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Medizin

Krebsrisiko des Barrett-Ösophagus überschätzt

Freitag, 17. Juni 2011

Belfast – Der Barrett-Ösophagus ist zweifellos eine Präkanzerose. Doch das Fortschreiten zum Adenokarzinom ist einer Studie im Journal of National Cancer Institute (2011; doi: 10.1093/jnci/djr203) zufolge seltener als bisher angenommen.

Unter der Einwirkung eines häufigen Refluxes von Magensaft kann es in der Speiseröhre zum Umbau der Schleimhaut kommen. Das für den Ösophagus übliche mehrschichtige Plattenepithel wird durch ein hochprismatisches Zylinderepithel ersetzt, wie es für die Darmschleimhaut typisch ist. Sie kann zum Nährboden für ein Adenokarzinom werden, vor allem wenn der Umbau fortgeschritten ist (specialized intestinal metaplasia, SIM).

Frühere Studien haben das Krebsrisiko auf 0,58 bis 3 Prozent pro Jahr geschätzt. Doch unter den 8522 Patienten, die das Northern Ireland Barrett's Esophagus Registry in den Jahren 1993 bis 2005 gesammelt hat, wurde die Diagnose eines Adenokarzinoms des Ösophagus oder eines Kardiakarzinoms bisher nur in 79 Fällen gestellt. Dies ergibt nach den Berechnungen von Shivaram Bhat von der Queens Universität in Belfast nur eine Inzidenz von 0,22 Prozent pro Jahr.

Für die Hälfte der Patienten, bei denen bei der Biopsie eine SIM diagnostiziert wurde, betrug die Inzidenz 0,38 Prozent pro Jahr. Von der anderen Hälfte ohne SIM erkrankten nur 0,07 Prozent pro Jahr. Dies ergibt nach den Berechnungen von Bhat eine Hazard Ratio von 3,54 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,09-6,00) für die SIM.

Weitere Risikofaktoren für ein Fortschreiten zum Karzinom waren ein männliches Geschlecht (0,28 vs. 0,13 Prozent pro Jahr; Hazard Ratio 2,11) und der Nachweis einer “low-grade”-Dysplasie (1,40 vs. 0,17 Prozent pro Jahr; Hazard Ratio 5,67).

Das nordirische Register gehört zu den größten seiner Art zum Barrett-Ösophagus, und die Daten werden vom Editorialisten Douglas Corley von der Forschungsabteilung der Kaiser Permanente Krankenkasse in Oakland als hochwertig eingestuft. Sie eignen sich deshalb als Grundlage für Screening-Empfehlungen, denen wegen der hohen Kosten enge Grenzen gesetzt sind. Nach Ansicht von Corley ist ein Screening bei Patienten mit Barrett-Ösophagus ohne SIM fraglich. © rme/aerzteblatt.de

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