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Medizin

Finnland: Alkohol als Sterberisiko für Typ-1-Diabetiker

Freitag, 9. September 2011

Helsinki – Die Adoleszenz ist eine schwierige Lebensphase, besonders für Menschen mit Diabetes. Wie aus einer Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d5364) hervorgeht, ist in Finnland in den letzten Jahrzehnten die Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern gesunken, deren Erkrankung sich zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr manifestierte. Alkohol und Drogen waren eine häufige Todesursache.

Trotz aller Erfolge in der Behandlung des Typ-1-Diabetes mellitus ist die Lebenserwartung der Patienten gegenüber der Allgemeinbevölkerung vermindert, was vor allem an den renalen Komplikationen und der erhöhten Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt. Man sollte meinen, dass Patienten, die bereits als Kinder erkrankt sind, besonders häufig betroffen sind.

Diese Gruppe hat aber nach den Analysen von Valma Harjutsalo vom Folkhälsan Forschungszentrum, einer Nicht-Regierungs-Organisation in Helsinki, stark von den Fortschritten der Diabetestherapie profitiert, die in Finnland allen Einwohnern zur Verfügung steht. Insulin ist dort seit 1965 kostenfrei.

Die kumulative 20-Jahres-Mortalität aller „early-onset“-Typ-1-Diabetiker (Krankheitsbeginn vor dem 15. Geburtstag) ist seit den 1970er Jahren von 4,5 auf 2,7 Prozent gesunken. Die Sterblichkeit ist damit zwar immer noch fast doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung (standardisierte Mortalitätsrate SMR 1,9), der Trend ist jedoch ein schöner Erfolg – auch wenn man bedenkt, dass die finnische Wirtschaft in den frühen 1990er Jahren eine schwere Krise durchlebte, die auch die Ressourcen für die Diabetikerversorgung beschnitt.

Die günstige Entwicklung wird jedoch überschattet von einem Anstieg der 20-Jahres-Mortalität bei den „Late-Onset“-Typ-1-Diabetikern. Dort ist die kumulative 20-Jahres-Mortalität von 4,4 auf 7,9 Prozent angestiegen.

Damit haben diese älteren Diabetiker gegenüber der Bevölkerung an Boden verloren: Die SMR stieg von 1,4 auf 2,9 an), eine traurige Entwicklung, die allerdings nicht auf die Grunderkrankung und deren Folgen zurückzuführen ist.

Nach den Berechnungen von Harjutsalo, die auf den zuverlässigen finnischen Kranken- und Sterberegistern beruhen, waren Alkohol und (andere) Drogen für nicht weniger als 39 Prozent aller Todesfälle der „Late-Onset“-Typ-1-Diabetiker verantwortlich. Dies zeigt, dass ein Krankheitsbeginn in der Pubertät von vielen Diabetikern schlechter verkraftet wird als ein Beginn in der Kindheit.

Harjutsalo vermutet, dass es für Ärzte und Diabetesberater in der Pubertät schwieriger ist, eine dauerhafte Partnerschaft aufzubauen, die als ein Grundpfeiler für eine erfolgreiche Diabetestherapie angesehen wird. © rme/aerzteblatt.de

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