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Medizin

Demenz: Insulin-Spray könnte Gedächtnis auf die Sprünge helfen

Dienstag, 13. September 2011

Seattle – Eine US-Forschergruppe glaubt, dass Insulin über eine verbesserte Glukoseverwertung im Gehirn die kognitive Funktion von Demenzpatienten verbessern kann. Eine Pilotstudie in den Archives of Neurology (2011; doi: 10.1001/archneurol.2011.233) erzielte tatsächlich eine gewisse Wirkung.

Bekannt ist, dass das Gehirn Rezeptoren für das zentrale Stoffwechselhormon Insulin besitzt. Sie sind auch am Hippocampus und anderen Regionen vorhanden, die an der Gedächtnisbildung beteiligt sind und deren Zerstörung durch Amyloid-Ablagerungen für die kognitiven Störungen bei der Alzheimerdemenz verantwortlich ist.

Die Gruppe um Suzanne Craft von den Veterans Affairs Puget Sound Health Care System in Seattle vertritt die Ansicht, dass eine Insulintherapie das Fortschreiten der degenerativen Erkrankung wenn nicht aufhalten, so doch möglicherweise verlangsamen könnte. Die übliche systemische Insulintherapie scheidet wegen der negativen Auswirkungen auf den Blutzucker aus. Es gibt aber noch einen weiteren, wenig bekannten Weg, Wirkstoffe direkt in das Gehirn zu applizieren: durch eine intranasale Applikation. 
 

Die Nase ist über das Riechepithel und den Nervus olfactorius mit dem Großhirn verbunden. Peptide können über die den Hirnnerven umgebenden kleinen Blutgefäße oder durch einen axonalen Transport in das Gehirn gelangen. Über das limbische System besteht zudem eine neuronale Verbindung mit den Gedächtniszentren des Gehirns.

Bei Nagern binden Insulinmoleküle innerhalb von 60 Minuten nach einer intranasalen Applikation an Rezeptoren im Hippocampus. Beim Menschen wurde Insulin nach einer intranasalen Applikation im Liquor nachgewiesen. Der Therapieansatz der US-Forscher ist deshalb nicht so abstrus, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

In einer randomisierten Doppelblindstudie haben die Forscher die Therapieidee an 104 Patienten mit Morbus Alzheimer oder der möglichen Vorstufe aMCI (amnestic mild cognitive impairment) erprobt. Die Patienten wurden auf drei Gruppen verteilt: 36 Teilnehmer applizierten täglich 20 IU Insulin, 38 Teilnehmer erhielten 40 IU Insulin und 30 Teilnehmer „schnupften“ ein Placebo. Die Applikation erfolgte mit einem speziellen Zerstäuber eines US-Herstellers. 

Nach vier Monaten Therapie wurde die Wirkung untersucht. Wie Craft berichtet, kam es in einem Gedächtnistest (delayed story recall score), einer der beiden primären Endpunkte, nur unter der niedrigen Insulin-Dosierung zu einer Verbesserung, während die hohe Dosis enttäuschte.

Der andere primäre Endpunkt, die Dementia Severity Rating Scale besserte sich dagegen in beiden Dosierungen (allerdings ohne Unterschiede zwischen den beiden Dosierungen). Dosisabhängige Wirkungen zeichneten sich dagegen in den kognitiven und Tagesaktivitätssubskalen des Alzheimer Disease’s Assessment Scale (ADAS-cog und ADCS-ADL) ab.

Auch ein leichter Rückgang der Abeta42-Konzentration im Liquor deuten die Forscher als Hinweis auf eine mögliche Wirkung. Bei einem Drittel der Teilnehmer wurden Positronenemissionstomographien (PET) durchgeführt. Die Bilder dokumentieren eine verbesserte neuronale Glukoseaufnahme im Frontalhirn.

Die Verträglichkeit der intranasalen Therapie war gut. Hypoglykämien wurden nicht beobachtet. Als Nebenwirkungen könnten Nasenbluten, Rhinitis, vielleicht auch Kopfschmerzen auftreten. Angesichts der kleinen Teilnehmerzahl ist ein Bewertung aber nicht möglich. Eine Therapieempfehlung lässt sich aus den Studienergebnissen nicht ableiten. Craft plant als nächsten Schritt eine weitere Studie mit einer größeren Teilnehmerzahl. © rme/aerzteblatt.de

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