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Vermischtes

Ausstellung über „Kinder-Euthanasie“ im Dritten Reich

Donnerstag, 27. Januar 2011

Potsdam – Eine Sonderausstellung über die Ermordung kranker und behinderter Kinder während der Zeit des Nationalsozialismus ist ab Freitag  im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam zu sehen.

Mehr als 10.000 Kinder- und Jugendliche fielen im Dritten Reich den verschiedenen Programmen zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zum Opfer, wie der Kurator Thomas Beddies vom Institut für Geschichte der Medizin der Charité Berlin am Donnerstag in Potsdam sagte. Dabei ging es zahlreichen Ärzten nicht nur um die Tötung der „Ballastexistenzen“ – oftmals wurden die Kinder auch zu medizinischen Experimenten missbraucht.

Dazu wurden laut Beddis eigens sogenannte Kinderfachabteilungen geschaffen, in denen die Kinder in der Regel mit Medikamenten vergiftet wurden. In etwa der Hälfte der Einrichtung fanden auch medizinische Versuche statt. Die erste vom Arzt Hans Heinze gegründete „Kinderfachabteilung“ befand sich in Görden bei Brandenburg/Havel und hatte Modellcharakter für rund 30 weitere Einrichtungen.

Besonders bezeichnend sei ein Fall aus dem Jahr 1940, sagte der Medizinhistoriker. Damals seien etwa 60 Kinder, die in Görden untergebracht waren, ausgewählt und vergast worden. Anschließend übergab der „Tötungsarzt“ Irmfried Eberl sie dem Neuropathologen Julius Hallervorden. Dieser entnahm die Hirne der toten Kinder, um sie zu untersuchen. Ein Eintrag im Kalender Eberls, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeugt noch von der grausamen Tat am 29. Oktober.

Bei der Ausstellung, die noch bis zum 13. März zu sehen ist, handelt es sich um eine Sonderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ). Auf zahlreichen Schautafeln werden die verschiedenen Anstalten, Einzelschicksale von Opfern und Biografien der Täter vorgestellt. © dapd/aerzteblatt.de

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Inge R.
am Sonntag, 30. Januar 2011, 13:40

nichts gelernt...

mir kommt da immer das Zitat aus der Buchbeschreibung "Tödliches Mitleid" von Klaus Dörner in den Sinn:
„Und wir heute? Wenn nicht alles täuscht, wird sich die Soziale Frage in der nächsten Zeit für uns ein weiteres Mal zuspitzen. Und wenn nicht alles täuscht, ist in uns allen zumindest als Möglichkeit das, was ich als entscheidende Absicht der Nationalsozialisten beschrieben habe, in Logik und Ethik durchaus weiterhin lebendig. [...]"
Businesspaar
am Freitag, 28. Januar 2011, 08:20

Ein, oder das schlimmste der Kapitel der Menschheit?!

... und auch ein Beleg, wozu Mediziner/innen "fähig" sind. Leider, leider wurden diese Verbrecher/innen mehrheitlich "verschont".

Offensichtlich hatten die Alliierten schnell erkannt, würden diesen Abschaum der Menschheit so bestrafen, wie es verdient wäre (Auge um Auge ... ), dann wäre es zu Engpässen innerhalb der medizinischen Versorgung gekommen.

Bedeutet, die "Befreier" hätten noch tiefer in Tasche greifen müssen.

Es stellt sich die Frage, wie sich solche Mörder/innen täglich im Spiegel ertragen konnten?

Dr. Tod
am Donnerstag, 27. Januar 2011, 20:44

Man bediene sich der Bücher ...

von Ernst Klee.
Die mittels Quellen überprüfbare Wahrheit ist noch viel schlimmer, vor allem, wie die Nervenärzte recht- und straflos gewütet haben und nach '45 alle ( wie ALLE Richter ) zu Ehren und Pensionen kamen.
Das hat BP Wulff heute in Ausschwitz aber tunlichst verschwiegen ( obwohl unmittelbar daneben die damals größte Chemiefabrik der Welt, die IG Auschwitz, eine Tochterfrima der IG Farben, stand, deren Sinn ja darin bestand, dass ständig Menschenmaterial, das keine Arbeitsfähigkeit besaß, ''verheizt'' wurde ).
Was aus der IG Farben entstand, dürften allen Lesern bekannt sein.

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