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Ärzteschaft

Wartezeiten für Patienten nicht wegen zu geringer Praxisöffnungszeiten

Montag, 4. April 2011

Berlin – Verschiedene Ärzteverbände haben sich gegen Vorwürfe des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gewehrt, wonach Patienten Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, weil Ärzte ihre Praxis durchschnittlich nur rund 28,5 Stunden pro Woche öffneten. Das hatte eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Spitzenverbandes ergeben.

„Die niedergelassenen Ärzte würden liebend gerne mehr Zeit für ihre Patienten erübrigen. Der bürokratische Zusatzaufwand – zu dem die Krankenkassen mit Anfragen und dergleichen einen erheblichen Teil beitragen – lässt ihnen jedoch gar keine Chance dazu“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler.

Die durch eine Umfrage des GKV-Spitzenverbandes ermittelten durchschnittlichen Sprechzeiten pro Woche von 30,4 Stunden bei Fachärzten und 26,2 Stunden bei Hausärzten seien nur einen Teil der ärztlichen Gesamtarbeitszeit. Hinzu kämen die Hausbesuche, die so gut wie alle außerhalb der Sprechzeiten stattfänden, außerdem die Bereitschaftsdienste nachts und am Wochenende sowie die Zeit, die für das Praxismanagement und Verwaltungsanforderungen nötig seien.

Der sogenannte Erweiterte Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen habe das Zeitbudget für die vertragsärztliche Tätigkeit mit 51 Wochenstunden kalkuliert. Davon umfassten 44,6 Stunden sogenannte patientenunmittelbare Tätigkeiten, die übrigen 6,4 Stunden stünden für die Praxisorganisation zur Verfügung.

„Die Forsa-Umfrage zeigt, dass sich niedergelassene Fachärzte im Schnitt nur 32 Stunden pro Woche Zeit für ihre Patienten nehmen. Da braucht sich niemand mehr wundern, warum viele kranke Menschen so lange auf einen Termin warten müssen, obwohl wir immer mehr Ärzte in Deutschland haben“, hatte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, die Ergebnisse der Umfrage im Magazin Der Spiegel kommentiert.

Von einer „Hetzkampagne gegen Ärzte“ sprach der NAV-Virchowbund. Nach einer aktuellen Burn-out-Umfrage der Brendan-Schmittmann-Stiftung des NAV-Virchow-Bundes vom März dieses Jahres betrage die durchschnittliche Arbeitszeit niedergelassener Ärzte 10,6 Stunden täglich.

Dabei behandele ein Praxisarzt rund 50 Patienten am Tag. „Es ist schon erstaunlich, wie wenig Ahnung anscheinend der Spitzenverband der Krankenkassen von der ambulanten Versorgung hat“, sagte der NAV-Vorsitzende Dirk Heinrich.

Kritik am GKV-Spitzenverband kam auch aus Brandenburg. „Diese Damen und Herren Kassenvertreter sollten sich einmal vor Ort in den Arztpraxen selbst ein Bild machen. Dann würden sie sehen, wie engagiert und intensiv dort gearbeitet wird“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes, Hans-Joachim Helming.

© hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #88878
frusti
am Mittwoch, 13. April 2011, 08:59

die KV würde sich wundern, wenn

die Niedergelassenen nach 40 Stunden (incl. WB, Büro) die Praxis zusperren würden. Rein wirtschaftlich wäre es okay, danach nur noch PPs zu behandeln. leider verhindert die gegenwärtuige Situation, das man damit überlebt.
Avatar #100202
Businesspaar
am Mittwoch, 13. April 2011, 06:55

"Mehr als arbeiten geht nicht"!?

Doch! Gut und effizient arbeiten. Probieren Sie es damit mal, dann können Sie auch mal öfter den Golfschläger schwingen :-)).

Niedergelassene sind meist grauselige Unternehmer. Das ist das Problem :-)).

Was für ein Gequatsche von Überlastung. Für die "Weiterbildung" auf "Malle" scheint aber Zeit vorhanden zu sein, oder wie jetzt??
Avatar #110545
R.Gulyas
am Dienstag, 12. April 2011, 21:34

@mathilda

wie mans dreht und wendet, am Ende bleiben zu wenig Ärzte mit einer ordentlicher Arbeitsbelastung. Da ist es doch egal, bei welcher Kasse die Leistungen abgerechnet werden, erbringen muß man (Arzt) sie erst mal.

Und zur Weiterbildung: jeder Selbstständige rechnet seine Weiterbildung in seine persönliche Arbeitszeit ein. Und jeder Selbst- und Nichtselbsständige kann die Kosten dafür steuerlich geltend machen!

Und den Ärzten die Verantwortung für eine Unterversorgung zuzuschieben, ist auch nicht die Lösung. Mehr als arbeiten geht nicht, und über 50h/Wo ist sicher nicht Faulenzen.
Avatar #88878
frusti
am Mittwoch, 6. April 2011, 06:39

@mathilda

stimmt so nicht ganz. Weiterbildungen die per Gesetz oder Kammer vorgeschrieben sind: da sind die Ärzte die einzigen, die es nicht haben. Ich habe zumindest noch keinen Piloten gesehen, der zum Typerating in seiner Freizeit gegangen ist. Ich zur Strahenschutzauffrischung schon. Ansonsten ist der Begriff der Arbeitszeit auch bei Freiberuflern eher ein dehnbarer Begriff.
Das der Arbeitgeber sich bei anderen Weiterbildungen (Stressfrei Batiken, angstfrei Töpfern) zurückhält, ist okay.
Avatar #108046
Mathilda
am Dienstag, 5. April 2011, 18:04

...die du nicht selbst gefälscht hast

R.Gulyas: Nach meiner Auffassung sollte die Zeit, die für Privatpatienten aufgewandt wird, anteilig vom Kassenarztsitz abgezogen werden. Also wer ein Drittel seiner Arbeitszeit Privatpatienten behandelt, darf nur 2/3 Kassenarztsitz beanspruchen. Vielleicht würde man bei dieser Rechnung feststellen, dass in angeblich überversorgten Gebieten massiv KASSEN-Ärzte fehlen? Die 2/3 gelten dann natürlich auch fürs Budget etc.
Thema Weiterbildung: Egal, wie man rechnet - welcher Selbständige - außer Ärzte - kann sich die für Weiterbildung aufgewandte Zeit als Arbeitszeit anrechnen lassen? Selbst Angestellte in höheren Positionen müssen Weiterbildungen im Urlaub absolvieren und natürlich auch selbst finanzieren!
Avatar #88878
frusti
am Dienstag, 5. April 2011, 14:20

ne , nicht 6 h pro Woche WB

6 h Büro und WB, und das kommt dann sicher hin. Wobei: 1x den Deutschen Röntgenkongress besucht = 6+9+9+9 = 33 h reine Kongresszeit plus 1 h/Woche Fachzeitschriften lesen - da sind wir schon bei fast 2 h/ Woche. Plus z.B. Mammographie-Qualitätszirkel, vielleicht noch in einem ambulanten oder ambulant-stat. Tumorboard drin, plus 1x im Monat für 2 h in die örtliche Klinik zur interdisz. WB......Und ich kenne leute, die das wirklich und nicht nur auf dem papier machen.....
Avatar #90645
Oma Kasupke
am Dienstag, 5. April 2011, 11:05

6 h/Woche

Sechs Stunden Weiterbildung pro Woche. Gibt es noch eine andere Berufsgruppe, die das schafft?
Avatar #88878
frusti
am Dienstag, 5. April 2011, 10:36

wieso kalkulieren die eine woche mit 51 stunden?

26 stunden praxis plus 8 Stunden hausbesuche plus 6 stunden weiterbildung und büro = 40 stunden/ woche. klappt doch super. und wenn die kv die ärzte anstellen will, wäre es auch nicht anders als 40 h/woche. ähnlich wie früher im stationären bereich wird hier die not und der mangel durch altruismus, selbstausbeutung und unbezahlte (im gedeckelten system) überstunden maskiert. UND: es gibt doch ageblich zu viele ärzte. da sollte es doch gut sein, wenn sich alle ein wenig zurücknehmen und das budget nicht weiter anspannen.
Avatar #109334
prister
am Montag, 4. April 2011, 23:44

rentner, arbeitslose und krankgeschriebene

die krankenkassen sollten erst ihre versicherten dazu erziehen zum anfang der sprechzeiten den arzt aufzusuchen. 30 stunden wöchentlich sind für eine hausarztpraxis absolut ausreichend.
wenn es drausen kalt ist oder wenn es regnet oder schneit kommt keiner um acht in die praxis. bis elf wärmt man sich erst auf.
rentner kommen grundsätzlich erst nach dem einkauf, in der regel 5 vor 12 obwohl sie schon seit 5 uhr in der früh wach sind.
junge leute und krankgeschriebene verlangen termine oder wollen ihre krankmeldung mittwochs nachmittag verlängern oder sie wundern sich wenn sie mal 5 nach 5 vor verschlossener praxistür stehen.

also krankenkassen: erziehen sie ihre versicherten wie ich meine patienten erzogen habe.

freundlicher hausarzt in seiner papierlosen arztpraxis
dr. z. prister
www.prister.de
Avatar #110545
R.Gulyas
am Montag, 4. April 2011, 21:22

Umkehrschluss?

Um die Sicherstellung der kassenärztlichen Versorgung zu gewährleisten, dürfen Privatpatienten nur behandelt werden, wenn kein Kassenpatient mehr auf einen Termin wartet?
Avatar #108046
Mathilda
am Montag, 4. April 2011, 20:33

Glaube keiner Statistik, ...

Hm, da wird also in mehreren Varianten die tatsächliche oder umfrageerhobene Arbeitszeit der Vertragsärzte diskutiert. Ich frage mich nur: wann eigentlich behandeln die armen Vertragsärzte dann ihre Privatpatienten? Offensichtlich ist ja die gesamte verfügbare Arbeitszeit bereits von Kassenpatienten belegt! Oder zählt die geneigte Ärzteschaft die Zeit, die für privatärztliche Tätigkeit aufgewandt wird und die damit für die kassenärztliche Tätigkeit verloren geht einfach mal so mit bei ihrer Arbeitszeiterhebung?
Wenn tatsächlich ein Arbeitszeitrahmen von 51 Wochenstunden für die vertragsärztliche Tätigkeit kalkuliert und bei der Planung von Arztsitzen zugrunde gelegt wird, dann müssen diese 51 Wochenstunden auch für die vertragsärztliche Tätigkeit zur Verfügung stehen! - Interessante Frage: wer prüft das eigentlich??
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