NewsMedizinDiät: Kalzium kann Osteoporose nicht vorbeugen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diät: Kalzium kann Osteoporose nicht vorbeugen

Mittwoch, 25. Mai 2011

Uppsala – Eine kalziumreiche Kost allein hat im Alter wahrscheinlich keine vorbeugende Wirkung gegen die Osteoporose. Eine prospektiven Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d14739) ermittelte für eine hohe Kalziumaufnahme sogar einen tendenziellen Anstieg des Knochenbruchrisikos.

Eva Warensjö von der Universität Uppsala hat die Daten zu 61.433 Teilnehmerinnen der schwedischen Mammographie-Studie ausgewertet. Diese hatten neben der Einladung zur Krebsfrüherkennung auch einen Fragebogen zu ihren Lebensgewohnheiten und der Einnahme von Supplementen ausgefüllt.

Die daraus berechnete Kalziumzufuhr setzte die Orthopädin mit der späteren Rate von Knochenbrüchen in Beziehung, was wegen der zentralen Identifikationsnummer der Einwohner in Schweden leicht möglich ist.

Immerhin 24 Prozent aller Teilnehmerinnen erlitten in den 19 Jahren der Nachbeobachtung eine Fraktur. Bei 6 Prozent war dies eine Hüftfraktur. Warensjö fand eine U-förmige Kurve mit dem niedrigsten Knochenbruchrisiko bei einer täglichen Zufuhr von etwa 700 mg Kalzium am Tag. Das ist deutlich weniger als derzeit in Skandinavien (800 mg), den USA (1.200 mg) oder Australien (1.300 mg) als tägliche Zufuhr empfohlen wird.

Das Knochenbruchrisiko war nicht nur bei Frauen erhöht, die weniger als 700 mg/die Kalzium pro Tag zu sich nahmen. Auch im obersten Quintil der Zufuhr (über 1.137 mg/die) erkrankten die Frauen zu 19 Prozent häufiger an einer Hüftfraktur. Dieses letzte Ergebnis sollte nach Ansicht der Autorin nicht überbewertet werden. Die Ergebnisse zeigen jedoch erneut, dass aus dem Rückgang der Knochenmineraldichte im osteoporotischen Knochen nicht automatisch auf eine Wirksamkeit einer Substitution geschlossen werden darf.

Bei einer unkritischen Einnahme von Supplementen gelangt das Mineral möglicherweise nicht an den gewünschten Ort. Schlimmstenfalls wird es in den Wänden der Blutgefäße eingelagert. Erst kürzlich war eine Auswertung der Women's Health Initiative zu dem Schluss gekommen, dass die Einnahme von Kalziumsupplementen das Herzinfarktrisiko erhöhen könnte (BMJ 2011; 342: d2040).

Der Schlüssel zum Erfolg einer Kalziumsupplementierung könnte die gleichzeitige Therapie mit Vitamin D sein. Das Hormon könnte dafür sorgen, dass das Mineral seinen Zielort erreicht. Die gleichzeitige Gabe von Kalzium plus Vitamin D gilt heute als Begleittherapie zu der Behandlung mit Bisphosphonaten als evidenzbasiert. Studien haben gezeigt, dass die Gesamtsterblichkeit sinkt, ohne dass es einem vermehrten Auftreten kardiovaskulärer Endpunkte kommt./rme © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

6. Juli 2018
Göteborg – Die tägliche Einname eines Probiotikums hat in einer randomisierten klinischen Studie im Journal of Internal Medicine (2018: doi: 10.1111/joim.12805) den Rückgang der Knochenmasse bei
Osteoporose: Probiotikum verlangsamt Knochenabbau
28. Juni 2018
Iowa City – Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF), die das Ge­sund­heits­mi­nis­terium zu Fragen der Krankheitsprävention berät, spricht sich für ein Osteoporose-Screening von Frauen ab dem 65.
Osteoporose: US-Institut empfiehlt Knochendichtemessung für Frauen über 65 Jahren
9. Mai 2018
Köln – Die aktuellen evidenzbasierten Leitlinien zur Osteoporose decken fast alle Bereiche ab, die für ein künftiges Chronikerprogramm (Disease Mangement Programm, DMP) zur Osteoporose relevant sind.
Chronikerprogramm zur Osteoporose kann sich zumeist auf Leitlinien stützen
30. April 2018
London – Der RANKL-Inhibitor Denosumab, der die Knochenresorption hemmt und bereits zur Behandlung der Osteoporose zugelassen ist, darf künftig auch bei Patienten eingesetzt werden, bei denen es
Denosumab verhindert Knochenabbau durch Steroide
4. Februar 2018
Marburg/Mainz/Kaiserslautern – Diagnostik und Therapie von Fragilitätsfrakturen des Beckenrings sind bei älteren Menschen mit Osteoporose oft unzureichend. Denn für evidenzbasierte Behandlungskonzepte
Beckenringfrakturen aufgrund von Osteoporose nehmen zu
16. Januar 2018
Kurzkettige Fettsäuren, die bei ballaststoffreicher Ernährung vermehrt gebildet werden, liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. /Alex, stock.adobe.com
Arthritis: Ballaststoffe verlangsamen Knochenabbau in Mäusen
27. Dezember 2017
Tianjin – Für die Prophylaxe von osteoporotischen Frakturen durch Einnahme von Kalzium- und/oder Vitamin D-Supplementen, die vor allem in der dunklen Jahreszeit nachgefragt wird, gibt es laut einer
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER