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Politik

Beiträge für private Kran­ken­ver­siche­rung steigen deutlich an

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Berlin – Privatversicherte müssen sich laut einem Zeitungsbericht zum Jahreswechsel auf deutlich höhere Beitragssteigerungen einstellen als die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen. Nach einer Berechnung der Analysefirma Morgen.&.Morgen für die Zeitung Die Welt vom Mittwoch steigen die Beiträge in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) zum Jahreswechsel im Durchschnitt um sieben Prozent an. Bei den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) seien es nur vier Prozent.

Die Beitragssteigerung in der PKV ist der Welt zufolge deshalb so groß, weil die Kosten bei den Privaten viel stärker steigen. Anders als die gesetzlichen Kassen hat die PKV so gut wie keine Möglichkeiten, die Kosten zu steuern. Sie bekommt keine Steuerzuschüsse, und die Versicherungsunternehmen können den rund neun Millionen Kunden, die eine Krankenvollversicherung haben, von sich aus keine der vereinbarten Leistungen kürzen.

Die von Morgen &.Morgen errechnete durchschnittliche Beitragssteigerung bezieht sich zwar nur auf private Kran­ken­ver­siche­rungen, die im Jahr 2011 neu abgeschlossen werden. Nach Einschätzung des Geschäftsführers der Analysefirma, Martin Zsohar, ist die Steigerungsrate aber ein brauchbarer Indikator für die Beitragssteigerung bei bereits bestehenden Privatversicherungen.

Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei „die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung und verheißt für die Zukunft nichts Gutes“, sagte Zsohar. Schließlich habe die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre nur knapp fünf Prozent betragen. Die PKV müsse ihre Kosten endlich in den Griff bekommen, forderte Zsohar.
 

Grundlage für die Berechnung von Morgen.&.Morgen waren dem Bericht zufolge mehr als 3.000 Tarife für private Krankenvollversicherungen. Die stärkste Steigerung, die von den Experten ermittelt wurde, beträgt demnach für Männer fast 34 Prozent und für Frauen fast 23 Prozent. Beitragssenkungen gebe es auch, allerdings nur im Umfang von bis zu sechs Prozent.  

Ein Sprecher des Verbands der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen wollte die Berechnungen auf Anfrage der Welt nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass es bei vielen Kunden lange keine Beitragserhöhung gegeben habe. Ab einem bestimmten Grad der Kostensteigerung seien die Versicherer gesetzlich gezwungen zu erhöhen.

Singhammer für Öffnungsklausel
Der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer kritisierte die Beitragssteigerungen. Sie bedeuteten vor allem für Beamte und Pensionäre, die ohne großes Einkommen in der PKV versichert sind, eine große Belastung, sagte er der Welt. Es sei aber „letztlich die Aufgabe der PKV, ihre Einnahmen und Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen - deshalb ist es ja eine 'private' Kran­ken­ver­siche­rung“. Die Politik könne allenfalls helfen.

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Singhammer schlug vor, dass Ärzte und Versicherungen ausprobieren sollten, ob sie nicht abseits der amtlichen Gebührenordnung über die Preise für medizinische Leistungen verhandeln. Dies wäre durch Öffnungsklauseln möglich.

Für die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Kassen erhöht die Bundesregierung den Einheitsbeitrag ab Januar von 14,9 auf 15,5 Prozent. Damit erhalten die Krankenkassen rund sechs Milliarden Euro mehr Geld.

© afp/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 30. Dezember 2010, 23:12

Retrograde Amnesie in der PKV?

Noch am 18. 11. 2010 hatte der Verband der Privaten Krankenversicherer mit seiner großartigen Ertrags- und Rückstellungsbilanz geprahlt: Das war offensichtlich der Bericht für Aktionäre und Anteilsinhaber. Authentisch nachzulesen mit dem Link:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/43558&src=suche&p=pkv

Für ihre privat versicherten Kunden sieht das ganz anders aus: "Doch jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Brutto- ........" Ertragsprodukt. Prämienerhöhung von 7% im Schnitt. Da fällt sogar dem CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer der Kitt aus der Brille. Und auch mir kommen die Tränen, ob eines solchen Elends.

Das Einnahmep l u s 2010 der PKV wird +11,29 Mrd. Euro betragen: Für das laufende Jahr 2010 rechnet die PKV mit Leistungsa u s g a b en von 22,07 Milliarden Euro, davon 21,33 Milliarden für die Kranken- und 740 Millionen für die Pflegeversicherung. Im gleichen Zeitraum rechnet die PKV mit 33,36 Milliarden Euro an Beitrags e i n n a h m e n, davon 31,24 Milliarden für die Kran­ken­ver­siche­rung und 2,12 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung.

Das Plus in 2009 betrug "nur" +11,02 Mrd. Euro: Insgesamt wurden im Jahr 2009 in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung 31,47 Milliarden Euro an Beiträgen eingenommen, 3,8 Prozent mehr als 2008. In 2009 gab es "insgesamt 20,45 Milliarden Euro" lt. PKV-Verband an Ausgaben.

Ein äußerst "bedrohlicher" Trend mit Einnahmesteigerung von nur 2,45% innerhalb eines Jahres bei einem Überschuss von jeweils gut 11 Milliarden Euro pro Jahr. Das musste dringend mit Prämienerhöhungen pariert werden, wenn man sich an seine Erfolgsbilanz vor gerade einem Monat partout nicht mehr erinnern kann!

Mit Neujahrsgrüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund
Avatar #108182
Hausarzt aus Mannheim
am Donnerstag, 30. Dezember 2010, 12:56

Spottpreise in der GOÄ

Mein Gott Herr Singhammer,

was plappern Sie da wieder unreflektiert und ohne Sachkenntnis vor sich hin ? Preise abseits der GOÄ. Mensch, die Preise in der GOÄ sind doch schon Spottpreise. Ich behandle öfters Studenten aus Amerika, die können es oft nicht glauben wie billig und gleichzeitig hochwertig die Behandlung beim deutschen Arzt nach GOÄ ist.

Das Problem der Privatpatienten ist doch, daß die oft ihre eigenen Hausärzte sind und planlos von Facharzt zu Facharzt ziehen und dort dann das Fell über die Ohren gezogen bekommen, Stichwort: "unkontrollierte Mengenausweitung"

Viele Grüße
Ihr Hausarzt aus Mannheim
LNS

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