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Medizin

Erstes Risikogen der bipolaren Störung

Montag, 28. Februar 2011

Bonn – Die bipolare Störung, an der ein Prozent der Bevölkerung leiden soll, wird in einer genomweiten Assoziationsstudie mit einem Gen in Verbindung gebracht, das im Gehirn aktiv ist. Die Publikation im American Journal of Human Genetics (2011; doi: 10.1016/j.ajhg.2011.01.017) stellt aber auch klar, dass es nicht die alleinige Ursache der Erkrankung ist.

Die bipolare Störung, früher auch „manisch-depressive Erkrankung“ genannt, ist gekennzeichnet durch manische oder hypomanische Episoden im Wechsel mit depressiven Episoden. Eine familiäre Häufung ist bekannt, was eine genetische Prädisposition nahelegt. Sie zu entschlüsseln war Gegenstand einer größeren genomweiten Assoziationsstudie, die sich in drei Runden schließlich auf das Gen Neurocan konzentrierte.

Hier fand das Team um Sven Cichon von der Universität Bonn eine Variante, deren Träger ein leicht erhöhtes Risiko haben, an einer bipolaren Störung zu erkranken. Die Odds Ratio zeigte am Ende nur ein 17 Prozent gesteigertes Risiko, was kaum der Rede wert wäre, wenn das Gen nicht neue Einblicke in die molekularen Prozesse der Erkrankung versprechen würde.

Das gefundene Gen Neurocan (NCAN) kodiert nämlich ein Proteoglycan, das im Gehirn hauptsächlich in zwei Gehirnbereichen exprimiert wird, die Forscher seit längerem mit der Erkrankung in Verbindung bringen: Cortex und Hippocampus.

Erste Untersuchungen von Mäusen, bei denen das Gen Neurocan entfernt wurde, erbrachten Cichon zufolge Hinweise auf gewisse Einschränkungen bei kognitiven Prozessen, die nun genauer untersucht werden sollen. Bekannt ist, dass Neurocan die Zelladhäsion und die Migration von Nervenzellen beeinflusst.

Damit besteht die Möglichkeit, dass die bipolare Störung die Folge einer gestörten Entwicklung des Gehirns ist. Die Entdeckung dürfte das Interesse der Hirnforscher in diese Richtung lenken. Ob sie dabei auf Erkenntnisse stößt, die in Zukunft bei der Entwicklung wirksamer Therapien zur Behandlung der manisch-depressiven Störung von großem Nutzen sein können, ist natürlich offen. © rme/aerzteblatt.de

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