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Medizin

Einweghandschuhe: Allergie-Risiko für Reinigungskräfte

Freitag, 19. August 2011

Dresden – Allergologen warnen Reinigungskräfte vor der Verwendung von medizinischen Schutzhandschuhen. Diese würden die Haut nicht wirksam vor den Reinigungsmitteln schützen, und nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie in Contact Dermatitis (2001; doi: 10.1111/j.1600-0536.2011.01937.x) sind sie nicht selten Auslöser einer schweren Kontaktdermatitis, die schlimmstenfalls eine Berufsunfähigkeit zur Folge haben kann.

Medizinische Schutzhandschuhe werden heute in jeder Drogerie angeboten. Die zumeist aus Latex gefertigten Handschuhe sind preiswert und die Hersteller suggerieren einen besonderen medizinischen Schutz. Tatsächlich halten die Einmalhandschuhe zumeist Viren, Pilze und Bakterien zurück. Doch die in Reinigungsmitteln enthaltenen Chemikalien können die hauchdünne Gummischicht problemlos durchdringen.

Die Haut wird mit Chemikalien wie Formaldehyd, Glyoxal, Glutaraldehyd und Benzalkoniumchlorid und auch mit dem Zusatzstoff Thiuram exponiert, die alle bekannte Kontaktallergene sind. Da die Hände durch das Eindringen der Flüssigkeit feucht werden, kommt es schnell zu Hautirritationen, was eine Sensibilisierung begünstigt. Ist es erst einmal zu einer Allergie gekommen, können geringste Allergenkonzentrationen das Handekzem am Leben halten.
 

Tatsächlich registriert die Deutsche Kontaktallergiegruppe eine gesteigerte Rate von Sensibilisierungen auf Bestandteile von Reinigungsmitteln. Laut der Auswertung von Privatdozentin Andrea Bauer vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden reagieren mittlerweile 11,6 Prozent aller weiblichen Reinigungskräfte, die sich wegen schwerer Kontaktallergien an 45 dermatologischen Abteilungen vorgestellt haben, im Allergietest positiv auf Thiuram.

In einer Kontrollgruppe anderer kontaktallergischer Patientinnen betrug der Anteil nur 1,5 Prozent. Auch Sensibilisierungen auf Zink-Diethyldithiocarbamat (3,4 Prozent versus 0,4 Prozent), Mercaptobenzothiazol (1,8 versus 0,5 Prozent) und Formaldehyd (3,4 versus 1,4 Prozent) sind bei erkrankten Reinigungskräften häufiger.

Bauer rät Reinigungskräften (und auch im Haushalt) dringend von der Verwendung von medizinischen Einmalhandschuhen ab. Nur dicke, wieder verwendbare Gummihandschuhe böten einen adäquaten Schutz vor Chemikalien. Die Schutzhandschuhe sollten mit Baumwolle beflockt oder mit Baumwollstrick ausgekleidet sein, damit die Haut nicht so leicht schwitzt und ein direkter Kontakt zum Gummi vermieden wird. Beides begünstigt Irritationen der Haut, die Allergien Vorschub leisten.

Menschen, die zu schwitzenden Händen neigen, sollten unter dem Schutzhandschuh dünne Baumwollhandschuhe tragen, die in Apotheken erhältlich sind, rät die Allergie-Expertin. Diese sollten bei einer beginnenden Durchfeuchtung durch saubere, trockene ersetzt werden. Die Schwitzneigung der Haut könnte auch minimiert werden, wenn das Putzwasser Körpertemperatur habe.

Zum Schutz der Haut sollte man zwei unterschiedliche Cremes verwenden: Während der Arbeit Hautschutzcremes, nach dem Händewaschen und nach der Arbeit Pflegecremes. Welche Creme die richtige ist, könne mit dem Hautarzt oder dem Apotheker besprochen werden. 

Arbeitgeber sind laut Bauer gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Angestellten geeignete Handschuhe und Hautschutzcremes zur Verfügung zu stellen. Diese Vorschrift werde jedoch in der Praxis in vielen Arbeitsbereichen kaum umgesetzt – zum Schaden der Angestellten. Die bestehenden Arbeitsschutzregelungen würden oft ignoriert, beklagt die Expertin. Im Grunde müssten Einweghandschuhe komplett aus der Reinigungsbranche verschwinden. © rme/aerzteblatt.de

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