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Medizin

Levothyroxin als Osteoporose-Risiko

Freitag, 29. April 2011

Toronto – Bedarf und Produk­tion von Schild­drüsen­hormonen lässt im hohen Alter nach. Die unkritische Fort­setzung einer jahrelangen Levothyroxin­therapie kann deshalb zu einer Hyperthyreose führen. Eine mögliche Folge ist ein erhöhtes Knochen­bruch­risiko, wie eine Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2011; 342: d2238) zeigt.

Die Verordnung von Levothyroxin ist im Alter keine Seltenheit. In Kanada werden die Hormone jedem fünften Erwachsenen im Seniorenalter verschrieben. In der überwiegenden Zahl handelt ist sich um Frauen. Unter den 213.500 Patienten im Alter von über 70 Jahren, die Lorraine Lipscombe vom Women's College Research Institute in Toronto in einer Datenbank zu Arzneimittelverordnungen fand, betrug der Anteil fast 90 Prozent. 

Ältere Frauen haben bereits aufgrund der postmenopausalen Osteoporose ein erhöhtes Knochenbruchrisiko. Dass aber jeder zehnte Patient unter der Therapie mit Levothyroxin innerhalb eines Beobachtungszeitraums von nur 3,8 Jahren einen Knochenbruch erlitten hat, erschien der Forscherin doch auffällig hoch.

In einer eingebetteten Fall-Kontrollstudie setzte sie deshalb das Knochenbruchrisiko mit dem Zeitpunkt der Verordnung in Beziehung. Ergebnis: Die aktuelle Einnahme von Levothyroxin war mit einem um 88 Prozent erhöhten Risiko auf eine Fraktur assoziiert (adjustierte Odds Ratio 1,88; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,71-2,05).

Das Risiko war zudem dosisabhängig. Für die Einnahme von 44 bis 93 µg/die errechnet Lipscombe eine Odds Ratio von 2,62 (2,50-2,76). Bei einer höheren Dosis stieg die Odds Ratio auf 3,45 (3,27-3,65). Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung spricht für eine Kausalität der Assoziation. Sie ist zudem plausibel, da Knochenbrüche ein seit 120 Jahren bekanntes Risiko einer Hyperthyreose sind, wie Lipscombe ausführt.

Nun ist es nicht so, dass der verminderte Bedarf an Schilddrüsenhormon im Alter nicht bekannt wäre. Leitlinien raten zu einer Senkung der Dosis im hohen Alter. Es ist deshalb möglich, dass der Bedarf weiterhin überschätzt wird.

Der Editorialist Graham Leese vom Ninewells Hospital in Dundee empfiehlt deshalb, bei älteren Menschen hin und wieder den TSH-Wert zu kontrollieren. Der Editorialist sieht allerdings Forschungsbedarf hinsichtlich der Frage, ob die derzeitigen TSH-Zielwerte von 0,4-4,0 mU/l tatsächlich den Thyroxinbedarf im Alter richtig widerspiegeln (BMJ 2011; 342: d2250). © rme/aerzteblatt.de

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