Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzinfarkt: Straßenverkehr als häufigster Trigger

Freitag, 25. Februar 2011

Diepenbeek – Der bedeutendste Trigger für einen Herzinfarkt ist nicht körperliche Anstrengung oder Alkohol und auch nicht Sex oder Drogen, sondern der Straßenverkehr. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Risikoanalyse im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(10)62296-9).

Beim Herzinfarkt müssen die langfristigen Ursachen (Risikofaktoren) der koronaren Herzkrankheit von den unmittelbaren Auslösern (Triggern) des ischämischen Ereignisses unterschieden werden. Die wichtigsten Ursachen sind Diabetes, Hypertonie, Rauchen, Dyslipidämie, Entzündungen und Bewegungsmangel. Sie erhöhen über Jahre das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken.

Dem akuten Ereignis geht dann häufig ein Auslöser voraus. Bekannt ist die Abbildung aus dem Netter-Atlas, wo ein Mann nach einem Restaurantbesuch, wo er gut gegessen und einige Zigaretten geraucht hat, die Straße betritt und nach dem Ersteigen weniger Stufen die Tasche fallen lässt und sich an die Brust fasst.

Die vier erwähnten Trigger (schweres Essen, Erschöpfung, Rauchen und Kälte) sind jedoch nicht die wichtigsten Auslöser des Herzinfarktes, wenn man den Berechnungen von Tim Nawrot von der Hasselt Universität im belgischen Diepenbeek und Mitarbeitern glaubt.

Die Epidemiologen haben 36 Studien ausgewertet. Sie ermittelten einmal Zahlen zum persönlichen Risiko, ausgedrückt als Odds Ratio (OR): Hier steht der Kokain-Konsum (OR 23,7) an erster Stelle. Menschen mit einer Herzkrankheit sollte aber auch vom Marihuanarauchen (OR 4,8) sowie von zu viel Alkohol (OR 3,1) und zu häufigem Sex (OR 3,11) abgeraten werden.

Ungünstig sind ebenfalls das von Netter thematisierte schwere Essen (OR 7,0) und körperliche Anstrengung (OR 4,25). Ebenso können Wutausbrüche (OR 3,11) und negative Emotionen (OR 4,46), aber auch positive Emotionen (OR 3,5) einen Herzinfarkt auslösen. Selbst Kaffee (OR 1,5) war ein signifikanter Trigger. Daneben nennt Naewrot noch die Luftverschmutzung (OR 1,02 bis 1,05) und den Straßenverkehr (OR 2,92).

Diese letzten Faktoren mögen für die einzelnen Personen von untergeordneter Bedeutung sein. Da sich ihnen jedoch kaum jemand entziehen kann, haben sie auf die Gesamtzahl aller Herzinfarkte einen erheblichen Einfluss. Ihr Anteil an allen Ereignissen geben Epidemiologen als PAF (population-attributable fraction) an.

Da der Kokainkonsum sehr selten ist, beträgt der PAF nur 0,9 Prozent aller Herzinfarkte. An erster Stelle der von Nawrot ermittelten „Hitliste“ steht der Straßenverkehr (PAF 7,4 Prozent), gefolgt von körperlicher Anstrengung (PAF 6,2 Prozent), Alkohol (PAF 5,0 Prozent), Kaffee (PAF 5,0 Prozent) und der Luftverschmutzung (PAF 4,8 Prozent).

Sie löst mehr Herzinfarkte aus als negative Emotionen (PAF 3,9 Prozent), Wutausbrüche (PAF 3,1 Prozent) oder schwere Mahlzeiten (PAF 2,7 Prozent). Auch positive Emotionen (PAF 2,4 Prozent), sexuelle Aktivität (PAF 2,2 Prozent), Kokain (PAF 0,9 Prozent), Marihuana (PAF 0,8 Prozent) und Atemwegsinfektionen (PAF 0,6 Prozent) sind gesamtgesellschaftlich gesehen kein häufiger Trigger.

Viele Trigger fallen in die Verantwortung des Einzelnen (Genussmittel), andere sind schwer vermeidbar (Infektionen). Einige haben eine Public-Health-Dimension. Hierzu zählen sicherlich der Straßenverkehr und die Luftverschmutzung. Maßnahmen gegen den Straßenverkehr könnten in der Einrichtung verkehrsberuhigter Wohngebiete bestehen, die Assoziation mit der Luftverschmutzung könnte dagegen ein weiteres Argument für Umweltzonen sein.

Ob diese allerdings die Sterblichkeit am Herzinfarkt senken würden, ist eine andere Frage. Ohne die Meidung der oben genannten langfristigen Risikofaktoren wird die Koronarsklerose zweifellos fortschreiten und ein letzter Auslöser wird sich am Ende immer finden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Kontrabass
am Samstag, 26. Februar 2011, 10:26

Überraschung!

Wie sind wohl im Vergleich die immer wieder auftauchenden Studien zu verstehen, die behaupten, Alkohol sei vorbeugend für Herzkrankheiten? Die Dosierung wird hier nicht angesprochen. Luftverschmutzung, Kiffen, Kaffee, Sex, körperliche Überanstrengung oder Kokain wurden bei den bisherigen alkoholpositiven Studien kaum als auszuschliessende Risikofaktoren behandelt. Noch mehr mögliche Fehlerquellen.
KrankerPfleger
am Freitag, 25. Februar 2011, 20:11

Wie gut...

Wie gut, daß ich keinen Führerschein habe.
harlekin2000
am Freitag, 25. Februar 2011, 18:46

Na, da kommt ja die Bensinpreiserhöhung gerade recht!!!

Sie rettet Leben. Soll mal einer sagen, dass nicht alles auch sein Gutes hat.

Nachrichten zum Thema

31.08.17
Neue Brustschmerz­ambulanz am Universitäts­klinikum Leipzig
Leipzig – Eine Anlaufstelle für Patienten mit unklarem Brustschmerz hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eingerichtet. Die „Chest Pain Unit“ (CPU) genannte Einheit gehört zur Klinik für......
28.08.17
Antientzündlicher Antikörper verlangsamt „inflammatorische“ Atherosklerose nach Herzinfarkt
Boston – Ein starker Blocker von Entzündungsreaktionen, der seit acht Jahren zur Behandlung verschiedener autoinflammatorischer Erkrankungen zugelassen ist, hat in einer Phase 3-Studie bei Patienten......
27.07.17
Mendelsche Randomisierung bestätigt: Zu viel Kalzium im Blut erhöht Herzinfarktrisiko
Stockholm - Menschen, die aus genetischen Gründen erhöhte Kalziumkonzentrationen im Blut haben, erkranken häufiger an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und an einem Herzinfarkt. Die Ergebnisse einer......
18.07.17
Computertomographie des peri-koronaren Fettgewebes zeigt Herzinfarktrisiko an
Oxford – Britische Forscher haben herausgefunden, dass die entzündlichen Veränderungen in den Koronarien, die der Plaquesbildung vorausgehen, Auswirkungen auf das Fettgewebe in unmittelbarer Umgebung......
05.07.17
Studie: Gürtelrose erhöht Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
Seoul - Ein Herpes Zoster erhöht möglicherweise das Risiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das kam in einer Analyse von Krankenregistern in Südkorea heraus, die jetzt im Journal of the......
26.06.17
Europäisches Netzwerk für Chest Pain Units geplant
Mainz – Die European Acute Cardiovascular Care Association (ACCA) will ein europaweites Netzwerk von Chest Pain Units (CPUs) aufbauen. Den Anstoß hierzu hatte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie......
22.06.17
Stillen reduziert Risiko für Herzerkrankungen bei Müttern
Oxford/Peking – Stillen kommt nicht nur der Gesundheit des Kindes zu gute. Auch die Mutter profitiert. Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sinkt um acht bis 18 Prozent in......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige