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Politik

Hersteller­rabatt dämpft Anstieg der Arznei­ausgaben

Donnerstag, 8. September 2011

Berlin - Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im vergangenen Jahr um 177 Millionen Euro auf 30,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Arzneimittel-Atlas hervor, den das IGES Institut im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) erstellt hat. „Im Kontext der vergangenen Jahre ist das nur ein kleiner Zuwachs“, sagte der Leiter des IGES Instituts, Bertram Häussler, heute vor Journalisten in Berlin.
 

Ursächlich für die vergleichsweise niedrige Zunahme der Arzneimittelausgaben sei insbesondere der Anstieg des Herstellerrabatts für Medikamente ohne Festbetrag von sechs auf 16 Prozent, der im August letzten Jahres mit dem GKV-Änderungsgesetz in Kraft getreten ist.

Insgesamt hätten sich die Herstellerrabatte 2010 auf knapp 2,9 Milliarden Euro belaufen und somit knapp 1,1 Milliarden Euro höher gelegen als im Vorjahr. Zu zwei Dritteln sei der Anstieg dieser Rabatte auf die Regelungen des GKV-Änderungsgesetzes zurückzuführen, so Häussler.

Erneut wurden im Jahr 2010 mehr Arzneimittel verordnet als im Vorjahr, sodass die GKV etwa 900 Millionen Euro mehr für verschriebene Medikamente bezahlt hat. Die Steigerung ist jedoch seit Jahren rückläufig. Vor vier Jahren gab die GKV noch 2,1 Milliarden Euro mehr für verordnete Arzneimittel aus als im Vorjahr. Das liege daran, so Häussler, dass die deutsche Bevölkerung in den großen Indikationsgruppen ausreichend mit Arzneimitteln versorgt sei.

Für höherpreisige Analog-Wirkstoffe und die Modernisierung einer Therapie bezahlte die GKV 482 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug sparte sie 432 Millionen Euro insbesondere durch abgelaufene Patente ein, die den Wechsel zu preisgünstigeren Medikamenten nach sich zog.
 

Häussler wies darauf hin, dass das Finanzierungsdefizit der GKV infolge des erwarteten Rückgangs der Arbeitnehmerbeiträge für die Sozialversicherung ausgeblieben sei. Die Regierung habe vor zwei Jahren von einem zu erwartenden Defizit von elf Milliarden Euro gesprochen. Dies zu verhindern hatte sie dann unter anderem die Herstellerrabatte im GKV-Änderungsgesetz beschlossen. Nun hätten sich die Arbeitnehmerentgelte jedoch viel besser entwickelt als erwartet, so Häussler.

Die Zwangsrabatte seien die Reaktion auf eine politische Notsituation gewesen, erklärte die Vorstandsvorsitzende des vfa, Birgit Fischer. Man müsse jedoch auch die Wirkung solcher Maßnahmen bedenken. Denn infolge der Zwangsrabatte sei es zu massiven Einbrüchen bei den Einnahmen insbesondere der forschenden Arzneimittelhersteller gekommen.

„Die Erhebung der Zwangsrabatte mag vor zwei Jahren als gerechtfertigt erschienen sein.  Wenn nun aber die befürchtete Entwicklung anders eingetreten ist, dann muss man auch die Zwangsrabatte wieder in Frage stellen“, forderte Fischer.

© fos/aerzteblatt.de

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