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Medizin

Mammakarzinom: Tamoxifen und Aroma­tase-Inhibitoren im „Switch“ erfolgreicher

Dienstag, 23. August 2011

Toronto – Obwohl Aromatase-Inhibitoren Rezidive eines postmenopausalen Mammakarzinoms besser verhindern als Tamoxifen, konnte ein Vorteil im Gesamtüberleben bisher nicht nachgewiesen werden. Eine Meta-Analyse im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2011; 103: 1299-1309) vermutet die Ursache in einer höheren Toxizität, die nach Ansicht des Autors durch eine „Switch“-Strategie vermieden werden könne.

Tamoxifen hat die Hormontherapie des Mammakarzinoms begründet, doch viele Experten bevorzugen heute die neueren Aromatase-Inhibitoren. Der letzte Beweis einer Überlegenheit, nämlich eine im Vergleich zu Tamoxifen gesteigerte Gesamtüberlebensrate steht allerdings noch aus.

Dies kann an den insgesamt sehr guten Behandlungsergebnissen beim Mammafrühkarzinom liegen. Es könnte aber auch sein, dass eine erhöhte kardiovaskuläre Toxizität von Aromatase-Inhibitoren die Vorteile zunichte macht, wie dies Eitan Amir vom Princess Margaret Hospital in Toronto vermutet.

Amir legt zum Beweis eine systematische Übersicht aus sieben randomisierten klinischen Studien mit 30.023 Patientinnen vor. Sie ergibt tatsächlich eine erhöhte Rate von kardiovaskulären Erkrankungen bei Patientinnen, die mit Aromatase-Inhibitoren behandelt wurden, auch wenn der Unterschied zu Tamoxifen gering ist.

Amir errechnet einen Number Needed to Harm (NNH) von 132 Patientinnen, auf die unter der Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren ein zusätzliches kardiovaskuläre Ereignis kommt. Etwas geringer (und damit ungünstiger) ist die NNH mit 46 beim Endpunkt Knochenbrüche, die unter Aromatase-Inhibitoren häufiger sind als unter Tamoxifen.

Dem steht unter Tamoxifen eine erhöhte Rate von venösen Thromboembolien (NNH 79) und Endometriumkarzinomen (NNH 258) gegenüber. Unter dem Strich ergibt sich laut Amir ein leicht (plus 11 Prozent), aber nicht-signifikant erhöhtes Risiko, dass Frauen unter der Therapie mit einem Aromatase-Inhibitor an anderen Krankheiten (außer dem Mammakarzinom) sterben. Dieser Vergleich bezieht sich nicht nur auf eine 5-jährige Tamoxifen-Behandlung, sondern auch auf eine „Switch“-Strategie.

Bei diesem Therapieansatz wird die Hormonbehandlung zunächst mit Tamoxifen (oder einem Aromatase-Inhibitor) begonnen, um nach der Halbzeit (2 bis 3 Jahre) auf den anderen Wirkstoff zu wechseln. Diese Strategie erfreut sich nach Auskunft der Editorialistin Nancy Davidson vom University of Pittsburgh Cancer Institute offenbar steigender Beliebtheit.

Auch auf einer Konsensustagung in St. Gallen sprachen sich Experten jüngst für den differenzierten Einsatz der beiden Wirkprinzipien aus (Annals of Oncology 2011; 22: 1736–1747). Danach könnte Tamoxifen bei bestimmten Frauen weiter die erste Wahl sein, während bei einem erhöhten Rezidivrisiko (beispielsweise bei positivem Lymphknotenstatus) Aromatase-Inhibitor die sichere Wahl sein könnten. © rme/aerzteblatt.de

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