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Medizin

Epilepsie als Spätfolge der Frühgeburt

Dienstag, 4. Oktober 2011

Palo Alto – Die gesundheitlichen Folgen einer Frühgeburt reichen möglicherweise bis ins Erwachsenenalter hinein. Einer Studie in Neurology (2011; 77: 1376-1382) zufolge haben Frühgeborene als junge Erwachsene ein deutlich erhöhtes Epilepsierisiko.

Das schwedische Geburtenregister verzeichnet für die Jahrgänge 1973 bis 1979 fast 28.000 Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche entbunden wurden.

Mehr als zwei Jahrzehnte später, im Zeitraum zwischen 2005 und 2009, wurden 922 von ihnen wegen einer Epilepsie hospitalisiert, wie Casey Crump von der Stanford University in Palo Alto durch den Abgleich von Geburt und Krankenhausregister recherchiert hat. Die Erkrankungsrate ist signifikant höher als bei Schweden, die um den Termin herum geboren wurden. 

Und es gibt eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die für einen ursächlichen Zusammenhang spricht. Laut den Berechnungen des Forschers erhöht eine Geburt in der 35. oder 36. Woche das Epilepsierisiko im Alter zwischen 25 und 37 Jahren um 76 Prozent (Odds Ratio OR 1,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,30–2,38).

Bei einer Geburt in der 32. bis 34 Woche war das Epilepsierisiko verdoppelt (OR 1,98; 1,26–3,13), und bei den extremen Frühgeburten (31. Woche oder früher) war das Risiko sogar fünffach erhöht (OR 4,98; 2,87–8,62). Eine ähnliche Assoziation fand Casey beim Abgleich der Geburtsregister mit den Verordnungen für Antiepileptika. 

Ein Zusammenhang erscheint biologisch plausibel, da Frühgeburten auch das Risiko auf andere Hirnschäden wie die Zerebralparese erhöhen, die während der Geburt noch nicht erkennbar sind. Offen bleiben muss, ob die Hirnschädigung Folge der Frühgeburt ist. Möglich wäre auch, dass die Frühgeburt das erste Zeichen für eine Hirnerkrankung ist, die sich im späteren Leben als Epilepsie manifestiert. © rme/aerzteblatt.de

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