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Ärzteschaft

KBV: Medikationskatalog ist keine Positivliste

Freitag, 16. September 2011

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass der von KBV und Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vorgeschlagene Medikationskatalog ausdrücklich keine Positivliste ist und somit auch nicht mit ihr zu verwechseln sei.

Der Unterschied zwischen Medikationskatalog und Positivliste ist laut KBV eindeutig. Demnach ist die Positivliste eine für den Arzt bindende Aufstellung von Arzneimitteln, an die er sich bei Verschreibungen zu halten hat.

Der Medikationskatalog dagegen ist der KBV zufolge eine Weiterentwicklung des Konzeptes der Leitsubstanzen. Er listet Leit- und Reservewirkstoffe vorrangig für die Indikationen der Grundversorgung auf.

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„Damit wird eine einheitliche, kassenübergreifende, leitliniengerechte und patientenorientierte Versorgung sichergestellt“, heißt es dazu aus der KBV. Ziel sei es, dass der Arzt den überwiegenden Anteil der Verordnungen aus dem Medikationskatalog tätige. Der Medikationskatalog soll das Verordnungsverhalten nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin und der Wirtschaftlichkeit unterstützen.

Im Gegensatz zur Positivliste ist der Medikationskatalog auf Wirkstoffbasis eine Empfehlung, so die Bundesvereinigung. Die freie Therapieentscheidung im Einzelfall bleibe davon unberührt. In diesem Zusammenhang legt die KBV unbedingten Wert auf die Feststellung, dass Ärzte in ihrer Therapieentscheidung frei sind und auch weiterhin bleiben müssen.

© hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 19. September 2011, 11:17

Medikations- bzw. Wirkstoffkatalog, Medikamenten- oder Positivliste, was denn nun, KBV?

Warum kann die KBV nicht zugeben, dass ihr in Kohabitation mit dem ABDA heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit geborenes Kind mit dem Namen "Modellprojekt Wirkstoffkatalog" niemals Laufen lernen wird. Es war doch voraussehbar, dass es mit den Schimpfworten
"Positivliste" oder "Medikamentenkatalog" gehänselt würde.

Mir kommen allerdings die Tränen, wenn ich höre: "Bei dem Modell soll vor allem die mangelnde Compliance von Patienten, die mehr als fünf Wirkstoffe einnehmen müssen, verbessert werden." K o n k r e t, lieber Herr Kollege Müller vom KBV-Vorstand, da Sie ja schon längere Zeit keine Rezepte mehr ausgestellt haben, nehmen wir doch mal Ramipril/HCT, Metoprolol, Simvastatin, Amlodipin und ASS 100. Bei diesen 6 Wirkstoffen in 5 Packungen, vom Arzt blanco verordnet, wählt der Apotheker die zugehörigen Präparate aus. Dies bedeutet für den Patienten bis zu z w a n z i g (20) verschiedene Verpackungen, Logos, Herstellernamen, Reimporte, Distributoren in 4 Quartalen eines einzigen Jahres. Da haben sich Rabattverträge, Listenpreise, Angebote des Pharmagroßhandels, Vertriebswege, Marktverfügbarkeit ständig verändert, so dass der Apotheker für Stetigkeit und Achtsamkeit in seiner "Beratung" gar keine Zeit hat.

Die Compliance der Patienten wird mit diesem von Ihnen im Elfenbeinturm von KBV und ABDA ausgeheckten "Wirkstoffkatalog-Modell", jetzt zu allem Überfluss auch noch "Medikationskatalog" genannt, fürs Versorgungsstrukturgesetz geradezu auf den Kopf gestellt. Sie entwickeln damit eine zusätzliche Krankheit, wo wir Hausärztinnen und Hausärzte doch die bestehenden Erkrankungen unserer Patienten zu heilen versuchen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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