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Medizin

Darmkrebsvorsorge: Männer haben früher und häufiger fortgeschrittene Adenome

Mittwoch, 28. September 2011

Wien – Fortgeschrittene Adenome, eine Vorstufe zum Kolorektalkarzinom, werden bei der Vorsorge-Koloskopie bei Männern häufiger in einem früheren Lebensalter gefunden als bei Frauen. Dies zeigen die bisherigen Erfahrungen des österreichischen Darmkrebs-Screenings, die jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 306: 1352-1358) vorgestellt wurden.

Österreich hat die Vorsorge-Koloskopie im Jahr 2005 eingeführt. Zwischen 2007 und 2010 nahmen 44.350 Österreicher das Angebot an, das für alle Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr gilt.

Ein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern wird nicht gemacht. Doch die jetzt von Monika Ferlitsch von der Medizinischen Universität Wien vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass Männer früher und häufiger Adenome entwickeln. Eine ähnliche Tendenz wurde auch für fortgeschrittene Adenome und Kolorektalkarzinome gefunden.

Hierzu einige Zahlen: Insgesamt wurden in den Vorsorge-Koloskopien bei 24,9 Prozent der Männer, aber nur bei 14,8 der Frauen Adenome gefunden. Auch in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen, also der jüngsten, denen das Screening in Österreich angeboten wird, betrug die Adenom-Prävalenz 18,5 Prozent bei Männern gegenüber 10,7 Prozent bei Frauen.

Die Number Needed to Screen (NNS) beträgt 5,4 bei Männern und 9,3 bei Frauen. Es mussten also fast nur halb so viele Männer wie Frauen koloskopiert werden, um einen Patienten mit Adenomen zu finden.

Gelegentlich melden sich in Österreich auch Personen zum Darmkrebsscreening an, die die Altersgrenze von 50 Jahren noch nicht erreicht haben. Der Grund kann eine positive Familienanamnese sein oder eine unbegründete Angst, an Darmkrebs erkrankt zu sein.

Darunter waren auch 443 Männer im Alter von 45- bis 49 Jahren. Die geringe Zahl und eine mögliche Selektion lassen keine abschließende Bewertung zu. Die NNS auf ein Adenom war jedoch bei den 45- bis 49-jährigen Männern mit 5,9 vergleichbar mit der der NNS bei Frauen im Alter von 60 bis 64 Jahren.
 

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Ähnlich war die Situation bei den fortgeschrittenen Adenomen, die als direkte Vorstufe für ein Kolorektalkarzinom gelten: Die Prävalenz bei den 50 bis 54-Jährigen betrug 5,0 Prozent bei Männern, aber nur 2,9 Prozent bei Frauen (NNS 20 vs. 34). Hier ist die Situation bei den 45 bis 49-jährigen Männern (Prävalenz 3,8 Prozent, 26,1) ähnlich wie bei den 55- bis 59 Jahre alten Frauen (Prävalenz 3,9 Prozent, NNS 26).

Auch beim Kolorektalkarzinom gibt es eine geschlechtsspezifische Altersverschiebung: 55 bis 59 Jahre alte Männer (Prävalenz 1,3 Prozent, NNS 75) erkranken genauso häufig wie 65 bis 69 Jahre alte Frauen (Prävalenz 1,2 Prozent, NNS 81,8).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das männliche Geschlecht ein unabhängiger Risikofaktor für das Kolorektalkarzinom und seine Vorläuferläsionen ist. Für Ferlitsch, die eine Arbeitsgruppe zur Qualitätssicherung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie leitet, stellt sich deshalb die Frage, ob die Altersgrenzen angepasst werden sollten. Sie lässt dabei offen, ob die Altersgrenze für Männer gesenkt oder für Frauen angehoben werden sollte.

© rme/aerzteblatt.de

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