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Medizin

Avastin möglicherweise kardiotoxisch

Mittwoch, 5. Januar 2011

Boston – Die Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms mit Bevacizumab (Avastin®) begünstigt einer Studie im Journal of Clinical Oncology (JCO 2011; doi: 10.1200/JCO.2010.32.9060) zufolge die Entwicklung einer chronischen Herzinsuffizienz.

Durch die Inhibition des vaskulären Wachstumsfaktor VEGF verhindert Bevacizumab die Bildung von neuen Blutgefäßen. Dies soll die Blutversorgung und damit das Wachstum von Tumoren verhindern, es könnte aber auch die Reparaturvorgänge im Herzmuskel stören, die nach ischämischen Ereignissen auf die Bildung neuer Mikrogefäße angewiesen sind.

In tierexperimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass die Ausschaltung des VEGF-Gens die Kontraktilität des Herzmuskels schwächen kann. In klinischen Studien ist indes keine Häufung von kardialen Ereignissen aufgefallen. Es wurde jedoch auch nicht gezielt danach gesucht.

Im Gegensatz zu den Studien zum Krebsmedikament Trastuzumab, das, wie man heute weiß, eine reversible Herzinsuffizienz induzieren kann, wurden die Teilnehmerinnen in den Brustkrebsstudien zu Bevacizumab nicht auf Störungen der linksventrikulären Pumpfunktion hin untersucht, wie die Editorialisten vom Nitin Verma und Sandra Swain vom Washington Cancer Institute anmerken (JCO 2011; doi: 10.1200/JCO.2010.32.9060).

Viele Brustkrebspatientinnen haben ein erhöhtes Risiko auf eine Herzinsuffizienz, weil sie mit Anthrazyklinen vorbehandelt sind, die bekanntermaßen kardiotoxisch sind. Auch die meisten Brustkrebspatientinnen, die an den klinischen Studien zum Einsatz von Bevacizumab beim Mammakarzinom teilnahmen, waren mit Anthrazyklinen vorbehandelt.

Dies mag erklären, warum die Therapie mit Bevacizumab bei 1,6 Prozent der Teilnehmerinnen eine Herzinsuffizienz (Grad 3 oder 4) auslöste, wie Toni Choueiri vom Dana-Farber Cancer Institute jetzt in seiner Meta-Analyse an 3.784 Patientinnen herausgefunden hat.

Im Placebo-Arm der Studie kam es nur bei 0,4 Prozent der Patientinnen zu einer Herzinsuffizienz. Das ergibt den Berechnungen Choueiris zufolge ein 4,74-fach erhöhtes Risiko auf eine Herzinsuffizienz. Es war allerdings nicht dosisabhängig, was die Aussagekraft der Meta-Analyse einschränkt. Eine klare Beurteilung wird auch dadurch erschwert, dass noch immer nicht alle Studienergebnisse publiziert sind und die Autoren keinen Zugriff auf die individuellen Daten der Patienten hatten.

Im Dezember 2010 hatte die US-amerikanische Arzneibehörde FDA bekanntgegeben, dass sie Avastin die Zulassung beim Mammakarzinom entziehen will. Diese war 2008 vorläufig erteilt worden auf der Basis einer einzelnen Studie, die einen deutlichen Vorteil im progressionsfreien Überleben zeigte.

Die Hoffnung, dass dies die Überlebenszeit der Patientinnen verlängert hat sich in dieser und den folgenden Studien jedoch nicht erfüllt. Die europäische Zulassungsbehörde EMA bescheinigt dem Medikament dagegen in der Kombination mit Paclitaxel, nicht aber mit Docetaxel, eine positive Nutzen-Risiko-Relation beim fortgeschrittenen Mammakarzinom. © rme/aerzteblatt.de

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