Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Levothyroxin als Osteoporose-Risiko

Freitag, 29. April 2011

Toronto – Bedarf und Produk­tion von Schild­drüsen­hormonen lässt im hohen Alter nach. Die unkritische Fort­setzung einer jahrelangen Levothyroxin­therapie kann deshalb zu einer Hyperthyreose führen. Eine mögliche Folge ist ein erhöhtes Knochen­bruch­risiko, wie eine Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2011; 342: d2238) zeigt.

Die Verordnung von Levothyroxin ist im Alter keine Seltenheit. In Kanada werden die Hormone jedem fünften Erwachsenen im Seniorenalter verschrieben. In der überwiegenden Zahl handelt ist sich um Frauen. Unter den 213.500 Patienten im Alter von über 70 Jahren, die Lorraine Lipscombe vom Women's College Research Institute in Toronto in einer Datenbank zu Arzneimittelverordnungen fand, betrug der Anteil fast 90 Prozent. 

Ältere Frauen haben bereits aufgrund der postmenopausalen Osteoporose ein erhöhtes Knochenbruchrisiko. Dass aber jeder zehnte Patient unter der Therapie mit Levothyroxin innerhalb eines Beobachtungszeitraums von nur 3,8 Jahren einen Knochenbruch erlitten hat, erschien der Forscherin doch auffällig hoch.

In einer eingebetteten Fall-Kontrollstudie setzte sie deshalb das Knochenbruchrisiko mit dem Zeitpunkt der Verordnung in Beziehung. Ergebnis: Die aktuelle Einnahme von Levothyroxin war mit einem um 88 Prozent erhöhten Risiko auf eine Fraktur assoziiert (adjustierte Odds Ratio 1,88; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,71-2,05).

Das Risiko war zudem dosisabhängig. Für die Einnahme von 44 bis 93 µg/die errechnet Lipscombe eine Odds Ratio von 2,62 (2,50-2,76). Bei einer höheren Dosis stieg die Odds Ratio auf 3,45 (3,27-3,65). Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung spricht für eine Kausalität der Assoziation. Sie ist zudem plausibel, da Knochenbrüche ein seit 120 Jahren bekanntes Risiko einer Hyperthyreose sind, wie Lipscombe ausführt.

Nun ist es nicht so, dass der verminderte Bedarf an Schilddrüsenhormon im Alter nicht bekannt wäre. Leitlinien raten zu einer Senkung der Dosis im hohen Alter. Es ist deshalb möglich, dass der Bedarf weiterhin überschätzt wird.

Der Editorialist Graham Leese vom Ninewells Hospital in Dundee empfiehlt deshalb, bei älteren Menschen hin und wieder den TSH-Wert zu kontrollieren. Der Editorialist sieht allerdings Forschungsbedarf hinsichtlich der Frage, ob die derzeitigen TSH-Zielwerte von 0,4-4,0 mU/l tatsächlich den Thyroxinbedarf im Alter richtig widerspiegeln (BMJ 2011; 342: d2250). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

4. Februar 2018
Marburg/Mainz/Kaiserslautern – Diagnostik und Therapie von Fragilitätsfrakturen des Beckenrings sind bei älteren Menschen mit Osteoporose oft unzureichend. Denn für evidenzbasierte Behandlungskonzepte
Beckenringfrakturen aufgrund von Osteoporose nehmen zu
16. Januar 2018
Kurzkettige Fettsäuren, die bei ballaststoffreicher Ernährung vermehrt gebildet werden, liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. /Alex, stock.adobe.com
Arthritis: Ballaststoffe verlangsamen Knochenabbau in Mäusen
27. Dezember 2017
Tianjin – Für die Prophylaxe von osteoporotischen Frakturen durch Einnahme von Kalzium- und/oder Vitamin D-Supplementen, die vor allem in der dunklen Jahreszeit nachgefragt wird, gibt es laut einer
Osteoporose: Keine Evidenz für Kalzium und/oder Vitamin D in der Prophylaxe
19. Dezember 2017
Norwich/England – Ein Screening mit einem einfachen Fragebogen und eventueller Knochendichtemessung sowie die anschließende medikamentöse Behandlung von Hochrisiko-Patientinnen hat in einer
Studie: Osteoporosescreening älterer Frauen vermeidet Hüftfrakturen
5. Dezember 2017
New York - US-Senioren, die in Gegenden mit erhöhtem Feinstaubgehalt der Luft leben, haben einer Studie in Lancet Planetary Health (2017; 1: e337-e347) ein erhöhtes Risiko auf osteoporotische
Luftverschmutzung schwächt die Knochen
20. Oktober 2017
Dresden – Chronische Grunderkrankungen wie Diabetes oder Rheuma und die damit einhergehende Therapie können die Ursache für eine Osteoporose auch bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 50 Jahren sein.
Osteoporose ist nicht nur eine Alterserkrankung
26. September 2017
Brisbane – Die Identifikation zahlreicher neuer Risikogene könnte einer gezielten Therapie der Osteoporose neuen Antrieb geben. In Nature Genetics berichten Forscher an der University of Queensland

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige