NewsMedizinÜbergewicht als Demenzrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Übergewicht als Demenzrisiko

Dienstag, 3. Mai 2011

Stockholm – Wer im mittleren Alter über­gewichtig oder adipös ist, erkrankt später häufiger an einer Demenz. Dies ergab eine Auswertung des Schwedischen Zwillings­registers in Neurology (2011; 76: 1568-1574).

Eine Demenz im Alter kann als Folge ver­schiedener Erkrankungen auftreten. Neben dem Morbus Alzheimer, an dessen Patho­genese das Übergewicht kaum beteiligt sein dürfte, zählt auch die vaskuläre Demenz dazu.

Sie ist eine Folge der Atherosklerose in den zerebralen Arterien. Da Übergewicht zweifellos die Verkalkung der Blutgefäße begünstigt, sind die Ergebnisse von Weili Xu vom Karolinska Institut in Stockholm biologisch plausibel.

Die Forscherin hat die Daten des Schwedischen Zwillingsregisters ausgewertet. Das weltweit größte Register seiner Art wurde in den 1960er Jahren eingerichtet. Xu konnte für 8.534 Zwillinge, die heute über 65 Jahre alt sind, Daten zum BMI im mittleren Lebensalter ermitteln. Sie stieß dabei auf eine klare und “dosisabhängige” Assoziation zwischen dem BMI und dem späteren Risiko, an einer Demenz zu erkranken, wobei nicht zwischen den verschiedenen Demenzursachen unterschieden wurde.

Bereits für den Übergewichtsbereich (BMI 25 bis 30) ermittelte die Forscherin ein um 71 Prozent erhöhtes Risiko (Odds Ratio 1,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,30-2,25). Adipöse Personen (BMI >30) hatten ein fast vierfach erhöhtes Risiko (Odds Ratio 3,88; 2,12-7,11). Insgesamt waren 39 Prozent aller Demenzpatienten im mittleren Alter übergewichtig gewesen. Unter den Personen ohne Demenz lag der Anteil nur bei 26 Prozent.
 

Anzeige

Als die Forscherin einzelne Zwillingspaare gegenüberstellte, von denen der eine dement war und der andere nicht, verschwand die Assoziation mit dem früheren Körpergewicht. Das spreche dafür, dass neben genetischen Faktoren auch frühe Umweltfaktoren, gemeint ist der Lebensstil, für die Entwicklung der Demenz verantwortlich seien, schreibt die Autorin.

Laut Xu sind derzeit weltweit 1,6 Milliarden Menschen übergewichtig. Die Adipositas-Epidemie könnte neben der gesteigerten Lebenserwartung dazu führen, dass die Zahl der Demenzkranken in Zukunft weiter ansteigen werde.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #111214
EmperorDiablo
am Dienstag, 3. Mai 2011, 22:42

Übergewicht eher eine Folge, als eine Ursache?

Ist es nicht so, dass gerade übergewichtige Menschen generell ungesünder leben? Übergewichtige Menschen bewegen sich seltener und gehen weniger aus dem Haus um mit Freunden etwas zu unternehmen. Wer keinen Sport macht ist öfters Raucher und wer "auf der Couch lebt" greift auch öfters mal zum Bier. Die Schlussfolgerung sollte nicht heissen:
Übergewicht -> Demenz
sondern
(Ungesunder Lebensstil + wenig Geistige Herausforderungen) -> (Übergewicht + Demenz)
LNS

Nachrichten zum Thema

20. Februar 2020
München – Die bei Alzheimer bekannten sogenannten Tau-Proteine scheinen sich in zusammenhängenden neuronalen Netzwerken wie bei einer Infektion zu verbreiten. Das haben Wissenschaftler des Instituts
Tau-Proteine breiten sich bei Alzheimer wie bei einer Infektion aus
18. Februar 2020
Brüssel – Die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland wird neuen Schätzungen zufolge bis 2050 erheblich steigen. Während 2018 knapp 1,6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik mit einer
Deutliche Zunahme an Demenzkranken in Deutschland und Europa erwartet
18. Februar 2020
Kopenhagen – Eine retrospektive Studie aus Dänemark zeigt bei jungen Männern eine signifikante Assoziation zwischen der Körpergröße und dem späteren Demenzrisiko: Männer, die am Übertritt zum
Körpergröße junger Männer mit späterem Demenzrisiko assoziiert
14. Februar 2020
Baltimore – Eine erfolgreiche medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks kann das Demenzrisiko um 12 % senken. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, sinkt um 16 %. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Blutdrucktherapie senkt Demenzrisiko bei Menschen mit Bluthochdruck
12. Februar 2020
St. Louis/Missouri – Die beiden Antikörper Gantenerumab und Solanezumab, die Beta-Amyloide aus dem Gehirn entfernen sollen, haben in einer internationalen Studie den Verlust von kognitiven Fähigkeiten
Familiärer Alzheimer: Antikörper können Verlust von kognitiven Fähigkeiten in Studie nicht verhindern
10. Februar 2020
Greifswald/Rostock – Belege für die These, dass körperliche Fitness die Gesundheit des Gehirns fördert, haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der
Neue Hinweise für eine neuroprotektive Wirkung von Sport und Bewegung
3. Februar 2020
Chicago – Senioren, die häufig Lebensmittel mit Flavonolen verzehrten, das in fast allen Obst- und Gemüsesorten sowie in Tee enthalten ist, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER