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Medizin

Akupunktur hilft bei Amblyopie

Dienstag, 14. Dezember 2010

Hongkong – Chinesische Augenärzte behandeln eine Amblyopie auch mit der Akupunktur. In den Archives of Ophthalmology (2010; 128: 1510-1517) berichten sie über Erfolge, die nicht alle Skeptiker in westlichen Ländern überzeugen dürften.

Bis zu 5 Prozent aller Menschen entwickeln in der Kindheit eine Amblyopie. Die häufigste Ursache dieser Schwachsichtigkeit ist eine Anisometropie: Eine Kurz- oder Weitsichtigkeit auf einem der beiden Augen verhindert, dass die Kinder das Sehen auf dem betroffenen Auge lernen.

Es kommt zu einer Entwicklungsstörung in der Sehrinde, die kaum noch aufzuholen ist, wenn der Refraktionsfehler nicht rechtzeitig entdeckt und durch eine Brille korrigiert wird. Das zeitliche Fenster für eine Okklusionsbehandlung (des sehenden Auges, die ein Training der amblyopen Auges erzwingen soll) ist in der Regel im Alter von 7 Jahren geschlossen. Danach lassen die Erfolgschancen nach, eine Besserung der Sehschärfe ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Der erste Schritt besteht in jedem Fall in der Verordnung einer Brille, die den Refraktionsfehler aufhebt. Dies geschah auch bei den 88 Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren, die Jianhao Zhao von der chinesischen Universität in Hongkong auf zwei Gruppen randomisierte.

Die eine Behandlung bestand in einer täglichen Okklusion über 2 Stunden, während der die Kinder angewiesen wurden, das amblyope Auge durch Lesen oder Schreibarbeiten zu trainieren. Im zweiten Arm der Studie wurden die Kinder fünfmal in der Woche akupunktiert.
 

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Die Nadelungen fanden nach der Schule statt und wurden von Zhao, einem ausgebildeten Akupunkteur durchgeführt. Basierend auf der Theorie und der Literatur der traditionellen chinesischen Medizin wurden die Nadeln an fünf Akupunkten gesetzt: unilateral an GV20 (“baihui”, befindet sich auf dem Kopf) und LI4 (“hegu”, an der Hand), bilateral an EX-HN5 (“tai-yang”, an der Schläfe), BL2 (“cuanzhu”, am medianen Ende der Augenbraue) und BL59 (“fuyang”, am Unterschenkel). Auch die Kinder in der Akupunkturgruppe wurden zu täglich zu einer Stunde Nahsicht-Aktivitäten angehalten, bei der sie allerdings keine Augenklappe auf dem gesunden Auge trugen.

Nach 15 Wochen hatte sich die Sehstärke im Akupunktur-Arm im Durchschnitt um 2,3 Zeilen auf der Sehtafel gebessert, unter der Okklusionstherapie gewannen die Kinder 1,8 Zeilen. Einen Gewinn um 2 Zeilen, der als klinisch relevant einzustufen ist, erlangten 31 Kinder (75,6 Prozent) im Akupunktur-Arm gegenüber 28 Kinder (66,7 Prozent) unter der Okklusionstherapie: 17 Augen im Akupunktur-Arm gegenüber nur 7 Augen unter der Okklusionstherapie wurden als geheilt eingestuft, was sicherlich ein Erfolg der Akupunktur-Therapie ist.

Ob er allerdings auf die Akupunktur zurückzuführen ist, ist eine andere Frage. Zum einen besteht eine subjektive Komponente in der Bestimmung der Sehstärke mit der Sehtafel, und da keine Scheinakupunkturen durchgeführt wurden, kann eine Placebowirkung nicht ausgeschlossen werden.

Zum anderen zeigte eine Nachuntersuchung nach 25 Wochen, dass die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sich vermindert hatten. Die Zahl der Augen, die sich von der Amblyopie erholt hatten, war im Okklusionsarm auf 12 gestiegen und im Akupunkturarm auf 16 gefallen.

Beide Therapien waren zumindest gleichwertig, findet Zhao, wobei die Frage offen bleibt, welchen Anteil die Korrektur der Refraktionsstörung hatte, die in beiden Armen erfolgte und die während des gesamten Tages eine unverzerrte Abbildung auf der Retina ermöglichte, was allein schon einen gewissen Lerneffekt der betreffenden Sehrinde erzielt haben dürfte.

Andererseits gibt es laut Zhao Befunde aus der funktionellen Kernspintomographie, die eine vermehrte Aktivität der Sehrinde unter der Wirkung der Akupunktur zeigen.

© rme/aerzteblatt.de

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