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Medizin

Depression als Schlaganfallrisiko

Montag, 15. August 2011

Boston – Eine Depression zeigt bei Frauen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko an. Dies zeigt eine Auswertung der Nurses' Health Study in Stroke (2011; doi:10.1161/STROKEAHA.111.617043). Besonders gefährdet waren Patientinnen, die Antidepressiva und hier vor allem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) einnahmen.

Von den 80.574 Krankenschwestern im Alter von 54 bis 79 Jahren, deren Daten Kathryn Rexrode vom Brigham and Women’s Hospital in Boston ausgewertet hat, litt jede fünfte an einer Depression. Dies ist in den USA in dieser Altersgruppe keine auffällig hohe Rate, so dass die Daten als repräsentativ gelten können – jedenfalls für die überwiegend weiße Bevölkerung in Neu-England.

Kennzeichnend für Patienten mit einer Depression ist, dass sie häufiger rauchen, körperlich weniger aktiv sind, ein höheres Körpergewicht haben und häufiger an Begleiterkrankungen wie arterieller Hypertonie, einer Herzerkrankung oder Diabetes leiden. Dies alles sind etablierte Risikofaktoren für einen Schlaganfall, so dass eine erhöhte Rate von Schlaganfällen bei Patienten mit Depressionen an sich nicht überraschend ist.
 

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Eine Besonderheit der Nurses' Health Study ist jedoch, dass alle diese Risikofaktoren regelmäßig (alle zwei Jahre) erfasst werden, so dass Rexrode sie in ihre adjustierte Risikoanalyse einfließen lassen konnte. Unter dem Strich blieb dann ein „Restrisiko“ von 29 Prozent, um das Frauen mit Depression häufiger einen Schlaganfall erlitten als Frauen ohne Depressionen. Für Teilnehmerinnen, die mit SSRI behandelt wurden, war das Risiko sogar um 39 Prozent erhöht.

Damit stellt sich die Frage, ob das „Restrisiko“ auf Faktoren des Lebensstils zurückzuführen ist, die durch die Befragungen der Krankenschwestern nicht erfasst wurden, oder ob eine kausale Beziehung besteht. Rexrode vertritt die Ansicht, dass „neuroendokrine, immunologische und entzündliche“ Begleiterscheinungen der Depression an dem Risiko beteiligt sein könnten.

Auch sei es denkbar, dass einige Antidepressiva über eine Erhöhung von Körpergewicht, Blutdruck und „anormalen Blutungen“ sich ungünstig auswirken könnten. Den Autoren ist allerdings klar, dass eine prospektive Studie hierfür keine Beweise liefert.

Für den Kommentator Philip Gorelick vom Center for Stroke Research an der Universität in Chicago ist die Studie dennoch bedeutsam, da sie eine seit längerem vermutete Assoziation bestätigt. Für die Ärzte bedeuten die Ergebnisse, dass sie bei Patienten mit Depression immer an ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko denken sollten, auch wenn es hierfür keine besonderen Hinweise gibt.

© rme/aerzteblatt.de

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