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Politik

Arzneimittel: Schiedsstelle orientiert sich am europäischen Mittelpreis

Freitag, 20. Mai 2011

Berlin – Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) sieht vor, dass die Hersteller von innovativen Arzneimitteln mit dem GKV-Spitzenverband den Preis für dieses Arzneimittel aushandeln. Kommen sie dabei zu keinem Ergebnis, können sie nach § 130b SGB V eine Schiedsstelle anrufen, die den Preis festlegt.

Die Mitglieder dieser Schiedsstelle wurden am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu ihnen gehört auch der ehemalige Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, Leonhard Hansen. Dem Deutschen Ärzteblatt sagte er, wie die Arbeit der Schiedsstelle aussehen wird. 

Fünf Fragen an Leonhard Hansen, unparteiisches Mitglied in der mit dem AMNOG gegründeten Schiedsstelle zur Festlegung von Preisen für innovative Arzneimittel

DÄ: Wie war Ihre erste Reaktion, nachdem Sie in die Schiedsstelle berufen wurden?
Hansen: Zunächst war ich natürlich überrascht, fühlte mich aber auch geehrt. Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und dann zugesagt. Für mich schließt sich mit meiner Berufung ein Kreis.

Denn schon während meiner Arbeit als Vorstand in der KV Nordrhein habe ich mich dafür eingesetzt, dass der einzelne Patient mit seiner individuellen Krankheit eine optimale Arzneimittelversorgung erhält, ohne die Gemeinschaft finanziell zu überfordern. Und diesen Spagat zu ermöglichen, wird nun auch wieder meine Aufgabe in der Schiedsstelle sein.  

DÄ: Womit wird sich die Schiedsstelle als erstes befassen?
Hansen: Wir kommen das erste Mal am 24. Juni zusammen. In diesem Jahr wird es vor allem darum gehen, eine Geschäftsordnung zu erstellen, auf deren Basis wir zügig und formaljuristisch sauber arbeiten können.

Danach nehme ich an, dass in kurzen Abständen die Anträge eingehen und wir unserer Aufgabe nachgehen werden. Da sich die in die Schiedsstelle berufenen Personen bereits kennen, gehe ich davon aus, dass die Zusammenarbeit keine Probleme bereiten wird.  

DÄ: Woran werden Sie sich bei der Festsetzung eines Preises orientieren?
Hansen: Der Gesetzgeber hat dafür ja klare Vorgaben gemacht: Wir werden uns am europäischen Mittelpreis orientieren. Spannend wird es natürlich dann, wenn noch kein europäischer Mittelpreis für dieses Arzneimittel existiert, wenn es also zuerst in Deutschland auf den Markt gebracht wird. Dann werden wir uns die Kalkulationen der Hersteller ansehen, die konkreten Entwicklungskosten des jeweiligen Arzneimittels. 

DÄ: Glauben Sie denn, dass die Hersteller Ihnen Einblick in ihre Kalkulationen gewähren werden?
Hansen: Ihnen wird gar nichts anderes übrig bleiben, das AMNOG macht da ja ganz deutliche Vorgaben. Klar ist aber auch, dass dem Schutzinteresse der Hersteller in vollem Umfang Rechnung getragen wird. Das heißt also, die Schiedsstelle wird sehr diskret mit diesen Informationen umgehen und sie nicht auf offenem Markte präsentieren.

DÄ: Wird das im AMNOG angelegte Prozedere zur Festlegung gerechterer Arzneimittelpreise funktionieren?
Hansen: In den vergangenen Jahren hatten wir bei den Preisen für innovative Arzneimittel eine ungesunde Entwicklung. Das konnte so nicht weitergehen. Ich glaube, dass allen beteiligten Institutionen, auch der Pharmaindustrie, ihre Verantwortung bewusst ist. Manches muss sich am Anfang sicherlich finden, manches muss sich erst etablieren.


Doch alle Akteure sind gut beraten, zügig ihre Hausaufgaben zu machen und nicht auf die Idee zu kommen, zum Beispiel auf Zeit spielen zu wollen. Das würde sich auch der Gesetzgeber nicht lange gefallen lassen. Am Ende wird aber  alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich bin davon überzeugt, dass das neue System funktionieren wird. © fos/aerzteblatt.de

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