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Medizin

Darmkrebs: ASS erleichtert Früherkennung

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Heidelberg – Die Befürchtung, die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) könne die Zuverlässigkeit des Stuhltests auf okkultes Blut verschlechterten, sind offenbar unbegründet. Für die häufige Einnahme von Low-Dose-ASS konnte dies jetzt durch die Ergebnisse einer prospektiven Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 304: 2513-2520) widerlegt werden: Die Zuverlässigkeit der Tests wurde durch die ASS-Einnahme sogar deutlich gesteigert.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) führt zum Koloskopie-Screening eine „Begleitende Evaluierung innovativer Testverfahren zur Darmkrebs-Früherkennung“ (BliTz) durch. An 20 Praxen im süddeutschen Raum werden Erwachsene, die am gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm teilnehmen wollen, gebeten, eine Stuhlprobe zum Termin der Darmspiegelung mitzubringen.

Diese wurde später mit zwei quantitativen Tests einmal auf Hämoglobin und einmal auf Hämoglobin-Haptoglobin untersucht. Da die Teilnehmer auch einen Fragebogen zur Einnahme von Medikamenten ausfüllten, konnte Hermann Brenner vom DKFZ untersuchen, welchen Einfluss die Einnahme von Low-Dose-ASS auf die Ergebnisse des Stuhltests hat.

Diese Frage ist von großer praktische Relevanz: Zum einen, weil viele Menschen den Stuhltest dem Standard Koloskopie vorziehen, obwohl die Darmspiegelung seit Oktober 2002 Kassenleistung ist und damit für den Versicherten kostenfrei.
 

Zum anderen wird Low-Dose-ASS sehr häufig zur Prävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen verordnet. Unter den 1.979 Teilnehmerinnen der laufenden Studie waren es immerhin 233, also mehr als jeder zehnte.

Und die Einnahme könnte, so eine durchaus berechtigte Befürchtung, die Ergebnisse der Darm­krebs­früh­erken­nung verfälschen: Die Tests könnten auf Blut anschlagen, das gar nicht aus Krebsvorstufen stammt. Andererseits könnte Aspirin auch die Blutungsneigung von Darmkrebsvorstufen erhöhen – und damit die Chancen, diese zu entdecken.

Offenbar trifft die zweite Vermutung zu, denn ASS verbesserte die Treffsicherheit beider Tests erheblich. Bei einem Cut-off von 2µg/g Stuhle stieg die Sensitivität auf den Nachweis fortgeschrittener Adenome im Hämoglobin-Test von 35,9 auf 70,8 Prozent, wenn Non-User und User von Low-dose-ASS verglichen wurden.

Da die Spezifität nur von 89,2 auf 85,7 Prozent sank, wurde der genauere Nachweis nicht etwa durch eine erhöhte Rate von falsch-positiven Ergebnissen erkauft. Beim Hämoglobin-Haptoglobin-Test stieg die Sensitivität von 32 auf 58,3 Prozent bei einem Abfall der Spezifität von 91,1 auf 85,7 Prozent.

Mit anderen Worten: Die Bluttests spürten die Krebsvorstufen bei Personen, die Low-dose-ASS einnahmen, fast doppelt so häufig auf wie bei Personen, die das Medikament nicht einnahmen. Diese Tests übertrafen sogar die Treffsicherheit, die in anderen Studien für die Sigmoidoskopie beschrieben wurde, natürlich mit der Einschränkung, dass diese „kleine Darmspiegelung“ nur den distalen Kolon einsehen kann.

Brenner fragt sich, ob nicht sogar eine kurzzeitige Einnahme von ASS die Ergebnisse der Früherkennungs-Stuhltests verbessern könnte, was allerdings erst noch in weiteren Studien geprüft werden müsste. Offen ist auch die Frage, ob die Ergebnisse auch auf die konventionellen Hämokkult-Tests übertragen werden können, die den Versicherten in der Regel angeboten werden.

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© rme/aerzteblatt.de

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