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Medizin

Ovarialkarzinom: Fluoreszenz markiert Tumor intraoperativ

Montag, 19. September 2011

Groningen/München – Ein Fluoreszenzfarbstoff, der Tumorherde intraoperativ markiert, hat in einer ersten klinischen Studie in Nature Medicine (2011; doi: 10.1038/nm.2472) die Tumorsuche bei einer zytoreduktiven Chirurgie des Ovarialkarzinoms deutlich erleichtert. Mittels einer Spezialkamera wurden auch kleine Krebszellherde sichtbar gemacht, die ein Chirurg bei einer Operation leicht übersehen kann.

Im Gegensatz zu gesunden Zellen und benignen Tumoren der Eierstöcke exprimieren Ovarialkarzinome zu 90 bis 95 Prozent einen Rezeptor für Folsäure auf den Zellen. Die Kopplung von Folsäure mit einem fluoreszierenden Farbstoff bietet deshalb theoretisch die Möglichkeit, Tumorzellen intraoperativ sichtbar zu machen.

Um das Prinzip für die Tumorherde zu nutzen, hat das Team um Vasilis Ntziachristos vom Helmholtz Zentrum München ein sogenanntes multispektrales Fluoreszenz-Kamera-System entwickelt. Es besteht aus drei Kameras, die auf einem schwenkbaren Trägerarm über dem OP-Tisch montiert werden sowie aus zwei Lichtquellen (Laser und Weißlicht).

Nach dem erfolgreichen Abschluss tierexperimenteller Studien wurden an der Universitätsklinik in Groningen zehn Patientinnen von Gooitzen van Dam und Mitarbeitern operiert. Vor der Operation wurde den Patientinnen intravenös der Farbstoff Fluorescein-Isothiocyanat injiziert, der chemisch mit Folsäure gebunden war. Er wurde während der Operation mit den Lampen zur Fluoreszenz angeregt.

Die Operateure konnten dies allerdings mit bloßem Auge nicht erkennen. Für sie detektierten die drei Kameras – in verschiedenen Spektralbändern – die Fluoreszenz der Tumorzellen. Das Ergebnis wurde in Echtzeit auf einen Monitor über eine Abbildung des OP-Situs projiziert, so dass die Chirurgen wussten, wo sich die Metastasen befanden. Da die Nachweisgrenze nach Angaben der Autoren bei nur 50 Mikrometern liegt, konnte so auch kleinere Tumornester aufgespürt werden.

An der Studie nahmen zehn Patientinnen mit einem Verdacht auf ein Ovarialkarzinom teil, bei denen eine explorative Laparotomie vorgesehen war. Bei vier der zehn Patientinnen wurde während der Operation ein maligner Tumor entdeckt. Drei der vier Tumoren (zwei seröse und ein muzinöses Ovarialkarzinom) konnten zur Fluoreszenz angeregt werden. Beim vierten Karzinom handelte es sich um ein undifferenziertes Karzinom, das offenbar keine Folsäurerezeptoren mehr exprimierte.

Der Publikation zufolge konnten bei den Patientinnen im Durchschnitt 34 Tumornester entfernt werden. Ohne die Unterstützung des bildgebenden Verfahrens hätten die Chirurgen nur 7 Metastasen entdeckt, schreiben die Autoren. Es wurden jedoch keine Tastbefunde berücksichtigt, die viele Chirurgen beim intraoperativen Staging nutzen.

Ob sich dank der Hilfe des multispektralen Fluoreszenz-Kamera-Systems die Prognose verbessert, lässt sich in einer Pilotstudie mit drei Patientinnen ohne Vergleichsgruppe und ohne Daten zur Nachbeobachtung nicht klären. Die Studie belegt aber, dass eine Bildgebung in Echtzeit im OP-Raum praktikabel ist. Die Operationszeit wurde durch die Bildgebung nur unwesentlich (Durchschnitt 10 Minuten) verlängert.

Die Forscher aus München und Groningen wollen das Kamera-System weiterentwickeln. Geplant ist zum einen eine System-Variante für laparoskopische („minimal-invasive“) Operationen. Zum anderen könnte das Verfahren auch genutzt werden, um andere Krebsarten während der OP aufzuspüren. Neben Ovarialkarzinomen exprimieren auch Krebserkrankungen des Endometriums, der Lunge und der Niere zu 80 Prozent Rezeptoren für Folsäure. Bei Darm- und Brustkrebs soll der Anteil 50 Prozent betragen. © rme/aerzteblatt.de

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