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Medizin

Rauchen: Wo Bupropion und Vareniclin im Gehirn das Verlangen bremsen

Dienstag, 4. Januar 2011

Los Angeles/Philadelphia – US-Forscher machen im Gehirn von Rauchern das Craving, das starke Verlangen nach der nächsten Zigarette, sichtbar. Ihre Publikationen zeigen, dass die beiden Antiraucher-Medikamente die unerwünschte Hirnaktivität bremsen.

Der Griff zur Zigarette wird bei den meisten Rauchern durch Schlüsselreize ausgelöst. Dies kann der Blick auf eine Zigarette sein, die Gesellschaft mit anderen Rauchern oder auch nur bestimmte Gefühle oder Situationen, die das Craving auslösen, den unwiderstehlichen Drang, der stärker ist als alle guten Vorsätze.

Werden Raucher mit der funktionellen Magnetresonanztomographie untersucht, wird in diesem Moment gleich an mehreren Orten des Gehirns eine vermehrte Aktivität sichtbar. Dies sind der präfrontale Cortex (Aufmerksamkeit), die Amygdala (Emotion), die Area tegmentalis ventralis (Belohnungssystem) und das Striatum (Motivation). Dies konnte Christopher Culbertson von der Universität von Kalifornien in den Archives of General Psychiatry (2010; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.193) an 30 Rauchern zeigen, die sich kurze Videoclips mit den Schlüsselreizen ansahen, während sie gescannt wurden.

Die Untersuchungen fanden vor und nach dem Ende einer achtwöchigen Behandlung mit Bupropion oder Placebo statt. Tatsächlich zeigen die Bilder, dass Bupropion das Aufflammen des Cravings an verschiedenen Stellen des Gehirns hemmt. Die abgeschwächte Aktivierung stimmte auch mit dem verminderten Craving einher, das die Probanden in Fragebögen angaben.

Ähnliche Beobachtungen machte Teresa Franklin von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia an 22 Rauchern, die ihre Sucht über drei Wochen mit Vareniclin oder Placebo bekämpft hatten. Auch in dieser Studie wurden die Probanden mit einem Videoclip auf die Probe gestellt.

Und auch hier wurde das verminderte Craving in einer verminderten Aktivierung der entsprechenden Hirnzentren angezeigt (Archives of General Psychiatry; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.190). © rme/aerzteblatt.de

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PhilRS
am Mittwoch, 5. Januar 2011, 19:08

"Antiraucher-Medikamente", zum 3151.

Unbeabsichtigter Fauxpas, aber dennoch eine ausgesprochen treffende Bezeichnung. Bei den berüchtigten unerwünschten Wirkungen wie erhöhter Suizidneigung, epileptischer Anfälle usw. kann man die Substanzen zu Recht so bezeichnen.

"Ihre Publikationen zeigen, dass die beiden Antiraucher-Medikamente die unerwünschte Hirnaktivität bremsen." - Manchmal passt ein verunglückter Satz besser als ein perfekt redigierter.

-PhilRS.
Clemens-X
am Mittwoch, 5. Januar 2011, 10:28

Verzweifelte Suche nach Verwendung für dubiose Medikamente

Nachdem Bupropion in den USA 1986 die Zulassung entzogen wurde und unter eigenartigen Bedingungen später wieder zugelassen wurde...

nachdem es trotz der Vorgeschichte in den USA in 2007 in Deutschland als Antidepressivum zugelassen wurde und...

nachdem es in 2009 durch den Bericht des IQWIG eine von Placebos nicht unterscheidbare Wirkung zu haben, sehr wohl aber extreme Nebenwirkungen...

...ist für die Hersteller klar, dass dringend ein neues Anwendungsgebiet für diesen Sondermüll erschlossen werden muss, damit sich die (ständig behaupteten) hohen Forschungs- und Zulassungskosten wieder einspielen lassen.

Zudem ist gerade das Anwendungsgebiet "Raucherentwöhnung" absolut lächerlich. Eine Verordnung zu diesem Zweck entspricht genau der Mentalität: "Bedieeeenung! Ach Doc, mach's mir! JETZT!" statt den Patienten zur Eigenverantwortung zu motivieren und ggfs. in einer Psychotherapie zu klären, welche grundlegenden Ursachen denn unter der Nikotinsucht stecken.

Wie in vielen anderen Bereichen, wie Depression usw. propagiert die Pharmaindustrie Pillen statt Therapie als schnelle schmutzige (quick 'n dirty) Lösung, weil es billiger sei und weil es tatsächlich ja auch an Therapieplätzen mangelt. Geld- und Therapieplatz-Mangel können nicht durch Pillen, wohl aber durch eine soziale Gesundheitspolitik behoben werden.
Die schnelle "Lösung" per Pille entspricht allerdings auch dem häufig anzutreffenden, narzisstischen Allmachts-Anspruch der "Helfer in Weiß".

Es liegt an Ärzten und Psychiatern selbst, ob sie diese Spiele der Pharmaindustrie zu Lasten der Gesundheit der Patienten mitmachen!

Clemens M. Hürten, gesSso - Rottweil
KrankerPfleger
am Dienstag, 4. Januar 2011, 22:12

Hm.

Ich bin von 40 Roth-Händle auf Null. Ohne jedes Hilfsmittel. Das ging auch.
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