. Dezember 2010, 14:25

Nikotinhetze? Tarnfarbenpackung?

Liebe Kommentarschreiber,
merkt ihr nichts? Habt ihr euch noch mal durchgelesen, was ihr da geschrieben habt? Ist es schlecht, gegen das Rauchen vorzugehen, wenn man nicht gleichzeitig auch gegen den Alkoholkonsum lamentiert? Oder vielleicht auch gleichzeitig gegen Atomkraft, Schattenwurf durch Windkraftwerke und, und, und?
Steht zu eurer Sucht, das ist der erste Weg zur Besserung! Ich hoffe nur, dass die werten Kommantatoren nicht dem ärztlichen Stand angehören, da mache ich mir schon Sorgen um ihre Patienten!
Die Kommentare sind leider haarscharf am Artikel und den Bemühungen, das Rauchen einzudämmen, vorbeigeschossen. Ich erkenne nur beleidigtes Nikotin-Junkie-Gehabe.
Täglich sehe ich in meinem Beruf, wie schädlich das Rauchen ist, und wie es sogar meine Bemühungen um Gesundung der Patienten zunichte machen kann. Dagegen helfen keine sarkastischen Bemerkungen! Degegen hilft auf Dauer nur, junge Menschen daran zu hindern, überhaupt zu Rauchern zu werden.
So, jetzt raucht euch erst mal eine, bevor ihr an eine Antwort denkt.
CK
mediko
am Donnerstag, 9. Dezember 2010, 12:54

bunte Schachteln ...

Genau ! Die BUNTEN SCHACHTELN machen süchtig ! Also ich als alter Raucher muss auch ganz ehrlich sagen, die Zigaretten sind mir ja völlig egal. Ich kann nur nie widerstehen, mir wieder so'n paar bunte Schachteln zu kaufen.
Ich bin wirklich beeindruckt und beschämt, wie knallhart und treffend die Nichtraucher uns arme Bunte-Schachteln-Junkies durchschauen ! Und wie unermüdlich sie uns schützen wollen - wirklich beeindruckend ! Und total und streng im Dienste des Nichtraucherschutzes ... oder ? Ich werde das mal testen, ob es weniger stört, wenn ich Zigaretten aus einer hässlichen Tarnfarbenpackung rauche als wenn ich die aus einer "bunten Schachtel" ziehe. Über die Reaktionen der nichtrauchenden Kollegen werde ich berichten :-)
Golunski
am Donnerstag, 9. Dezember 2010, 10:56

Verhältnismässigkeit

Ich unterstütze jedes selbstfürsorgende und gesundheitsfördernde Verhalten.
Nur vermisse ich neben der Nikotinhetze ein verhältnismässiges Umgehen mit der Vermarktung und den Umgang mit Alkohol. Die Schäden sind um ein vielfaches höher, nicht zuletzt im psychsozialen Bereich durch das immense Aggressionspotential im Alkoholrausch. Wo sind die Warnhinweise auf der Flasche? Warum darf Alkohol nach wie vor überall beworben werden?
Businesspaar
am Donnerstag, 9. Dezember 2010, 10:03

Ungeheuerlich!

Wer derartige Produkte vertreibt, macht sich zum Mörder.

... und die scheinheiligen verantwortungslosen Politiker sehen zu ... als wäre alles nicht so schlimm ...

Wann endlich wird da Einhalt geboten?

"Vater, vergib Ihnen NICHT, denn sie wissen sehr wohl, was sie tun"!
malledoc
am Mittwoch, 8. Dezember 2010, 22:15

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Verbieten, verbieten, verbieten. Brave new world.

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