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Medizin

Plasmozytom: Genom-Analyse bietet Ansatzpunkte für Therapie

Donnerstag, 24. März 2011

Cambridge – Das Erbgut des multiplen Myeloms (Plasmozytom) birgt einige Überraschungen. Der erste Entwurf des Genoms, der jetzt in Nature (2011; 471: 467-472) vorgestellt wurde, zeigt neben bereits vermuteten Onkogenen auch einige, die bisher nicht mit dem aggressiven Tumor der Plasmazellen in Verbindung gebracht wurde.

Die modernen „high-throughput“ Sequenzierer der Gentechnik machen es möglich. Das Team um Todd Golub und Gad Getz vom Broad Institute in Cambridge konnte das Erbgut von 38 Plasmozytomen verschiedener Patienten entschlüsseln.

Mit der Zahl der analysierten Tumore steigt die Chance, jene Mutationen zu finden, die den Tumor auslösen oder sein Wachstum antreiben. Diese Mutationen sollten bei vielen, wenn nicht allen Tumoren vorhanden sein. Sie sind zu trennen von anderen Mutationen, die ein Nebenprodukt des Tumorwachstums sind.

Denn bei Malignomen spielt die Integrität des Erbguts eine untergeordnete Rolle, solange Zellteilung und Wachstum nicht behindert werden. Zunächst entdeckten die Forscher Mutationen im Stoffwechselweg von NK-kappa B.

Es handelt sich um einen Transkriptionsfaktor, der die Aktivität verschiedener anderer Gene steuert. Diese könnten für das Krebswachstum förderlich sein. NK-kappa B-Mutationen sind auch bei anderen Krebserkrankungen entdeckt worden und die Arzneimittelforschung arbeitet derzeit an Medikamenten, die hier eingreifen.

Es wurden aber auch Mutationen entdeckt, die bisher nicht mit einem Krebswachstum in Verbindung gebracht wurden. So wies jedes zweite Plasmozytom Mutationen in Genen auf, die die Translation, also die Umsetzung von RNA in Proteine beeinflussen. Ob sie Ansatzpunkte für neue Krebsmedikamente bieten, bleibt abzuwarten. Schließlich ist auch jede gesunde Zelle auf diese Werkzeuge der Proteinproduktion angewiesen.

Auswirkungen auf die Therapie könnten sich aus einer weiteren unerwarteten Entdeckung ergeben. Die Forscher stießen auf mehrere BRAF-Mutationen. Sie treten auch bei anderen Krebserkrankungen wie Melanom oder dem Kolorektalkarzinom aus. Medikamente, die hier angreifen, befinden sich nach Auskunft der Autoren bereits in der klinischen Entwicklung.

Das Plasmozytom galt bisher nicht als mögliches Anwendungsgebiet. Dies könnte sich jetzt ändern. Die Mutationen wurden allerdings nur bei 4 Prozent der Tumoren gefunden, und der Nachweis der Mutation ist noch lange kein Beweis für die Wirksamkeit von Wirkstoffen, die hier angreifen. © rme/aerzteblatt.de

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