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Medizin

HIV schwächt Immunabwehr von Neugeborenen auch ohne Infektion

Mittwoch, 9. Februar 2011

London – Medikamente können heute eine HIV-Infektion des Neugeborenen unter der Geburt verhindern. Die Säuglinge haben dennoch ein erhöhtes Sterberisiko. Der Grund liegt nach einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 576-584) in einem Mangel an mütterlichen Antikörpern, die Neugeborene ansonsten in den ersten Lebensmonaten vor Infektionen schützen.

HIV-exponierte, aber nichtinfizierte Neugeborene haben in Afrika ein vierfach erhöhtes Risiko, im ersten Lebensjahr zu sterben. Sie sind insbesondere anfällig für Atemwegsinfektionen und Meningitis. Die sozioökonomische Misere der HIV-infizierten Mütter kann dies nach Ansicht von Christine Jones vom Imperial College London nicht erklären.

Ihre Untersuchung an 109 Säuglingen aus Khayelitsha, einem Township bei Kapstadt, zeigt, dass den Kindern tatsächlich mütterliche Antikörper fehlen, da diese aufgrund der HIV-bedingten Immunschwäche nicht mehr in ausreichender Konzentration gebildet werden: Die Antikörpertiter gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumococcus, und Hepatitis B waren sowohl bei der Mutter als auch beim Neugeborenen vermindert. Bei Bordetella pertussis und Tetanustoxoid wurde nur bei den „HIV-exponierten“ Kindern, nicht aber bei den Müttern ein Antikörpermangel entdeckt.

Die meisten Kinder hatten auch bei einer Folgeuntersuchung im Alter von 16 Wochen keinen ausreichenden Antikörperschutz. Jones schlägt deshalb vor, die Kinder frühzeitig zu impfen. Ihre Studie zeigt, dass die Impfung gegen Keuchhusten und Pneumokokken bei den HIV-exponierten Kindern anspricht, was auch zu erwarten war, schließlich sind die Kinder ja nicht HIV-infiziert.

Bei ihnen entwickelt sich ein intaktes Immunsystem. Ob die Impfungen allerdings auch die Erkrankungen abwehren und die Säuglingssterblichkeit senken, muss in künftigen Untersuchungen erst noch bewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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