Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kirchen stellen neue christliche Patientenverfügung vor

Mittwoch, 26. Januar 2011

Köln – Die christlichen Kirchen in Deutschland haben den Anspruch der Bürger auf ein menschenwürdiges Sterben betont und eine neue Handreichung zur christlichen Patientenvorsorge vorgestellt.

„Wir hoffen, damit einen Weg zwischen unzumutbarer Lebensverlängerung und nicht verantwortbarer Lebensverkürzung aufzuzeigen“, heißt es in der heute in Köln veröffentlichten, rund 50 Seiten umfassenden Broschüre.

Die Handreichung gibt Empfehlungen für den Fall, dass eine Person in eine lebensbedrohliche Lage gerät, in der sie ihre Behandlungswünsche nicht mehr selbst zum Ausdruck bringen kann.

Ärzten und Pflegepersonal soll geholfen werden, den mutmaßlichen Willen des Sterbenskranken zu erkennen. Im Unterschied zu zahlreichen anderen Formularen für Patientenverfügungen geht die Broschüre der Kirchen besonders auf die theologisch-ethischen Aspekte des Umgangs mit dem Tod ein.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, betonte vor Journalisten, dass der Wille des Patienten die Grundlage jeder Behandlung sei. Andererseits dürften Menschen über ihr eigenes Leben nicht grenzenlos verfügen.

„Jeder Mensch hat seine Würde und sein Lebensrecht von Gott her.“ Zudem zeige die Erfahrung, dass sich das Lebensende auch durch eine Patientenverfügung nicht detailliert planen und nicht in allen Einzelheiten rechtlich regeln lasse. „Es braucht zugleich Menschen, die andere gerade am Lebensende fürsorglich begleiten und so einen wichtigen Beitrag zu einem menschenwürdigen Sterben leisten“, so Zollitsch.

Der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Jochen Bohl, betonte, die Handreichung trage der neuen Rechtslage in Deutschland Rechnung. Danach müssten Wünsche über ärztliche Behandlungen oder deren Unterlassung so genau wie möglich formuliert werden. Die Christliche Patientenvorsorge beziehe sich auf Patienten im Sterbeprozess.

Zollitsch erteilte der Tötung auf Verlangen und der ärztlichen Beihilfe zum Suizid eine deutliche Absage und auch Bohl empfahl der Bundes­ärzte­kammer, „ihre dementsprechende Festlegung nicht zu verlassen. Der Arzt darf nicht derjenige sein, der den Tod bringt“.

Zollitsch betonte, einen Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen etwa bei schwerer Demenz oder bei Wachkoma lehne die katholische Kirche ab. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Landesbischof Friedrich Weber, betonte, dass die Zusammenarbeit der Kirchen in dieser wichtigen Thematik gut funktioniert habe. Es sei gelungen, die ethischen Orientierungen gemeinsam zu formulieren.

Im Unterschied zum Vorgängerdokument enthält das Formular nicht nur die eigentliche Patientenverfügung. Drei weitere Möglichkeiten der selbstbestimmten Vorsorge seien angeboten, nämlich die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung und die Äußerung von Behandlungswünschen.

Die Kirchen empfehlen, sich frühzeitig und intensiv darüber Gedanken zu machen, welche Vertrauenspersonen als Bevollmächtigte und rechtliche Betreuer benannt werden können und welche medizinische Behandlung gewünscht oder ausgeschlossen wird.

Sie empfehlen darüber hinaus eine ärztliche Beratung beim Ausfüllen des Formulars, auch wenn diese gesetzlich nicht vorgeschrieben ist.

Mit der neuen Handreichung reagieren die Kirchen auf das 2009 in Kraft getretene Gesetz zu Patientenverfügungen. Es betont das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen und macht Patientenverfügungen ohne Einschränkung – also unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung – verbindlich.

Insbesondere die katholische Kirche hatte zuvor für eine Reichweitenbegrenzung auf die Sterbephase gekämpft und sich dafür eingesetzt, dass kein Automatismus bei der Umsetzung der Verfügungen entsteht. Es solle immer überprüft werden, ob die vorab verfasste Patientenverfügung wirklich dem aktuellen Willen des Schwerstkranken entspreche.

Zugleich hatten die Kirchen betont, dass Patienten im Wachkoma oder mit schwerster Demenz sich nicht in der Sterbephase befinden. Bereits 1999 und 2003 hatten die Kirchen gemeinsam eine „Christliche Patientenverfügung“ vorgestellt. © kna/dapd/Kli/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.05.17
Bundestag beschließt Änderungen bei Notfallvertretung und Samenspende
Berlin – Der Bundestag hat in der Nacht zu Freitag Reformen zur Samenspende und dem Notfallvertretungsrecht für Ehegatten beschlossen. Durch die Einrichtung eines bundesweiten Samenspenderregisters......
17.05.17
Notfallvertretung: Rechtsausschuss streicht Finanzaspekte
Berlin – Der Rechtsausschuss hat für wesentliche Änderungen an dem Gesetzentwurf des Bundesrats „zur Verbesserung der Beistandsmöglichkeiten unter Ehegatten und Lebenspartnern in Angelegenheiten der......
24.04.17
Hannover – Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hat ein neues Muster für eine Patientenverfügung vorgestellt. „Wer für den Notfall vorsorgt, nimmt seinen engsten Vertrauten die Last von den Schultern“,......
24.03.17
Karlsruhe – Der Bundesgerichtshof (BGH) hat erneut die Instanzgerichte gemahnt, den in einer Patientenverfügung geäußerten Sterbewillen ernst zu nehmen. So dürfen sie aus einer Ablehnung aktiver......
15.02.17
Bundeskabinett: Ehegatten sollen automatisch Betreuer sein
Berlin – Eheleute sollen künftig leichter als bisher für den Partner Entscheidungen über medizinische Behandlungen treffen können, wenn der andere verunglückt oder psychisch erkrankt ist. Das sieht......
07.02.17
Dresden – Der Arbeitskreis Ethik in der Medizin der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) hat die Musterformulare für Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht überarbeitet. Darauf......
01.12.16
Berlin – Für den Fall, dass ein Ehepartner durch Unfall oder plötzliche schwere Erkrankung entscheidungsunfähig ist und keine Vertetungsvollmacht vorhanden ist, soll der andere Ehepartner automatisch......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige