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Medizin

BMJ: Autismusstudie war eine Fälschung

Freitag, 7. Januar 2011

London – Eine 1998 im Lancet erschienene Studie, die vor allem in England Misstrauen gegen die MMR-Impfung gesät hat, war möglicherweise eine bewusste Fälschung. Das behauptet ein Reporter im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: c5347).

Im Februar 1998 hatte der Chirurg Andrew Wakefield zusammen mit 12 anderen Medizinern im Lancet über eine Reihe von Kindern berichtet, bei denen es nach einer MMR-Impfung zu gastrointestinalen Erkrankungen und Autismus-Spektrum-Störungen gekommen sein soll.

Die Studie erregte ein weltweites Medienecho und vor allem in Großbritannien ließ die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder an der MMR-Impfung teilnehmen zu lassen, spürbar nach. Dass die Behauptungen wissenschaftlich nicht haltbar waren, zeigte bereits 2002 eine Fall-Kontroll-Studie, die weder eine Häufung von gastrointestinalen Erkrankungen bei Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen fand, noch einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und dem Auftreten der Autismus-Spektrum-Störungen entdecken konnte (BMJ 2002; 325: 419-421). Der Lancet hat die Publikation inzwischen zurückgezogen.

Für Wakefield war die Sache damit aber noch nicht ausgestanden. Brian Dear, ein investigativer Reporter der Sunday Times, heftete sich an die Fersen des Mediziners und versucht ihm seit 2004 ein unlauteres Verhalten nachzuweisen. Mit Folgen: Die Aufsichtsbehörde General Medical Council hielt Wakefield im letzten Jahr für schuldig und entzog ihm die Zulassung.

Jetzt legt Dear noch einmal nach. In einer dreiteiligen Serie, deren ersten Folge heute im BMJ abgedruckt wird, versucht der Reporter Wakefield nachzuweisen, dass er bewusst Daten gefälscht habe, um einen Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Erkrankungen zu konstruieren.

Das BMJ, das die Behauptungen von Gutachtern prüfen ließ, hält die Anschuldigungen für glaubwürdig. In einem harschen Editorial (BMJ 2011; 342: c7452) fordert die Chefredaktion, dass sämtliche Publikationen Wakefields zurückgezogen werden müssten.

Sie vergleicht die Affäre sogar der um den Piltdown-Menschen, einer wissenschaftlichen Fälschung aus dem Jahr 1912, die die britischen Öffentlichkeit vier Jahrzehnte glauben ließ, bei den Knochenfunden im Dorf Piltdown in der Grafschaft Sussex habe es sich um die Überreste einer bislang unbekannten Form der Vorfahren des Menschen gehandelt. © rme/aerzteblatt.de

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