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Medizin

Asthma: Inhalative Steroide als Diabetesrisiko

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Montreal – Steroide können einen Diabetes auslösen. Das Risiko besteht nicht nur bei einer systemischen Gabe. Nach einer Studie im American Journal of Medicine (2010; 123: 1001-1006) geht auch eine langfristige inhalative Therapie von Atemwegserkrankungen mit einer gesteigerten Zahl von Neuerkrankungen und einer Krankheitsprogression einher.

Die inhalative Steroidtherapie ist heute Standard in der Behandlung des Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen (COPD). Vor allem bei der COPD werden häufig höhere Dosierungen eingesetzt.

In randomisierten klinischen Studien ist zwar kein Anstieg der Diabeteserkrankungen aufgefallen. Aufgrund der kurzen Dauer und der begrenzten Teilnehmerzahl könnte ein langfristiges Risiko jedoch übersehen worden sein.

Deshalb hat Samy Suissa vom Jewish General Hospital in Montreal die Daten von 388.584 Krankenversicherten mit respiratorischen Erkrankungen aus der kanadischen Provinz Quebec ausgewertet, von denen 30.167 in den folgenden 5,5 Jahren neu an einem Diabetes erkrankten, was anhand der Neuverordnung von oralen Antidiabetika festgestellt wurde. 2099 Versicherte wurden später auf Insulin eingestellt, was als Hinweis für eine Diabetesprogression gewertet wurde.

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Suissa stellte in einer eingebetteten („nested“) Fall-Kontrollstudie die Anwender von inhalativen Steroiden jeweils zehn Kontrollen gegenüber. Ergebnis: Die langfristige Anwendung der Steroide ging mit einer um 34 Prozent erhöhten Rate von Diabetesneuerkrankungen einher.

Das Risiko war dosisabhängig: Unter der höchsten Dosierung, dem Äquivalent von 1000 µg Fluticason pro Tag, erkrankten die Anwender zu 64 Prozent häufiger an einem Diabetes. Bei diesen Zahlen sind bereits mögliche verzerrende Einflüsse (bias) wie Alter, Geschlecht und Komedikationen berücksichtigt.

Eine ähnliche dosisabhängige Wirkung wurde auf eine Progression der Diabeteserkrankungen zur Insulinbehandlung gefunden. Hier gingen hohe Dosierungen mit einem um 54 Prozent erhöhten Risiko einher. Die Ergebnisse sprechen nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von inhalativen Steroiden.

Nach Ansicht der Autoren sollte die Indikation zu einer hochdosierten Anwendung jedoch zurückhaltend gestellt werden. Außerdem sei es sinnvoll, den Blutzucker der Patienten regelmäßig zu kontrollieren. Dies gelte vor allem für COPD-Patienten, die schon krankheitsbedingt ein erhöhtes Diabetesrisiko haben und häufiger hochdosiert mit inhalativen Steroiden behandelt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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