Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Parkinson: Stammzelltherapie durch die Nase

Dienstag, 22. Februar 2011

Tübingen – Bei der Stammzelltherapie des Morbus Parkinson könnte zukünftig auf eine Operation verzichtet werden. Ein Forscherteam kann in Rejuvenation Research (2011; doi: 10.1089/rej.2010.1130) zeigen, dass mesenchymale Stammzellen nach einer intranasalen Applikation selbstständig den Weg ins Gehirn finden.

Der schnellste Weg von außen ins Gehirn führt durch die Nase. Die Eintrittspforte ist das Riechepithel, das über den Riechnerven direkt mit dem Bulbus olfactorius, einem Vorposten des Gehirns, verbunden ist. Dass diese Route gangbar ist, konnten kürzlich Prionen-Forscher aus Deutschland und der Schweiz zeigen.

Ihnen gelang es, über die Nase Versuchstiere mit einer transmissiblen spongiformen Enzephalopathie (TSE) anzustecken. Die Medizinerin Lusine Danielyan von der Universität Tübingen kann jetzt zeigen, dass auch Stammzellen diesen Weg nehmen.

Bereits vier Stunden nach der intranasalen Applikation waren mesenchymale Zellen im Gehirn nachweisbar. Dort begaben sie sich, vermutlich angelockt durch das Zytokin BDNF (brain-derived neurotrophic factor) auch ins Striatum und in die Substantia nigra, und sie begannen mit der Synthese von Dopamin. Vor der intranasalen Applikation hatten die Forscher die körpereigenen Dopaminproduzenten durch die gezielte Injektion des Neurotoxins 6-OHDA zerstört.
 

Die Forscher können ferner zeigen, dass die Stammzellen sechs Monate oder länger überlebten. Während dieser Zeit ersetzten die Stammzellen die ausgefallene Dopaminproduktion so effizient, dass die Parkinsonsymptome der Tiere zumindest ansatzweise gelindert wurden.

Von einer klinischen Anwendung ist diese Therapie zwar noch sehr weit entfernt, die intranasale Applikation böte jedoch zweifellos viele Vorteile. Sie ist nicht-invasiv und deshalb für mehrmalige Gaben geeignet. Neben dem Morbus Parkinson sind auch andere Anwendungsgebiete von Tumorerkrankungen bis hin zum Morbus Alzheimer vorstellbar.

© rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.09.17
Apoptosehemmung könnte Transplantations­erfolg von Blutstammzellen verbessern
Freiburg/New York – Eine Möglichkeit, den Transplantationserfolg von Blutstammzellen durch eine Hemmung des programmierten Zelltods zu verbessern, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg......
10.09.17
Morbus Parkinson: Geruchsverlust geht Diagnose um bis zu zehn Jahre voraus
East Lansing – Riechstörungen sind häufig das erste Symptom einer degenerativen Hirnerkrankung. In einer Kohortenstudie in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004382) hatten die betroffenen......
04.09.17
Neues Zentrum für pädiatrische Stammzelltrans­plantation und Zelltherapie in Frankfurt
Frankfurt am Main – Forschung und Behandlung direkt miteinander verbinden soll das neue Johanna-Quandt-Zentrum für pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie am Universitätsklinikum......
01.09.17
Asthmamedikamente könnten Parkinson verhindern – Betablocker erhöhen Erkrankungsrisiko
Boston – Beta-2-Sympathomimetika wie Clenbuterol und Salmeterol, die seit Jahrzehnten zur Behandlung von Asthmaerkrankungen eingesetzt werden, bremsen in Hirnzellen die Bildung von Alpha-Synuclein,......
31.08.17
Transplantierte Stammzellen verbessern Parkinsonsymptome bei Affen
Kyoto – Bisherige zelltherapeutische Ansätze der Parkinsonkrankheit waren limitiert, da die notwendigen Stammzellen aus Hirngewebe abgetriebener Feten verwendet werden mussten. Dabei geht es auch ohne......
30.08.17
Telemedizin geeignet für Versorgung von Parkinsonpatienten
Rochester – Für Patienten, die an Parkinson erkrankt sind, kann ein regelmäßiger Kontakt mit einem Neurologen via Telemedizin genauso effektiv sein wie ein Besuch in der Arztpraxis. Ray Dorsey und......
22.08.17
Neue Technik: Zelldifferenzierung per Barcode verfolgen
Heidelberg – Eine neue Technik soll die Differenzierung von Stammzellen dynamisch erfassen und Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung geben. Mithilfe eines......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige