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Medizin

Pulsoxymetrie erkennt Herzfehler bei Neugeborenen

Freitag, 5. August 2011

Birmingham – Eine steigende Zahl von deutschen Geburtsstationen setzt die Pulsoximetrie zur Früherkennung von Herzfehlern ein. Eine britische Studie im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60753-8) zeigt, dass die Pulsoxymetrie das bisherige Screening ergänzen kann. Die Sensitivität ist jedoch gering. Auch im Konzert mit anderen Maßnahmen zur Früherkennung wird nur etwa jedes zweite Kind mit einem Herzfehler erkannt.

Angeborene Herzfehler gehören in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen im Säuglingsalter. Die Früherkennung erfolgt derzeit durch den vorgeburtlichen Ultraschall und die klinische Untersuchung der Neugeborenen. Hierbei werden jedoch viele Herzfehler übersehen.

Die Pulsoxymetrie bietet sich als zusätzliche Untersuchung an, da sie nichtinvasiv und kostengünstig ist. Die Untersuchung misst die Sauerstoffsättigung des Blutes, die bei einer Reihe von kritischen Herzfehlern vermindert ist. Eine größere Anzahl von Studien hat gezeigt, dass die Pulsoxymetrie in der Lage ist, Verdachtsfälle zu ermitteln, die dann durch eine Echokardiografie abgeklärt werden müssen.

Ob ein landesweites Screening sinnvoll wäre, hat das britische National Institute for Health Research Health Technology Assessment in einer größeren Studie an sechs Kliniken untersuchen lassen. Bei 20.055 Neugeborenen wurde in den ersten 24 Stunden nach der Geburt eine Pulsoxymetrie am rechten Arm und am rechten Bein durchgeführt.

Eine Sauerstoffsättigung unter 95 Prozent oder ein Unterschied zwischen den beiden Werten um mehr als 2 Prozent hatte eine klinische Untersuchung zur Folge. Bei einem positiven Befund wurde eine Echokardiographie veranlasst. War die klinische Untersuchung unauffällig, wurde die Pulsoximetrie nach 1 bis 2 Stunden wiederholt.

Wie die Gruppe um Andrew Ewer von der Universität Birmingham berichtet, kamen 53 Kinder mit einem schweren Herzfehler (Prävalenz 2,6/1000 Lebendgeburten) zur Welt, der unbehandelt in den ersten 12 Lebensmonaten zum Tod führen würde. Bei 24 der 53 Kinder lag ein kritischer Herzfehler vor. Sie hätten unbehandelt die ersten vier Wochen nicht überlebt.

Von den 53 Kindern wurden allerdings nur 26 durch das Pulsoxymetrie-Screening erkannt (richtig positiv). Die anderen 27 Kinder (falsch negativ) wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt. Bei 169 Kindern schlug die Pulsoximetrie einen Alarm, der durch spätere Untersuchungen ausgeräumt werden konnte (falsch positiv). Bei 19.833 Kindern erkannt das Screening, dass die Kinder keinen schweren Herzfehler haben (richtig negativ).

Das Pulsoxymetrie ist damit nicht sehr zuverlässig. Ewer errechnet eine Sensitivität von 49,6 Prozent bei einer Spezifität von 99,16 Prozent. Etwas günstiger sind die Werte, wenn nur die kritischen Herzfehler betrachtet werden. Die Sensitivität steigt dann auf 75 Prozent bei einer Spezifität von 99,12 Prozent. Da kritische Herzfehler jedoch seltener sind, beträgt der positive prädiktive Wert nur noch 9,23 Prozent gegenüber 13,33 Prozent für alle schweren Herzfehler.

Hinzu kommt, dass bei 35 der 53 Kinder die vorgeburtliche Ultraschalluntersuchung bereits einen Verdacht ergeben hatte. Diese Kinder wären auch ohne das Pulsoxymetrie-Screening nach der Geburt kardiologisch untersucht worden. Nimmt man diese aus der Auswertung heraus, fällt die Sensitivität auf 28,7 Prozent für alle schweren Herzfehler und auf 58,33 Prozent für die kritischen Herzfehler.

Von den 169 Kindern mit einem falsch positiven Ergebnis wurde übrigens bei 6 ein kleinerer Herzfehler gefunden. Bei 40 anderen Kindern lagen andere schwere Erkrankungen vor, die eine dringende medizinische Behandlung notwendig machten. 


Trotz der alles andere als idealen Ergebnisse wird sich das Pulsoxymetrie-Screening wohl durchsetzen. Die Kosten für die Untersuchung sind verführerisch gering. Die Editorialisten William Mahle von der Emory Universität in Atlanta und Robert Koppel vom Cohen Children’s Medical Center in New York raten den Kliniken aber, die Mehrbelastungen zu beachten, die sich durch die falsch-positiven Ergebnisse ergeben. Während die Pulsoxymetrie kostengünstig und durch einen technischen Assistenten durchgeführt werden kann, erfordert die genaue Echokardiographie immer einen ausgebildeten Facharzt. © rme/aerzteblatt.de

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